07.11.02
Kein vernünftiger Mensch streitet die Notwendigkeit des Mobilfunks ab. Wir jedenfalls sind für Mobilfunk. Aber das GSM- und UMTS- Netzkonzept ist veraltet. Wir beweisen, daß es eine Gewaltlösung mit unverantwortlich und sinnlos starker Nadelimpuls- Strahlung darstellt. Angeblich muß das so sein, wenn man mobil telefonieren will. Besonders laut betonen das diejenigen, die Null Ahnung haben.
Wir zeigen, wie smogfreier Mobilfunk, wie ihn der Freiburger Appell fordert, für alle realisierbar ist. Die Behauptung der Betreiber, sie wüßten nicht, wie man das ohne Nachteile für die Kunden, ohne Komforteinbußen machen könne, ist unwahr. Es ist beschämend, daß Bürgerinitiativen, also Laien, die Lösung erarbeiten und offenlegen müssen. Den Fachleuten wurde offenbar das eigenständige Denken bei Strafe des Jobverlustes verboten.
Wir haben festgestellt: Bis auf das Bio-Handy sind alle für smogfreien Mobilfunk erforderlichen Komponenten da. Nur eins ist erforderlich: Mehr Rücksicht, mehr Sorgfalt beim Umgang mit der Strahlung, besonders bei der Planung. Das ist bei ionisierender Strahlung schon lange selbstverständlich. Beim Mobilfunk wurde die Technikfolgenabschätzung bisher (absichtlich) versäumt, das ist ethisch nicht vertretbar. Man muß da, wo es wegen der Vorsorge geboten ist, mit der Immission unter dem biologisch wirksamen Level bleiben und versuchen, sich den Bedingungen in der Natur zu nähern. Um das zu verstehen, braucht man kein Fachmann zu sein. Weder der Komfort für die Handynutzer, noch die Gewinnmargen für die Betreiber und Handyhersteller werden durch unsere Vorschläge beschnitten. Nur ein bißchen gesunder Menschenverstand und Verantwortungsbewußtsein sind gefragt. Der Aufsatz von Prof. Vogler Mobilfunk und seine Technikfolgen (14.09.02) trifft den Kern.
Wir veröffentlichen unsere für jeden nachvollziehbaren Überlegungen deshalb, weil wir die Behauptung der Nichtrealisierbarkeit smogfreien Mobilfunks vor aller Öffentlichkeit widerlegen wollen. Mundgerechter kann man es wirklich nicht aufbereiten. Unternehmer, die da nicht ihre Chance sehen, denen ist nicht zu helfen. Die deutschen Betreiber meinen bisher, die Zeit sei für umweltverträglichen Mobilfunk noch nicht reif, die Kunden wünschten keine Änderung, sie hätten sich an das Risiko gewöhnt. Das ist falsch. Die Bevölkerung will Mobilfunk ohne unnötige Gesundheitsgefahren und wird ihn auch bekommen. Das sind wir alle unseren Kindern schuldig.
Wir rufen Unternehmer, Ingenieure, Techniker, Naturwissenschaftler und Baubiologen auf, sich am Ideenwettbewerb rund um umweltverträglichen Mobilfunk zu beteiligen, aber nicht beim Theoretisieren stehen zu bleiben. Wer bietet die erste Variante des smogfreien Mobilfunks an ? Wer hat das erste Bio-Handy am Markt ?
Wir fordern die Bürger in den Kommunen auf, Verträge mit den Betreibern zu erzwingen, die die Basisstationen aus den Wohngebieten verbannen sowie durch passive und aktive Mikrozellen mit Immissionskontrolle die Handy-belastung zu senken. Die Mobilfunkstrahlung macht schon jetzt den Großteil der Belastung der Bevölkerung aus. Also muß hier angefangen werden. UMTS nach der veralteten Planung würde die Situation eskalieren lassen. In den Wohnungen stellen DECT-Telefone den Versuch einer gefährlichen Körperverletzung dar. Wer sich ein DECT- Telefon kauft, sollte sich gut versichern, denn auch die Nachbarn sind betroffen. Die Verbraucherschutzzentrale warnt, das Verbraucherschutzministerium schweigt.
