In den USA und mittlerweile auch in Europa macht sich ein mysteriöses Bienensterben breit, "Colony Collaps Disorder" genannt. Über 30 Prozent der amerikanischen Bienenvölker sind schon eingegangen, mancherorts sogar bis zu 70 Prozent. Aber auch in Europa berichten immer mehr Imker von sterbenden Bienenvölkern. In den betroffenen Kolonien bleibt am Ende nur noch die Königin mit ein paar Eiern zurück. Die Arbeiterinnen sind verschwunden. Warum die Bienen nicht mehr zum Nest zurückkehren, ist bisher unklar. Jetzt präsentieren deutsche Forscher eine neue Hypothese zu dem rätselhaften Phänomen, Kernpunkt: Die wachsenden Handy Netze sind verantwortlich.
Bereits im vergangenen Februar berichteten die Medien über das große Bienensterben in den USA. Bisher rätselten Experten, ob es durch Bakterien, Viren oder sogar durch die Gentechnik ausgelöst wird. Auch Pflanzenschutzmittel standen schon im Verdacht, Schuld am Tod der Bienenvölker zu sein. Jetzt haben sich deutsche Forscher zu Wort gemeldet. Ihre These: Die elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen stört das Navigationssystem der Bienen und leitete sie in die Irre.
Forscher der Universität Koblenz-Landau konnten zeigen, dass sich das Verhalten von Honigbienen durch elektromagnetische Strahlung verändert. Sie bestrahlten dazu Bienenvölker gezielt mit Handystrahlung. Ergebnis: Die Bienenvölker blieben kleiner als unbestrahlte. Vor allem war auffällig, dass bei den bestrahlten Bienenvölkern weniger Bienen zurückkehrten und, falls ja, länger dazu brauchten.
Den Forschern zufolge könnte der Schwachpunkt der Bienen ihr Kommunikationssystem sein: Der so genannte Schwänzeltanz. Mit diesem speziellen Informationstanz auf der Wabe, teilen die Bienen ihren Kolleginnen mit, wo sich interessante Standorte befinden, beispielsweise eine lukrative Blumenwiese. Mit ihrem Tanz versetzt die Biene dabei die Waben in Schwingungen. So können auch Arbeiterinnen, die den Tanz nicht beobachten, die Informationen erhalten. Die Schwingungen haben dabei eine Frequenz zwischen 200 und 300 Hz. Manche Handys geben ebenfalls Strahlung in diesem Frequenzbereich von sich, der sich mit denen der Bienen überlagern könnte. Eine mögliche Folge: Datensalat. Die Arbeiterinnen bekommen sozusagen falsche Lagepläne ihrer Umwelt und verirren sich.
Ob die Handy-Strahlung wirklich zu dem mysteriösen Bienensterben führt, ist allerdings weiter umstritten. Die momentan vorliegenden Ergebnisse sind bislang nur ein Hinweis, so der Leiter des deutschen Forscherteams. Weitere Studien müssen nun folgen, um den Einfluss von Handystrahlung auf das Verhalten der Bienen zu untersuchen.