(deutsche Übersetzung) von Dr. med. Hans-Christoph Scheiner
deutsche Version als PDF-Datei unter:
www.drscheiner-muenchen.de
Cell phone radiation poses a serious biological and health risk (Original in englischer Sprache)
von Dr. Neil Cherry, Lincoln University, Canterburry, New Zealand
englische Version als PDF-D
Hirntumore
Handys stehen auch in dringendem Verdacht, Hirntumore zu erzeugen. Das weiß die Welt spätestens seit einigen spektakulären Prozessen in den USA. Schon Anfang 1993 klagte David Reynard aus St Petersburg im US Bundesstaat Florida drei Handy-Herstellerfirmen. Das bereits damals modische drahtlose Kommunikationsmittel sei schuld am Tod seiner Frau durch einen Gehirntumor. Der Krebs sei genau hinter dem Ohr entstanden an das seine Frau das Funktelefon hielt argumentierte Reynard (Der Spiegel stellte in seiner Nr 6/1993 die bange Frage: }Kommt der Krebstod drahtlos'). Im selben Jahr gingen drei weitere Amerikaner mit ähnlichen Vorwürfen zu Gericht. Damals hatten rund zehn Millionen Amerikaner ein Mobiltunktelefon. In Österreich besaßen ganze 120 000 Menschen ein solches Gerät
Auch in Großbritannien gibt es seit 1998 einen Fall von Hirntumor, der bei Gericht mit dem Handy-Gebrauch in Zusammenhang gebracht wird. Eine 27 Jahre alte Frau, Direktorin einer Firma, ist überzeugt, dass sie ihren Hirntumor vom Mobiltelefonieren bekam (BBC-News, 15 5 1998). Ihr Anwalt, Tom Jones von Thompsons', der größten Kanzlei für Strafprozesse in Großbritannien, hält den Namen geheim.
Nach dem neuseeländischen Wissenschaftler Neil J. Cherry - er hat als Umweltanwalt in seiner Heimat schon einige Male die Aufstellung von Sendemasten verhindert - setzen Benutzer von Mobiltelefonen ihren Kopf hohen Levels von radiofrequenten Mikrowellen aus. Er verweist auf zehn Studien, welche die Zunahme von Hirntumoren durch die Bestrahlung durch Radiofrequenzen und Mikrowellen belegen. Dieser Ansatz, so Cherry, werde auch durch Erkenntnisse gedeckt, dass elektromagnetische Strahlung im menschlichen Organismus die Melatonin-Produktion vermindere. Cherry nennt eine Reihe von Studien
Die jährliche Inzidenz von Hirntumoren und Tumoren des Zentralnervensystems in Neuseeland lag nach Neil J Cherry in den Jahren 1992 bis 1996 bei 5,8 für Frauen und 8,6 für Männer auf 100 000 Einwohner. Etwa die Hälfte der Population gebraucht ständig ein Handy. Viele exponieren ihren Kopf dadurch mit viel höheren Dosen von radiofrequenten Mikrowellen als Fluglinienpiloten oder Boden- und Bordcrews. Nach zehn Jahren Handy-Telefonieren steigt die Rate für Hirntumore bereits auf das Drei- bis Fünffache der normalen Häufigkeit. Das bedeutet allein für Neuseeland 200 bis 300 zusätzliche Hirntumor-Fälle. Die Hirntumor-Inzidenz in West- Australien wächst ebenfalls parallel mit dem Handy-Gebrauch.
Neil J. Cherry wurde nach der Veröffentlichung dieser Erkenntnisse von einem australischen Handy-Hersteller wegen Verleumdung geklagt. Die Firma stützte sich auf ein "Gutachten" von Michael H. Repacholi, heute Leiter der Arbeitsgruppe für elektromagnetische Felder der Weltgesundheitsorganisation WHO. Repacholi meinte, die von einem Handy-Sendemast abgegebene Leistungsflussdichte (siehe die Kapitel "Strahlende Handys" und "Grenzwerte") entspreche sechs Glühbirnen. Plaziere man diese in der Nähe einer Schwangeren, könne man auch nicht von teratogener (den Embryo schädigender) Wirkung sprechen. Cherry sah sich daraufhin gezwungen, Repacholi zu klagen -und bekam Recht. Der Beginn, lässt sich denken, einer intimen Gelehrtenfeindschaft (Das zeigte sich auch beim mittlerweile schon legendären "Workshop" in Wien im Oktober 1998, siehe Kapitel "Die Wiener Deklaration 1998" )
Auch in der Arbeitswelt, in der elektromagnetische Felder (EMF) eine Rolle spielen, sind Gehirntumore beobachtet worden, etwa bei Frauen, die mit Kathodenstrahlrohren zu tun haben (P. Ryan u a , 1992: 20). Der Zusammenhang zwischen Belastung durch EMF in der Arbeitsweit und Gehirntumoren war schon vorher durch mehrere Studien aufgezeigt worden.