Wir fordern die Gesetzgeber auf, die Immissions- Grenzwerte für alle Strahler im Mikrowellenbereich schnellstmöglich unter den biologisch aktiven Level zu senken, denn das geht.
Die Bürger werden sich nicht endlos den Wahnsinn beim Umgang mit der Mobilfunk- Strahlung gefallen lassen. Jeder kennt Ozonloch, Treibhauseffekt und Endlagerproblem bei Atomkraftwerken. Nur wenige Bürger wissen aber über Mobilfunk gut Bescheid. Irreführende Werbung, welche die Gefahr verschweigt , beherrscht noch den Markt. Was, wenn ein Werbemanager plötzlich den Spieß herumdreht , weil er begreift, das die Wahrheit die beste Werbung für ein Produkt ist ? Produkthaftung, Verursacherprinzip beim Mobilfunk ein wichtiges Thema.
Wir gehen mit den Betreibern völlig konform in der Forderung nach sachlicher Aufklärung der Bevölkerung. Was beim Wettrüsten gelang den Wahnsinn zu stoppen das muß und das wird sich beim Mobilfunk wiederholen. Letzten Endes sitzen wir alle in einem Boot, nur, daß die einen immer nur rudern und die anderen am Steuer sich bei gutem Wetter sonnen und glauben, sich ruhig ein Schläfchen gönnen zu dürfen. Das geht nicht mehr gut, wenn das Wetter schlecht wird und eine Klippe auftaucht. Die ist in Sicht, wir steuern gerade darauf zu. Wenn wir die Steuermänner aufwecken müssen, dann werden wir das tun.
Zeigen die Verantwortlichen beim Mobilfunk keine Einsicht, bleibt der Bevölkerung, dessen sollten sich alle bewußt sein, nur der "Spanische Weg"! Bitte mailen Sie uns Ihre Überlegungen zum Problem smogfreier Mobilfunk, denn nur gemeinsam können wir etwas ändern und die erforderliche Gesundheitsvorsorge durchsetzen.
Mit freundlichen Grüßen der Bürgerinitiative Funksignal Taucha (bei Leipzig)
gez. Stefan Spaarmann
4 Anlagen
Auszug aus dem Tauchaer Mobilfunkkonzept, Anlage 1: Unsere Vorstellungen
Vorbemerkungen:
Unser Mobilfunkkonzept des smogarmen, später smogfreien Mobilfunks untersetzt unsere Ansichten zu einer Vorsorgestrategie. Es ist kein fertiges Rezept, sondern wir entwickeln es in den Details ständig weiter.
Der heutige Mobilfunk ist aus unserer Sicht aus drei Gründen biologisch gefährlich:
Wegen der viel zu hohen Feldstärken bzw. Immissionen. Das betrifft Basisstationen, Handys und DECT-Telefone. Dazu macht unser Tauchaer Mobilfunkkonzept Aussagen, die wir zur kritischen Diskussion stellen.
Wegen der Pulsung mit biologisch wirksamen Taktfrequenzen. Die Bedeutung dieses Punktes steht völlig außer Frage. Kein vernünftiger Mensch kann behaupten, daß man einen Preßlufthammer mit einem konstant wirkenden Druck gleichsetzen kann. Wenn auch nur der Verdacht besteht, daß eine Pulsung in die Steuerung der Organismen eingreift oder das Immunsystem strahlungsinduzierte Defekte nicht reparieren kann, ist sie abzulehnen. Zu diesem Punkt zählen wir auch biologische Resonanzen, nichtlineare und inverse Effekte bei ganz geringen Immissionen.
Die Mobilfunk-Basisstationen und die DECT-Teöephone strahlen kontinuierlich, man kann sie nicht abschalten. Das bringt eine zusätzliche Verschärfung der durch Punkt 1 geschaffenen Situation und belastet Unbeteiligte ohne Rücksicht auf ihre körperliche Unversehrtheit.
Zur Berücksichtigung von 2. in einem Vorsorgekonzept müssen Biophysiker, Baubiologen und Mediziner etwas sagen, da wir dafür nicht kompetent sind.
