Die Zeitschrift ÖKO-TEST hat in ihrem diesjährigen Novemberheft erneut Babyphone getestet. Bei der Beurteilung der Geräte spielt auch in dieser Untersuchung die Exposition durch niederfrequente elektrische und magnetische sowie durch hochfrequente elektromagnetische Felder eine herausragende Rolle.
Babyphone können zwei verschiedene Möglichkeiten nutzen, um Eltern Geräusche aus dem Kinderzimmer zu übermitteln und ihnen so die Möglichkeit zu geben, den Schlaf ihres Babys oder Kleinkinds auch aus der Entfernung zu überwachen:
1. Der Stromkreis des Hauses oder der Wohnung dient als Übertragungsweg
2. Die Geräusche aus dem Kinderzimmer werden über eine Funkverbindung vom Sender zum Empfänger übertragen
Die Übertragung über den Stromkreis funktioniert allerdings nur, wenn Sender und Empfänger sich in dem selben Stromkreis befinden. Funkgeräte haben diese Einschränkung naturgemäß nicht und haben außerdem eine höhere Reichweite. Daher arbeiten heute die meisten Babyphone mit Funk. Babyphone sind elektrische Geräte und weisen, sofern sie am Stromnetz betrieben werden, auch elektrische und magnetische Felder im Bereich von 50 Hertz (Hz) auf. Unter Vorsorgeaspekten sind daher auch bei Babyphonen sowohl die hochfrequenten als auch die niederfrequenten Felder zu betrachten. Zusätzlich ist zu beachten, dass sich Babys und Kleinkinder in der Entwicklung befinden und daher eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen berücksichtigt werden muss.
Unter diesen Voraussetzungen wird der Test der Zeitschrift ÖKO-TEST folgendermaßen bewertet:
Zu den hochfrequenten Feldern:
Grundsätzlich empfiehlt das BfS, aus Vorsorgegründen die Exposition der Bevölkerung mit hochfrequenten Feldern so gering wie möglich zu halten bzw. unnötige Expositionen zu vermeiden. Dies gilt ganz besonders für Babys und Kleinkinder. Aus diesem Grund ist gegen die von ÖKO-TEST vorgenommene schlechtere Bewertung von Geräten, die eine höhere Feldintensität aufweisen, nichts einzuwenden. Auch die schlechtere Bewertung von Geräten, bei denen die Sender im Kinderzimmer wegen der Reichweitenkontrolle dauernd senden, ist aus Vorsorgegründen nachvollziehbar (siehe auch Stellungnahme des BfS zum ÖKO-TEST-Artikel über DECT-Telefone). Bemerkenswert erscheint die von ÖKO-TEST vorgenommene Festlegung von Vorsorgewerten. So wurde für die Leistungsflussdichte der Vorsorgewert des BUND in Höhe von 200 Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2) als Obergrenze angenommen (in der von Öko-TEST im September-Heft 2002 vorgenommenen Beurteilung von DECT-Telefonen wurde noch ein Vorsorgewert von 100 Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m2) angesetzt). Für die elektrische Feldstärke wurde in den Einzelbeurteilungen ein Vorsorgewert von 200 Millivolt pro Meter (mV/m) angenommen, der Vorsorgewert des BUND liegt hier hingegen bei 500 mV/m.
Negativ ist, dass die Zeitschrift ÖKO-TEST auch in diesem Artikel dem Leser suggeriert, dass hochfrequente elektromagnetische Felder auch im niedrigen Intensitätsbereich negative gesundheitliche Auswirkungen haben und gepulste Strahlung besonders gefährlich ist. Diese häufig geäußerten Behauptungen sind nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht bewiesen.
Zu den niederfrequenten Feldern:
Bei den niederfrequenten Feldern verwendet die Zeitschrift die sog. TCO-Norm als Beurteilungsgrundlage für die Exposition der Babys und Kleinkinder. Außerdem wird behauptet, dass die Grenzwerte der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV) "im gesundheitlich bedenklichen Bereich liegen". Die TCO-Norm für Bildschirme orientiert sich am technisch Machbaren und nicht an möglichen gesundheitlichen Auswirkungen. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand sind gesundheitliche Auswirkungen bei Feldintensitäten unterhalb der Grenzwerte der 26. BImSchV nicht nachgewiesen. Zu berücksichtigen ist allerdings gerade bei der Beurteilung von Babyphonen das Ergebnis einiger epidemiologischer Studien. Diese zeigen ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern, die eine erhöhte Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern erfahren haben. Auch wenn es sich hier nicht um einen wissenschaftlichen Nachweis für ein erhöhtes Risiko handelt, geben diese Ergebnisse doch Anlass, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Alle von ÖKO-TEST getesteten Geräte weisen jedoch in einem Abstand von 1 m vom Sender oder vom Netzgerät einen Wert von höchstens 0,02 Mikrotesla (µT) für die magnetische Flussdichte auf und liegen damit deutlich unter dem Wert, der in den o.g. epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Leukämierisiko assoziiert ist.
Das BfS hält die Empfehlung der Zeitschrift ÖKO-TEST, auch bei niederfrequenten Feldern auf eine möglichst niedrige Exposition zu achten, unter Vorsorgeaspekten für sinnvoll. Dies lässt sich z.B. durch einen möglichst großen Abstand des Senders und vor allem des Netzgeräts vom Bett des Kindes erreichen. Falls möglich sollte das Gerät mit Akkus betrieben werden, da dann keine niederfrequenten Wechselfelder auftreten.
Ein Warnhinweis in der Gebrauchsanleitung der Geräte, dass diese in einem möglichst großen Abstand vom Bett des Kindes aufgestellt werden sollten, ist im Sinne der Vorsorge zu begrüßen. Ein solcher Hinweis wird im Übrigen auch vom BfS auf seiner Internetseite gegeben.