Jeder zweite Handy-Benutzer klagt über Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, Müdigkeit und Kopfweh (siehe WTR-Studie im Kapitel "Verwirrte Hirnströme"). Elektromagnetische Strahlung innerhalb der Handy-Bandbreiten stört offenbar nicht nur die Hirn-, sondern auch die Herzfunktionen. Als Hauptproblem wird die Pulsung des GSM-Signals betrachtet, dessen 217-Hz-Frequenz nahe an der Gehirn- und Herzfrequenz liegt (Katalyse, 1997:135).
Ein normales Herz schlägt nicht wie eine Quarzuhr oder ein Metronom, also rein mechanisch. Ein gesunder Herzschlag schwankt um eine mittlere Frequenz. Er ist also variabel. Durch den Einfluss des Sympathikus wird die Herzfrequenz beschleunigt, durch den Parasympathikus verlangsamt. Schon Ende der 70er Jahre wurde nachgewiesen, dass eine verminderte Variabilität der Herzfrequenz bei Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist.
Zu den Störungen der Herzfrequenzvariabilität (HRV) kommt es durch Störungen im Bereich des vegetativen Nervensystems. Eine Unterstimulation des Parasympathikus führt zu einem HRV-Abfall bei verschiedenen Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Schäden an den Herzkranzgefäßen und Bluthochdruck. Dafür kommen verschiedene Ursachen in Frage, unter anderem auch einige Medikamente. Nach der 1998 in der Zeitschrift Bioelectromagnetics veröffentlichten Untersuchung einer Arbeitsgruppe (Antonio Sastre, Mary Cook und Charles Graham) des Midwest-Forschungsinstituts in Kansas City (USA) können auch EMF zu diesen Ursachen zählen. Ergebnis der Studie: Die normale Variabilität der Herzfrequenz wird bei gesunden jungen Männern durch intermittierende niederfrequente elektromagnetische Felder von 20 Mikrotesla vermindert (F. Grotenhermen, 1998).
Eine Studie der Neurologischen Klinik der Universität Freiburg kommt zu dem Ergebnis, dass elektromagnetische Felder von Mobiltelefonen in der Lage sind, den Blutdruck zu erhöhen. Die Arbeit stammt von S. Braune und Mitarbeitern. Verwendet wurden Mobiltelefone der GSM-Klasse 900 MHz, 2 Watt, gepulst mit 217 Hz. Die Versuchspersonen waren sieben gesunde Männer und drei gesunde Frauen im Alter zwischen 26 und 36 Jahren. Der Einfluss der EMF auf den Blutdruck war signifikant: Sowohl der systolische wie der diastolische Blutdruck stiegen unter dem Einfluss der Felder an (S. Braune u.a., 1998: l .857).
Die von der Arbeitsgruppe verwendeten Felder lagen zwischen 0, l und 0,4 Hz. Da bekannt ist, dass eine verminderte HRV mit einem erhöhten Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen und für den plötzlichen Herztod Hand in Hand geht, müssen also auch in diesem Fall die Alarmglocken läuten. Peinlich für Netzbetreiber und Handy-Hersteller, dass die Studie in Zusammenarbeit mit dem Technologiezentrum der Deutschen Telekom AG in Darmstadt erstellt wurde.