Indische Forscher haben festgestellt, dass Bienen durch Mobilfunkwellen ihre Orientierung verlieren und nicht in den heimischen Stock zurückfinden.
Bislang galten die Varroamilbe, Insektizide, Funghizide, Umweltveränderungen und auch Nahrungsmangel als Verursacher für das rätselhafte weltweite Bienensterben. Aber all diese Faktoren reichten den Forschern nicht aus, um das weltweite Massensterben der Honigbienen zu erklären. Jetzt entdeckten Wissenschaftler der Panjab University in Chandigarh, Indien einen direkten Zusammenhang mit der Strahlung von Mobilfunknetzen. Sie gehen nach jüngsten Studien davon aus, damit die Hauptursache für das Bienensterben gefunden zu haben.
Ihre Theorie ist, dass die Strahlung von Mobiltelefonen den Navigationssinn der honigproduzierenden Insekten empfindlich stört. „Die immense Zunahme von elektronischen Geräten hat zu einer erheblichen Zunahme des Elektrosmogs in der Umwelt geführt. Das Verhalten der Honigbienen und deren Biologie reagiert sehr empfindlich auf Elektrosmog, da der Orientierungssinn der Honigbiene auf elektromagnetischer Strahlung beruht“, schreiben die Autoren Ved Prakash Sharma und Neelima Kumar in der Fachzeitschrift Current Science.
Die Wissenschaftler arbeiteten mit vier Bienenstöcken, in denen die Honigbienen Apis mellifera L untersucht wurden. Bei zweien wurden an der Seite jeweils zwei GSM-Handys (Global System for Mobile Communication), die bei einer Frequenz von 900 MHz arbeiten, plaziert. Diese wurden dann zweimal täglich für fünfzehn Minuten miteinander verbunden und ansonsten auf „stand by“ eingerichtet. Bei einem dritten Bienenstock installierten sie lediglich Dummys, ein vierter Bienenstock war ohne Mobiltelefone oder Dummys. Das Experiment wurde für 90 Tage durchgeführt.
Nach diesen drei Monaten verzeichneten die indischen Forscher eine deutliche Verkleinerung des Bienenvolkes in den Stöcken, die von den zwei Mobiltelefonen umgeben war. Hier war die Honigproduktion komplett zum Erliegen gekommen. Die Königin legte erheblich weniger Eier. Fand man in den Vergleichsbienenstöcken im Schnitt täglich etwa 376 Eier, so legten die Königinnen in den Bienenstöcken mit Mobiltelefonstrahlung nur durchschnittlich 145 Eier. Die Forscher beobachteten weiterhin, dass die Arbeiterinnen desorientiert im Bienenstock herumirrten und nachdem sie den Bienenstock verlassen haben, um Pollen zu sammeln immer seltener zum Bienenstock zurückkehrten. Auch dieses Verhalten fanden die Wissenschaftler nur an den Bienenstöcken, an dem die Mobiltelefone in der Nähe installiert waren. Am Ende des Experiments gab es in diesen Bienenstöcken weder Pollen noch Honig.
Bereits in den 70er Jahren stellte der Biophysiker Ulrich Warnke fest, dass Bienenvölker, die einer Strahlung von 50 Kilohertz ausgesetzt werden, Stressreaktionen zeigen. Völker, die erst wenige Tage in ihren Bienenstöcken wohnen, zogen komplett aus. Völker die bereits lange einen Bienenstock bewohnten, verkitteten ihren Eingang, es kam zu akutem Sauerstoffmangel im Bienenstock und folglich zum Absterben aller Bienen.
Auch die Arbeitsgruppe Bildungsinformatik um den Mathematiker Hermann Stever an der Universität Koblenz Landau kam in einer Pilotstudie im Jahre 2005 zu einem ähnlichen Ergebnis, wie die Wissenschaftler aus Indien. Die Forscher setzten mehrere Bienenvölker pausenlos strahlenden Basisstationen von DECT-Schnurlostelefonen aus, die in der Regel innerhalb geschlossener Gebäude verwendet werden. Ihre Frequenz von 1800 bis 1900 Mhz unterscheidet sich zwar deutlich von der Frequenz der GSM- Telefone, also der eigentlichen Handys. Aber auch in diesen Versuchen wurde festgestellt, dass Bienen, die der Strahlung dieser eigentlichen Heimtelefone ausgesetzt waren, weniger oder sogar gar nicht in ihren Bienenstock zurückkehrten. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass die innere Kommunikation eines Volkes, der „Bienentanz“, in derselben Frequenzregion stattfindet, die auch die Funknetze nutzten.
