Meldung der Agentur Reuters vom 21. 9. 2001
Autor: Lucas van Grindven
London, 21. 9. 2001
Mobiltelefone können Gesundheitsschäden verursachen, indem sie Antwortzeiten des Gehirns beschleunigen, teilte ein britischer Wissenschaftler einer Konferenz am Freitag mit.
Während Sorgen von Verbrauchern darin gipfeln, dass länger andauernder Gebrauch von Mobiltelefonen zu Problemen führen könnten, die von Kopfschmerzen bis zur Bildung von Tumoren reichen, hilft eine aktuelle Studie, die eine alarmierend hohe Rate von Gehirntumoren bei Benutzern von Mobiltelefonen zeigt, die wissenschaftliche Meinung in Grossbritannien umzukehren.
Dr. Alan Preece, der Leiter der Abteilung Biophysik des Bristol Oncology Center (Krebszentrum von Bristol) wird zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zunehmend davon überzeugt, dass die Strahlung von Mobiltelefonen chemische Prozesse im Körper beeinflusst, die schädlich sein können.
Sechs unabhängige Studien zeigen jetzt, dass die Antwortzeiten sich beschleunigen, wenn Menschen den Hochfrequenz-Signalen von Mobiltelefonen ausgesetzt werden. "Vielleicht müssen wir jetzt akzeptieren, dass es einen Einfluß aufs Gehirn gibt", trug Preece in London bei einer Konferenz über die gesundheitlichen Risiken von Mobiltelefonen vor.
"Die Antwortzeit wurde durch Stressproteine gesteigert, die durch das Einschalten eines Gens erzeugt wurden. Diese Tatsache erfordert weitere Forschung." Die ständige Exposition gegenüber Mobilfunkstrahlung könnte auch schädliche Gesundheitseffekte haben."
Stressproteine werden produziert, wenn die Körpertemperatur ansteigt, aber Preece und andere Wissenschaftler sagten, dass sie auch bei normaler Körpertemperatur allein aufgrund der Mobilfunkstrahlung ausgeschüttet werden können.
Andere Forschungen in Schweden und in der Schweiz haben gezeigt, dass die Strahlung von Mobilfunkgesprächen den Schlaf stört.
In einer Studie, die noch nicht in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht wurde, fanden die schwedischen Professoren Lennart Hardell und Kjell Hansson Mild, dass Menschen, die bis zu zehn Jahre lang analoge Telefone benutzt haben, ein um 26 % höheres Risiko hatten an Hirntumoren zu erkranken, als eine Kontrollgruppe von Patienten.
Diese Studie hat viele Forscher beunruhigt, obwohl sie weitgehend auf einer früheren Generation von Mobiltelefonen basierte, von denen viele in Autos mit Dachantennen eingebaut waren, und die - im Gegensatz zu den neueren, digitalen Geräten - kontinuierlich Signale aussandten.
"Man kann nicht länger umhergehen und sagen, dass es keine Verbindung gibt (zwischen dem Gebrauch von Mobiltelefonen und gesundheitlichen Effekten)", sagte Preece.
"Ohne Frage gibt es eine biologische Bedrohung", stimmte James Lin, Professor für Biotechnologie und Elektroingenieurwissenschaften der US-Universitaet von Illinois, zu. "Die Frage ist, wie gefährlich der Gebrauch von Mobiltelefonen ist."
Lin sagte jedoch auch, dass es fast genauso viele Studien gäbe, die einen biologischen Einfluss durch den Gebrauch von Mobiltelefonen belegen, wie Studien, die das Gegenteil zeigten. "Unser Verständnis ist noch in der Entwicklung begriffen. Wir brauchen eine wesentlich größere Basis an Daten." Er merkte an, dass die meisten Hirntumoren nahezu zehn Jahre brauchen um sich zu entwickeln - länger als der Zeitraum des Gebrauchs, der in den meisten Studien abgedeckt wurde.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte letzte Woche, dass mehr Forschung notwendig wäre, bevor ein Schaden an der Gesundheit ausgeschlossen werden könnte.
Wie auch immer, Elisabeth Cardis, die Leiterin der Abteilung für Strahlung und Krebs der internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO sagte während einer Konferenz in Finnland, dass jedes mögliche Risiko klein sei. Im letzten Jahr schloss eine von der Regierung bezahlte wissenschaftliche Untersuchung, dass es, obwohl kein Hinweis auf eine Gesundheitsgefahr bestehe, klug wäre, Kinder vom Gebrauch von Mobiltelefonen abzuhalten, weil sie anfälliger für die Strahlung wären.
Schutz vor Handystrahlung:
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