Zu den Grenzwerten: Nach der ECOLOG-Studie sollte der Grenzwert der Mobilfunkimmission durch Bassisstationen möglichst niedrig, aber unter 0,01 W/m2 liegen. Es ist bekannt, daß in der "Toskana Mobilfunk" bei 6.62*10-4 W/m2 und in Neusüdwales bei 10-5 W/m2 funktioniert. Das liegt krass unter den deutschen Grenzwerten. Wieso geht das dort und bei uns nicht ?
Unser Grundsatz lautet: Gesundheitsvorsorge hat die oberste Priorität. Da die "Wissenschaft" mit tausend Zungen spricht, wird sie sich nicht über verträgliche Immissionsgrenzwerte einigen können. Es gibt beinahe soviel Meinungen wie Wissenschaftler. Vorsorge muß deshalb von den niedrigsten technisch erreichbaren Werten ausgehen und das Ziel verfolgen, sich perspektivisch durch technische Weiterentwicklungen den "natürlichen" Werten zu nähern !
Fragen und Antworten im Zusammenhang mit Mobilfunk-Konzepten:
Basisstationen:
Wie weit sollte man mit der Immission herunter gehen, um aus Sicht der Vorsorge für die Bevölkerung auf der "sicheren Seite" zu liegen ? Die Hintergrundstrahlung der ungestörten Natur liegt im Mobilfunkfrequenzbereich bei 10-12 W/m2. An diesen "natürlichen Grenzwert" haben sich die Lebewesen in Milliarden Jahren gewöhnt, das ist ungefährlich. Es geht nicht nur um Menschen, sondern um die gesamte belebte Umwelt, um Nachhaltigkeit der technischen Entwicklung (heute liegt in Ballungsgebieten natürlich auch im betrachteten Frequenzband ein höherer Störpegel vor, den muß man schrittweise reduzieren, nicht ignorieren). Gesundheitliche reversible Wirkungen werden ab 10-9 W/m2 berichtet. Der biologisch aktive Level soll bei 10-6 W/m2 liegen, das scheint uns aus heutiger Sicht ein anstrebenswerter Wert für den Außenbereich zu sein. Für den Schlafbereich (Innenbereich) empfehlen wir den Wert des BV gegen Elektrosmog von 10-8 W/m2. Nehmen wir an, im Durchschnitt liege die Immission der Allgemeinheit durch Mobilfunk heute bei 0,1 W/m2 (1/100 der 26. BimSchV), dann wäre das immer noch eine hundertmilliardenfach höhere Immission als in der Natur. Das kann nicht gut gehen und muß geändert werden - für diese Aussage brauche ich keine Forschung. Es wäre vom Vorsorgestandpunkt aus nicht sinnvoll, eine geringe Reduzierung z.B. auf Werte wie in der Schweiz vorzunehmen. Vielmehr sollte Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen und auf das technisch mögliche Maß senken, bevor die Bürgerbewegung wie in Spanien eskaliert.
DECT-Telefone sind praktisch freiwillig in der Wohnung aufgestellte Basisstationen. Ihre Sendeleistung entspricht der von Handys, ist sinnlos hoch. Als Dauerstrahler schädigen nicht nur die Wohnungsinsassen, sondern strahlen auch in die Nachbarschaft. Das ist als Angriff auf die körperliche Unversehrtheit der Nachbarn zu betrachten. Daß diese Geräte Käufer finden, ist das Ergebnis einer absichtlichen Desinformation der Bevölkerung über die Wirkungen. Diese sind Stand der Wissenschaft. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Prozeßlawine mit Schadenersatzklagen gegen die Hersteller losbricht.
Handys:
Die Immission kann am Kopf der Handynutzer bei schlechter Verbindung 1000 bzw. 6000 W/m2 (1 cm bzw. 5 mm Abstand Antenne - Kopf , 2 W Sendeleistung) betragen. Zum Glück für die Handyhersteller wissen das die meisten Handybenutzer nicht . Fast niemand rechnet nach, daß erst in in 400 m Abstand von einem isotropen Strahler von 2 W Sendeleistung eine Immission von 10-6 W/m2 erreicht wird (s.Tabelle). Trotzdem wird kurioserweise von Befürwortern der heutigen Technik empfohlen, für Basisstationen und Handys gleiche Immissionsgrenzwerte einzuführen (was begrüßenswert ist). Kann die Lösung so aussehen, daß man einfach das Netz der großen Basisstationen dichter macht, da ja die Immission mit dem Quadrat der Entfernung sinkt ? Etwa wie beim UMTS-Netz, wo aller paar hundert m eine große Basisstation auf einem Dach oder Turm in den Wohngebieten stehen soll ? Eindeutige Antwort: Nein, das ist nicht vertretbar, denn dadurch steigt die Belastung der unbeteiligten Bevölkerung in völlig unvertretbarer Weise an. Die Lösung muß anders aussehen.
