von Michèle Gantenbein
2.12.2008 Luxemburg - Die von der WHO koordinierte und von der EU unterstützte „Interphone“-Studie ist ein weltweit nie dagewesenes Forschungsvorhaben zu möglichen Gesundheitsrisiken durch langfristigen und regelmäßigen Gebrauch von Handys. 13 Länder beteiligten sich an dieser Studie, in deren Rahmen 6 000 Fälle von Hirntumoren untersucht wurden. Ein Teil der noch nicht abgeschlossenen Ergebnisse wurde vor kurzem veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Studie waren Inhalt einer parlamentarischen Anfrage von Jean Huss an den Gesundheitsminister.
Der Abgeordnete Jean Huss zeigte sich beunruhigt über die veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse. Sie würden die Vermutung zulassen, dass die Nutzung von Handys mit dem Auftreten von bestimmten Krebserkrankungen korreliere, vor allem Hirntumore mit hoher Sterblichkeitsrate. Der Studie zufolge erhöhe der regelmäßige Gebrauch von Handys über einen Zeitraum von zehn Jahren und mehr das Krebsrisiko um 120 Prozent.
In Anbetracht dieser Ergebnisse wollte der Abgeordnete vom Gesundheitsminister wissen, ob er über diese Studie und die Ergebnisse informiert sei und ob er es als sinnvoll erachte, präventiv vorzugehen in Form einer Sensibilisierungskampagne, die vor allem auf Kinder und ihre Eltern abzielen solle – mit dem Aufruf, Handys gemäßigter zu nutzen.
Broschüre des Gesundheitsministeriums gibt nützliche Tipps
In seiner Antwort teilte der Gesundheitsminister mit, er habe Kenntnis von dieser Studie und die betreffenden Dienststellen seines Ministeriums würden die Ergebnisse dieser Studie aus der Nähe mitverfolgen. Er weist aber darauf hin, dass die meisten von „Interphone“ durchgeführten Studien – ob sie nun für eine Gefährdung sprechen oder im Gegenteil keine vermehrten Tumorrisiken erkennen lassen – wegen der begrenzten Anzahl an untersuchten Fällen nicht repräsentativ seien. Auch handle es sich, wie bereits vorher erwähnt, um vorläufige Ergebnisse.
Nur drei von den bisher 24 veröffentlichten Forschungsergebnissen ließen die Annahme erhöhten Krebsrisikos in Folge langjähriger Handynutzung zu. Die Ergebnisse von sieben weiteren Untersuchungen schlussfolgerten mit der Annahme, dass keine erhöhte Krebsgefahr bestehe. Doch auch diese Ergebnisse seien nicht repräsentativ, weshalb Vorsicht bei deren Interpretation geboten sei, zum einen wegen der angewandten Methodik (Bestätigungsstudien), zum anderen wegen begangener Serien-, bzw. Zufallsfehler, wie eine über- oder unterschätzte Telefongesprächsdauer. Die Studien hätten ergeben, dass die Forschungsergebnisse dadurch verzerrt wurden.
Man könne momentan also weder von gar keinem Risiko ausgehen, noch ein überhöhtes Risiko ausschließen. Weiterführende Forschungsarbeiten seien nötig, um etwaige Risiken genauer zu klären. Er erhoffe sich in der Zwischenzeit einen behutsamen Umgang mit der doch sehr rezenten Mobilfunktechnologie.
Eine in drei Sprachen veröffentlichte Broschüre des Gesundheitsministeriums, der „Inspection du travail et des mines“ und des „Institut de régulation“ mit Informationen über Mobilfunkstrahlung gebe nützliche Tipps zur vorsichtigen Nutzung von Handys. Auch könne der Gesundheitsminister sich vorstellen, die schriftlichen Informationen durch eine gezielte Kampagne noch zu untermauern.