Beim Militär stoßen die Wissenschaftler ebenfalls immer wieder auf Hirntumore. Die polnische Studie von S. Szmigielski aus dem Jahr 1996 ist nicht die einzige geblieben. Auch J. K. Grayson legte im selben Jahr eine einschlägige Untersuchung vor.
Die jüngsten wissenschaftlichen Berichte zum Thema Hirntumore durch Mobiltelefone bestätigen die Befürchtungen, die schon seit vielen Jahren durch Erkenntnisse der Arbeitsmedizin und epidemiologischer Forschungen bekannt sind. Seit der Klage von David Reynard wegen seiner krebskranken Frau wurde nicht so viel Staub aufgewirbelt wie im Fall zweier im Mai und Juni 1999 an die Öffentlichkeit gelangter Studien. In beiden Arbeiten kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich ein Gehirntumor bei Mobiltelefonbenutzern mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Seite des Kopfes entwickelt, wo beim Telefonieren das Handy gehalten wird:
Aufgrund seiner Forschungsergebnisse empfiehlt Hardell Handy-Benutzern dringend, "kluge Vorsorge" zu betreiben und Schritte für die Reduktion der Strahlenbelastung zu setzen. "Nutzen Sie eine Freisprechanlage", ruft er den Handyisten zu, "ich mach' das immer".
Wolfgang Kostler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Onkologie, erklärte mir in einem Interview zum Thema Hirntumore "Der Mensch von heute ist einer solchen Unzahl von gepulsten Mikrowellen ausgesetzt, die zu Summationen der Feldstärken außerhalb und innerhalb des Körpers, speziell aber im Kopfbereich und im sehr stark verästelten und räumlich stark untergliederten Knochenmark fuhren können. So ist eine Zunahme der Hirntumore und der leukämischen Erkrankungen in nächster Zukunft zu erwarten. Geht man einer Hirntumorerkrankung nach und fragt den Patienten, ob er wusste, wer noch in seiner Umgebung einen Hirntumor entwickelt hatte, bekommt man nicht selten rasch einige Namen genannt. Nimmt man anschließend eine Landkarte oder Stadtkarte zur Hand und trägt die Wohnorte der Betroffenen und gleichzeitig die elektromagnetische Wellen abstrahlenden Sender der verschiedensten Provenienz (Radar, Fernsehsender, Richtfunkstrecken, Mobilfunksender) ein, so ergibt sich der Verdacht auf eine Fokussierung der Hirntumorhäufigkeiten dort, wo auch eine Summation der Feldstärken und der einstrahlenden Frequenzen gegeben ist".
Die Beobachtungen, so Kostler, wurden meistens weder beachtet noch in ihrem möglichen Bezug zu technischen Feldern erfasst. Die an Hirntumor Verstorbenen grabe man ein, und damit sei die Geschichte scheinbar erledigt und für niemanden mehr interessant. In diesem Zusammenhang sieht Kostler auch eine von ihm dokumentierte Häufung von Hirntumoren in einer relativ eng umgrenzbaren Gegend in Niederösterreich, nördlich von Wien. "Sechs Fälle von Hirntumoren bei Erwachsenen traten mehr oder weniger gleichzeitig auf." Auch in der Stadt Bremen konnte Kostler ähnliche Falle recherchieren. "Hier waren drei Ärzte in unmittelbarer Nahe eines Senders betroffen, die an Hirntumoren erkrankten. Ein bekannter Wiener Stadtrat soll bis zu seiner Hirntumorerkrankung, so berichten Menschen aus seiner Umgebung, ebenfalls mehrere Stunden täglich mit seinem GSM-Handy telefoniert haben".