Die Lösung:
Läßt sich der scheinbar unlösbare Widerspruch zwischen größeren Gesundheitsgefahren für Handynutzer oder größeren Gesundheitsgefahren für die Allgemeinhet beseitigen ? Ja, durch Änderung der Netzstruktur und einfache Tricks, die je nach den örtlichen Gegebenheiten anzuwenden sind. Wir glauben, daß es nur einen "Königsweg" gibt, den wir als "Immissionskontrolle" bezeichnen: Mit Strahlung darf man nicht wie heute üblich schlampig umgehen, die Immission muß in sensiblen Bereichen unter dem gewählten Vorsorge-Grenzwert bleiben. Wir beweisen, daß das technisch machbar ist. Nur tun muß man es. Was heißt sensibler Bereich ? Im engeren Sinne meint man oft, den Begriff nur auf Menschen anwenden zu müssen. Das ist langfristig kurzsichtig, denn Tiere und Pflanzen (Wälder) sind ebenso bedroht. Das Problem fällt bei engstirniger Betrachtung auf den Men-schen zurück. Ein "sensibler Bereich" ist bei konsequenter Betrachtung ein Bereich, in dem Leben gefahrlos bestehen kann. Natürlich kann Immissionskontrolle beim Mobilfunk nur ein Anfang sein. Der gesamte Elektrosmog muß schrittweise reduziert werden. Seit Jahrzehnten wird nur diskutiert. Jetzt mit der weltweiten Ausbreitung des Mobilfunks läuft das Ganze aus dem Ruder, gerät das genetische Potenzial in Gefahr. Ein Paradigmenwechsel in der Einstellung der Menschen zur Strahlung insgesamt ist dringend notwendig, ehe es zu spät ist.
Der Weg zum smogfreien Mobilfunk:
Freie Sicht - geringe Funkfelddämpfung.
Modellrechnungen mit isotropen Strahlern (Anlagen 2 und 3) beweisen, daß ohne Dämpfung bei freier Sicht der geforderte Grenzwert bei normaler Empfängerempfindlichkeit (s.o.) leicht erreicht werden kann. Bei größerer Empfänger-Empfindlichkeit würde man noch tiefer kommen. Das bedeutet, wenn man durch verschiedene Tricks Bedingungen mit niedriger Funkfelddämpfung schafft, dann geht das Konzept auf, andernfalls nicht. Natürlich bedingt das eine viel sorgfältigere, auf die örtlichen Verhältnisse bezogene und ökologisch nachhaltige Planung, die man keinesfalls den Betreibern allein überlassen kann. Diese Planung ist aufwendiger, aber das Ergebnis ist es wert. Aus diesem 1. Punkt folgen eigentlich alle weiteren Punkte logisch.
Trennung Outdoor-Indoor-Versorgung.
Der Hauptgrund für die heute große Feldstärke der Strahlung von den Basisstationen ist, daß man durch die Wände und andere Hindernisse hindurch die Handys erreichen will. Ein Vergleich: Kein vernünftiger Mensch würde versuchen, einen dunklen Raum gewaltsam von außen durch die Wand (mit milliardenfach höherer Leistungs-flußdichte des Lichtes, als eigentlich für die Beleuchtung notwendig) auszuleuchten. Genau das macht man heute beim Mobilfunk. Der Unterschied zwischen sichtbarem Licht und Mobilfunkstralung ist nur, daß nichtmetallische Hindernisse wie Häuserwände in gewissem Maße für Mobilfunk transparent sind, für das sichtbare Licht aber nicht. Je höher die Frequenz, um so höher die Dämpfung der Mobilfunkstrahlung und die erforderliche "Gewalt". Von D- Netz über E-Netz zu UMTS verschärft sich das Problem, weil die Trägerfrequenz steigt..
