Angriff auf die Zelle


Auch Veränderungen von Zellinformationen konnten krebsfördernd wirken (H Holzinger, 1997:17) Unter Berufung auf Repacholi (1997) berichtet der Autor von zahlreichen Studien über Eingriffe in die Zellstruktur und die Zellinformation durch Hochfrequenz-Strahlung. Seit Anfang dieses Jahrzehnts lagen Untersuchungen vor, die Veränderungen des Natrium- und Kalium-Ionen-Transports durch die Zellmembran und des Kalzium-Stromes durch die Zellen aufzeigen. Außerdem habe man einen Einfluss auf das Wachstum menschlicher Lymphozyten (höhere Effekte bei gepulsten Feldern) und andere Zellveränderungen nachgewiesen. Holzinger schreibt "Berichtet wird etwa über Veränderungen des Na+ und K+Ionentransports durch Zellmembranen, die im Frequenzbereich zwischen 27 MHz bis 10 GHz bei SAR zwischen 0,2 und 200 W/kg festgestellt wurden (Cleary 1995), oder des Ca++-Flusses, wobei hier aufgrund sehr unterschiedlicher Ergebnisse Forschungsbedarf angemahnt wird."

Lebrecht von Klitzing schreibt "Es waren durchaus auch direkte Eingriffe in die Regulation der Membranaktivität über die lonenkanäle möglich, zumal die Schaltfrequenzen an diesen Kanälen im selben Frequenzbereich liegen wie die niederfrequente 217-Hz-Pulsung des Telekommunikationsnetzes nach GSM-Standard" (zit. nach H -U Jakob, 1999).
Wie heiß dieser Forschungssektor umkämpft ist, zeigt ein Bericht von Tanya Schevitz vom 23 Juli 1999 für den San Francisco Chronicle. Die Redakteurin berichtet über Vorwürfe gegenüber Robert P Liburdy, Wissenschaftler am renommierten Lawrence Berkeley National Laboratory, er habe in Studien 1992 falsche Daten eingesetzt. Liburdy, der keine Forschungsgelder mehr bekam und seine Zusammenarbeit mit dem Laboratorium daher auflöste, hatte in mehreren Studien den Nachweis geführt, dass eine Verbindung zwischen elektromagnetischer Strahlung und Kalzium-Strom besteht, der wichtige Zellfunktionen einschließlich der An- und Ausschaltung von Genen und der Zellteilung steuert.

Die Ergebnisse der Studien lieferten erstmals ein plausibles biologisches Modell zur Krebsentstehung und anderer Erkrankungen durch elektromagnetische Felder. Liburdy veröffentlichte sie 1992 in angesehenen wissenschaftlichen Journalen, den Annals of the New York Academy of Sciences und den FEBS Letters (FEBS = Federation of European Biochemical Societies).

Liburdy sei dann 1994 von einer anonymen Person verpfiffen worden. Der Wissenschaftler antwortete auf die Vorwürfe "Meine wissenschaftlichen Ergebnisse sind nicht falsch. Meine Kritiker hatten nur an der Art, wie ich sie in Grafiken umsetzte, etwas auszusetzen. Sie sagen auch nicht, dass die Daten falsch seien. Sie sprechen nur von der Interpretation der Daten".

Drei unabhängige Forscher untersuchten den Fall und erklärten, dass Liburdys wissenschaftliche Schlussfolgerungen einwandfrei seien. Einer von ihnen, Richard Nuccitelli, Professor für Molekular- und Zellularbiologie der Universität von Kalifornien in Davis, nannte die ganze Kontroverse schlicht "crazy". Verrückt ist es in der Tat, wenn Wissenschaftler mit solchen Methoden mundtot gemacht werden sollen.

Der österreichische Wissenschaftler Helmut Bednar (Universität für Bodenkultur) misst dem Einfluss von EMF auf den Kalzium-Strom große Bedeutung zu. "Bei bestimmten Feldstärken konnten signifikante Wirkungen erzielt werden, während höhere und niedere elektromagnetische Felder keine signifikanten Wirkungen auf biologische Systeme aufwiesen. Dafür liegen zahlreiche Untersuchungen mit tierischen Zellen vor, die einen signifikanten Einfluss auf den Kalzium-Efflux unter bestimmten Feldeinwirkungen nachweisen" (H Bednar, in P C Mayer-Tasch, B M Malunat, 1995 ,188 f).

Typische Aussage dazu im "Weißbuch" des Forums Mobilkommunikation: "Der Einfluss schwach frequenter Felder auf den Kalziumstrom der untersuchten Zellen - ein wesentlicher Signalweg - ist 'vernachlässigbar'. " Wenn für den Mobilfunk negative Forschungsergebnisse vorgelegt werden, so hat man den Eindruck, wird von den Netzbetreibern immer das gleiche Vokabular bemüht: vernachlässigbar, selten, realitätsfremde Versuchsanordnung, psychosomatische Beschwerden, nicht signifikant, nicht reproduziert.

Mitunter wird bezweifelt, ob nichtionisierende Strahlung überhaupt in die Zelle eindringen kann. Das steht aber in direktem Widerspruch zu den Experimenten der Gentechniker: Sie verwenden Mikrowellenimpulse, um Zellmembranen zu öffnen und fremde Gene in die DNS einzuschleusen.

Außerdem wird übersehen, dass Synergie-Effekte zwischen Hochfrequenz-Strahlung, zelltoxischen Stoffen sowie kanzerogenen Chemikalien und physikalischen Krebswirkungen anzunehmen sind. Darüber haben A. Maes und einige Kollegen in einer 1996 veröffentlichten Studie über die Erhöhung der Mutagenität von Mitomycin (ein zytostatisch wirksames Antibiotikum) durch Hochfrequenz-Strahlung von 954 MHz berichtet. Weiters liegen Studien über die Beeinträchtigung der Blut-Him-Schranke vor. Über die negative Wirkung auf den Melatonin-Stoffwechsel wird im Kapitel "Melatonin-Mangel: Schlüssel zur Krebsentstehung" ausführlich referiert.

Dazu der Wiener Arzt Wolfgang Köstler: "Der Mobilfunk ist in einem Bereich impulsgetaktet, der als mechanischer Resonanzbereich der Blutgefäßwände gilt. Mir ist ein Fall eines Patienten (Geschäftsmann in der Elektronikbranche) bekannt, der täglich über viele Stunden mit seinem GSM-Handy beruflich telefonierte und, obwohl noch sehr jung an Jahren, plötzlich die Zeichen eines Schlaganfalles mit Halbseitenläsion zeigte. Er wurde auf eine neurologische Spezialstation eingeliefert, wo man aber kein Substrat für diesen Schlaganfall im Sinn eines Gefäßverschlusses oder einer Blutung - weder im Computertomographen noch in der Magnetresonanz (MRI) des Gehirns - finden konnte. Erst nach Wochen bildeten sich die Symptome langsam wieder zurück. Der Betroffene konnte für sich selbst den Zusammenhang zwischen einem stundenlangen Telefonieren mit seinem Handy und dem Schlaganfall herstellen ... Es ist auch bekannt, dass gepulste Mikrowellen zu einem Anstieg des Fibrinogenspiegels im Blut führen, was zu einer erhöhten Gerinnungsneigung des Blutes führt."

 



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