Aufs Auge gedrückt


"Die gesundheitsschädliche Wärmewirkung von Handys auf den menschlichen Kopf ist möglicherweise stärker als bisher angenommen." Das meldete das Konsumentenmagazin Öko-Test in seiner Nummer 10 des Jahres 1997. Der Artikel bezog sich auf erste Berechnungen von Professor Thomas Weiland von der Abteilung Elektromagnetische Felder an der Technischen Hochschule Darmstadt. Schon länger ist bekannt, dass die Hochfrequenz-Strahlung der Handys Körpergewebe aufheizen kann. Das ist vor allem für schlecht durchblutete Organe wie das Auge oder die Hoden gefährlich, weil sie wenig Möglichkeit zum Temperaturausgleich haben. Auge, Hodengewebe und Spermatozoen sind gegenüber Hochfrequenz-Bestrahlung am empfindlichsten. Die Bestrahlung durch Mikrowellen kann zur Sterilität führen (Katalyse, 1997:89).

Je häufiger ein Handy benutzt wird, so das Öko-Test-Magazin, desto größer sei die Gefahr der Trübung der Augenlinse, sprich: von grauem Star. Die erforderliche Leistungsflussdichte für nicht mehr rückgängig zu machende Schäden liegt allerdings relativ hoch (Katalyse, 1997:89): bei 80 bis 150 mW/cm2 (entspricht ca. 100 W/kg) für Linsentrübung und Katarakt (grauer Star) - Expositionszeit eine Stunde, Frequenz 2-10 GHz - und 30 mW/cm2 für Hornhautschäden (ab 35 GHz).

An der Technischen Universität Graz konnte man das zwar nicht einmal bei ungünstigsten Konstellationen eines Mikrowellenherdes feststellen (N. Leitgeb, K. Tropper, 1993:17). Doch bereits 1985 bis 1988 wies Kues im Tierversuch nach, dass es auch unter diesen Werten zu mikroskopischen Veränderungen von Augenlinse und Hornhaut kommen kann, nämlich bei SAR-Werten von 6,3 W/kg (3 Tage, jeweils 4 Stunden). Dazu heißt es im von der Katalyse Köln herausgegebenen Buch "Elektrosmog": "Beim kopfnahen Betrieb leistungsstarker Mobiltelefone können durchaus derart hohe Leistungsflussdichten auftreten und sich über 'hot-spot'-Effekte verstärken, so dass irreversible Augenschäden nicht ausgeschlossen werden können" (Katalyse, 1997:89).

Professor Weiland hat ein Computersystem entwickelt, mit dem sich die Feldverteilung im menschlichen Organismus beim Mobiltelefonieren genauer als bisher wiedergeben lässt. Diese neue Methode ist den Experimenten mit Dummys - menschlichen Kunstköpfen, die das Innere eines Schädels mit Sensoren simulieren - weit überlegen. Das Computerprogramm berücksichtigt so komplizierte Systeme wie die inneren Strukturen des Kopfes und die unterschiedliche Gewebedichte.

Die neueste Meldung über Augen und Handy kommt aus England: Brillen mit Metallfassung erhöhen bei Mobiltelefonierern die Strahlung im Umkreis der Augen um 20%. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Nationalen Physikalischen Laboratoriums in Middlesex. "Das Metall fungiert als Leiter und steuert die Strahlung in die Umgebung der Augen, die gegenüber Mikrowellen besonders empfindlich ist. In England warnt man die Mobiltelefonierer vor Augen- und Hirnschäden" (Miljö Aktuellt, Nr. 5, 23. 6. 1999).

(Quelle: Wolfgang Hingst, Handy-Fieber, Wien 1999, S. 116 ff.)

 


Aufs Auge gedrückt