Die Gewaltlösung ist unsinnig, die Probleme können völlig vermieden werden, wenn man Außen- und Innenversorgung trennt. Außenversorgung soll wie oben gesagt bedeuten: direkte optische Sicht, aber auch Sicht über Strahlumlenkung durch Reflektoren (s.u.). Indoor-Versorgung wird am Markt angeboten.
Leistung der Basisstationen senken.
Ein isotroper Basisantennenstrahler (also keine Richtwirkung) mit nur 1 W Sendeleistung würde bei direkter Sicht und bei einer Empfängerempfindlichkeit von 3*10-10 W/m2 16 km weit reichen. Das wirft die Frage auf, ob über-haupt teure Basisstationen mit Hochleistungsantennen notwendig sind. Natürlich gibt es durch athmosphärische Einflüsse eine gewisse Funkfelddämpfung, die aber die Größenordnung der Reichweite nicht ändern wird.
Intelligente Antennen in Basisstationen.
Es gibt seit langem "intelligente Antennen" mit elektronisch nachgeführter Strahlungskeule. Von Vodafon wurden sie für GSM-Mobilfunk erprobt, werden aber aus Kostengründen nicht eingesetzt. Ob diese Kostengründe, wenn man das gesamte Umwelt-Problem im Auge hat, stichhaltig sind, ist zu bezweifeln. Die erforderliche Leistung und die Belastung der Allgemeinheit mit allen Folgekosten würden drastisch sinken. Intelligente Antennen sind in je- dem Frequenzbereich die Methode der Wahl. Nach dem Urteil von Antennen-Experten entsprechen die heutigen Mobilfunkantennen dem technischen Stand von vor 15-20 Jahren. Das ist eine Schande, wenn man die gesund- heitlichen Folgen betrachtet..
Nutzung von Reflektoren.
Bisher sieht man Reflexionen beim Mobilfunk als notwendiges Übel an, statt dessen schlagen wir vor, sie auszunutzen und zur Ausleuchtung von Schattenzonen (hinter Erhebungen, Gebäuden, in Straßenschluchten u.ä.) einzusetzen. Reflektoren sind preiswerte passive Strahler, die Immission muß nicht durch Schutzabstände eingegrenzt werden wie bei Strahlungsquellen.
Zwischenschaltung von Relais = Mikrozellenprinzip
Basisstation und Handy sind von der Sendeleistung her ungleiche Partner, die Reichweiten sind völlig unterschiedlich. Ab einer bestimmten Entfernung kann das Handy auch bei maximaler Sendeleistung die Basis nicht mehr erreichen. Deshalb ist die Forderung, Basisstationen aus Wohngebieten zu entfernen, zwar grundsätzlich richtig, aber allein nicht ausreichend. Man muß von der direkten Funkverbindung zwischen Basis und Handy abgehen und das uralte Relaisprinzip der Funktechnik heranziehen. Das Handy sendet nicht mehr an die Basis - die kann weit entfernt von den Wohngebieten stehen -, sondern zu einem der in der näheren Umgebung vorhandenen Relaisempfänger. Das dichte Netz der Basisstationen wird durch ein dichtes Netz von Relais ersetzt. Der Versorgungsbereich eines Relais wird oft auch als "Mikrozelle" bezeichnet. Die Relais sind passiv (empfangen nur) oder aktiv (s.u.), d.h. strahlen auch (von Funktechnikern werden aktive Relais auch als Repeater bezeichnet). Der Normalfall sollte heute zumindest im freien Lande das passive Relais, d.h.. die passive Mikrozelle sein, um Fahrlässigkeiten und Mißbrauch (in einigen Großstädten wurden Mikrotellen angewendet, nur um die Sende- antennen vor der Bevölkerung zu verstecken, ohne Immissionskontrolle) möglichst auszuschließen. Die Gesetze für Mikrostrahler hinken leider hinter den Notwendigkeiten hinterher (Strahlung ist Strahlung unabhängig von der Größe des Strahlers).
Innenversorgung ("Indoor-Relais")
Räume sind die kleinsten Mikrozellen. Innenversorgung (geschlossene Räume, Fahrzeuge usw.) kann über Außen- antenne und Mikrostrahler/-Empfänger (innen) erfolgen. Indoor-Relais sind also sinnvollerweise immer aktiv. Bei anderen Funkdiensten wie Rundfunk und TV ist das Prinzip selbstverständlich, die Betreiber behaupten bisher, beim Mobilfunk ginge es nicht. Für den Handynutzer tritt nicht die geringste Komfortbeschränkung durch die Trennung von Außen- und Innenversorgung ein. Das Argument der Betreiber, die Handybesitzer würden so etwas ablehnen, ist an den Haaren herbeigezogen.. Der Kunde bemerkt die Trennung von Innen- und Außenversorgung überhaupt nicht. Wer in seinen Räumen nicht mit dem Handy kommunizieren will, der hat eben keine Innen- versorgung für sein Handy. Es ist auch denkbar, Internet- oder Kabelanschlüsse zu nutzen. Die Parameter der Indoor-Strahler könnten etwa so aussehen: Reichweite 5 m, Leistung 0,1 mW, Schutzabstand 9 cm (s. Tabelle). Wichtig ist, die Immissionskontrolle im Auge zu behalten, d.h. die Sendeleistung für jede Verbindung immer so weit herunterzufahren, wie möglich. Auch die Infrarot-Indoorversorgung (umweltverträglich) von Räumen existiert bereits im Labor. Schmalbandig mit diffuser Strahlung, breitbandig (Datendienste) mit gerichteter Strahlung.
Außenversorgung ("Outdoor-Relais").
In Außenbereichen können aktive Relais (senden und empfangen) schwierig ausleuchtbare Bereiche versorgen. Die maximale Sende-Leistung der Mikrostrahler und die Schutzabstände können den Raum-Dimensionen angepaßt werden (s.Tabelle). Die momentane Sendeleistung sollte zusätzlich auf das notwendige herabgeregelt werden (Immissionskontrolle). Vorgeschlagenen Parameter für die Mikrostrahler sind hier: Reichweite 160 m, Sendeleistung 0,1 mW, Reichweite 163 m, Schutzabstand 2,8 m. Die Relais hätten winzige Dimensionen wie Glühbirmnen und wären in der Massenfertigung billig. Sie müßten entweder mit abstandschaffenden Umkleidungen versehen sein oder in genügendem Abstand montiert werden. Sie könnten in die bestehende Infrastruktur der Kommunen wie die Straßenbeleuchtung integriert werden und fallen überhaupt nicht auf. Energisch abzulehnen sind Mikrostrahler ohne Immissionskontrolle, wie in einigen Großstädten der Schweiz und der Bundesrepublik praktiziert. Die Immission eines Mikrostrahlers kann bei zu geringem Abstand noch viel höher sein als die durch Basisstationen verursachte. Der Gesetzgeber muß solchem Mißbrauch endlich durch einheitliche Grenzwerte unabhängig von der Sendeleistung der Strahler verbieten. Sonst ist smogfreier Mobilfunk nicht möglich, denn die smogmindernde Wirkung des Relaisprinzips (Mikrozellenversorgung) wird ausgehebelt. Auf ungefährlichem immissionsfreiem Wege soll das Handy-signal zurück zur Basis gelangen. Für die technischen Details gibt es viele mögliche Varianten. Zu prüfen wäre die Frage, ob aktive Outdoor-Relais in den Kommunen nicht auch öffentlich zugängliche Internetanschlüsse sein sollten.
Saver-Handys und Saver-Kommunikatoren.
Die Anwendung des Relaisprinzips bzw. der Mikrozellenversorgung senkt nicht nur die Belastung der Allgemeinheit drastisch, sondern auch die der Handynutzer, da die Entfernung der Handys zu den Empfängern und die Funkfelddämpfung viel geringer sind. Die Sendeleistung des Handys und Belastung des Handynutzers kann auf Werte weit unter den heute verwendeten liegen. Deshalb nennen wir diese Handys mit von vornherein reduzierter Leistung "S-Handys" (Saver-Handys). Parameter z.B. 0,1 mW Sendeleistung = Reichweite 163 m = Immission in 1 cm Abstand vom Ohr 0,1 W/m2, in 30 cm Entfernung 10-4 W/m2 . Immissionskontrolle bedeutet wieder: Abhängig vom Abstand zum Relais wird die Sendeleistung auf einen Wert heruntergeregelt, der gerade noch die sichere Verbindung gewährleistet (nicht nur auf ein Zwanzigstel). Die Folge ist, daß die Belastung der einzelnen Handy-nutzer und der Personen in der Umgebung (!) weiter sinkt, um so mehr, je dichter das Netz der Relais ist. Zum Vergleich: Heutige Handy mit 2 W Sendeleistung = isotrope, dämpfungsfreie Reichweite 23 km = Immission in 1 cm Abstand 1592 W/m2, in 30 cm 1,8 W/m2. Das heutige Handy braucht die gesundheitsgefährdende hohe Leistung (wie im Fall der heutigen Basisstationen) wegen der Wände, die es durchdringen soll (Funkfelddämpfung). Die Situation wird also auch beim Handy durch das Relaisprinzip entschärft, aber auf niedrigen Immissions Werte wie bei Basisstationen komme ich am Kopf nicht, welche technischen Tricks ich auch anwende (Firma Rosenberger: Dipol- bzw. Quadrupolantennen statt wie jetzt üblich Monopolantennen). Wichtig ist auch die Verteilung der Dienste auf verschiedene Gerätetypen. Breitbanddienste (Bilder, Dateien versenden) im Mikrowellenbereich sollten nur über Kommunikatoren (größerer Bildschirm, nicht am Ohr), nicht aber für Handys gestattet werden, da es wegen der auch bei S-Handys noch zu hohen Immission nur ein wirksames Mittel gibt - Abstand. 30 cm Abstand von der strahlenden Antenne bewirken viel. Für Telefonie mit Handys brauche ich nicht das breitbandige (5 MHz) UMTS mit der noch höheren Belastung.
Bio-Handys und Bio-Kommunikatoren.
Wegen der geringen Entfernung zum Ohr ist also die Immission beim Handy prinzipiell nicht durch einen entspre-chenden Schutzabstand beliebig reduzierbar. Wenn die Entfernung zwischen Handys und Relais nicht zu hoch ist (innen immer erfüllbar), sollte die Verbindung in Zukunft über Infrarot( IR) erfolgen, weil hierbei die am Ohr unvermeidbar hohe Immission im Gegensatz zu Mobilfunkfrequenzen (besonders den pulsmodulierten) nicht gesundheitsgefährlich ist. Das bedeutet zunächst Zweinormen-Handys (Nahbereich bis 5 m IR, Fernbereich bis etwa 160 m Mobilfunkfrequenzen). Später wird es auch im Fernbereich IR-Handy-Technik (intelligente Antennen) geben. Indoor-Versorgung über IR ist, wie oben erwahnt, bereits in Arbeit (Ilmenau, Berlin) und sollte forciert werden. Vorsorgestrategie beim Handy heißt aus unserer Sicht Entwicklung des Bio-Handys.
Hochantennen zur Versorgung der Mikrozellen.
Folgende Verfahrensweise ist in dicht besiedelten Gebieten möglich: Die Antenne der Basisstation überragen alle Gebäude. Sie sendet einen durch entsprechende Maßnahmen horizontal scharf nach unten abgegrenzten Funkstrahl nur über die Gebäude hinweg (nicht schräg nach unten, nicht in Fenster o.ä.; Abschirmung der Basis nach unten). Die Gebäude haben einheitlich hohe Empfangsantennen, Kabel führen nach unten, auf den Straßen sind z.B. an den Laternenmasten zusätzlich zu den Leuchtmitteln in hinreichender Höhe (wegen der Schutzabstände) aktive Out-door-Relais angebracht, die von den Handys auf Grund der Nähe mit sehr geringer Sendeleistung erreicht werden. Das wird bekanntlich als Versorgung über Mikrozellen bezeichnet. In unbebauten Gebieten oder flacher Bebauung kann das Prinzip genauso angewendet werden, die Basisstationen und Hochantennen können aber niedriger sein (Die andere unter 6. schon beschriebene Alternative für niedrige Bebauung oder das freie Land ist das dichte Netz passiver Empfangsrelais in der Kommune.) Die Hochantennen-Empfänger können sehr empfindlich gebaut werden, eine Senkung der Immission am Boden oder in den Gebäuden (wo die Handynutzer sind) auf die Größenordnung des Hintergrundrauschens ist überhaupt nicht utopisch, wenn die Handys und Kommunikatoren in ungefährlichen Frequenzbereichen arbeiten (s. 10.). So könnte der Mobilfunk der Zukunft aussehen. Die Versorgung der Hochantennen kann natürlich auch von oben erfolgen (über Sat oder "Luftwurm"). Dadurch vermeide ich Verschattung, die geringe Funkfelddämpfung wird sehr einfach erreicht. Vgl. Anlage 4.
Modellprojekt
Die Vorstellungen sollten in einem Modellprojekt erprobt werden. Dazu bietet sich die kleine Stadt Taucha in Sachsen an. Bisher haben die deutschen Betreiber kein großes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit signalisiert. Auch den Münchener Vorschlag mit Mikrozellen haben sie in der Vergangenheit abgelehnt. Wenn sie dabei bleiben, outen sie sich als potentielle kommerzielle Nutznießer. Sie sehen im Moment keine Notwendigkeit, ihr Konzept zu ändern, solange der Gesetzgeber sie nicht dazu zwingt.
Schlußfolgerungen:
Eine Gesundheitsvorsorgestrategie kann nur funktionieren, wenn gesetzgeberisch die Richtung der technischen Entwicklung gewiesen wird. Die Betreiber müssen durch schrittweise verschärfte staatliche Grenzwerte gezwungen werden, die Mobilfunk-Netze umzustellen. Auch die schon existierenden GSM-Dienste mit dem niederfrequent gepulsten Funk (biologisch wirksam, Maschinengewehr-Effekt). Der Wettbewerb verschiedener Mobilfunk-konzepte darf nicht weiter blockiert werden. Die Bürger und Kommunen müssen mitentscheiden können.
Wir fordern strenge Immissionskontrolle. Für alle Strahler unabhängig von ihrer Größe und Sendeleistung muß es perspektivisch für die verschiedenen Funkfrequenzbereiche (einen Anfang beim Mobilfunk machen !) niedrigstmögliche Vorsorge-Grenzwerte der Immission geben, die nicht nur den Menschen, sondern die ganze belebte Natur schützen. Ausnahmen der Immissionsgrenzwerte für Klein- und Mikrostrahler darf es nicht geben. Mit Strahlung muß grundsätzlich sorgfältiger und unter strenger Anwendung des Vorsorge- und des Minimierungsgebotes für Immissionen umgegangen werden.
Eine Änderung der deutschen 26. BimSchV ist dringend erforderlich. Für Mobilfunkfrequenzen schlagen wir (wie andere) zunächst eine Begrenzung der Immission auf 10-6 W/m2 (Wachbereich) bzw. 10-8 W/m2 (Schlafbereich) für die von Basisstationen und Relaisstaionen zur Mikrozellenversorgung ausgehende Strahlung vor, weil halbherzige Absenkungen überhaupt nichts bringen.. Die Übergangszeit sollte nur wenige Jahre betragen.
Zum Grenzwert für die Immission am Kopf des Handynutzers kann von uns gegenwärtig gesagt werden, daß er unter 0,1 W/m2 liegen kann (Mikrozellenversorgung über Relais). Uns fehlen aber technische Angaben zur Verbes-serung, die durch das Strahlungsdiagramm moderner Handy-Antennen erreicht werden kann. Bei Handys, die im Mobilfunkfrequenzbereich senden, sind die niedrigen Werte wie bei Baisisstationen nicht erreichbar. D.h, es bleibt ein Risiko für den Handybenutzer und das Gebot, Vernunft beim Umgang mit dem Handy walten zu lassen. Die Gefahr zu verschweigen, kann den Herstellern mächtig auf die Füße fallen, wenn die Produkthaftung endlich greift.
Wir fordern die forcierte Entwicklung von Bio-Handys. Der einfachste Weg, sie zu erzwingen , besteht darin, daß der Gesetzgeber die obigen Immissionsgrenzwerte für Basisstationen nach einer Übergangszeit auch für Handys verlangt.
Der DECT-Standard muß verboten werden. Es geht auch anders. Ein Medikament gleicher Gefährlichkeit würde sofort aus dem Verkehr