Gesundheitliche Auswirkungen des Kurzwellensenders Schwarzenburg


Eine aufwendige Untersuchung der Universität Bern konnte in der Umgebung des schweizer Kurzwellensenders Schwarzenburg zwar keine erhöhte Häufigkeit körperlicher Krankheiten nachweisen, wohl aber eine signifikante Zunahme psychovegetativer Beschwerden wie vor allem Schlafstörungen. Zur Überraschung der Wissenschaftlicher konnte die bei diesem Befund naheliegende Melatoninhypothese nicht bestätigt werden.


Der Kurzwellensender Schwarzenburg nahm im Jahr 1939 seinen Betrieb auf. Seine sternförmige Hauptantenne stammt aus dem Jahr 1954. In der Regel sind maximal drei 6,1- bis 21,8-MHz-Antennen gleichzeitig in Betrieb. Die Sendeleistung beträgt je 150 kW. Im Jahr 1971 wurde im Süden des Senders zusätzlich eine 250-kW-Antenne in Betrieb genommen, die allerdings nur als gelegentlicher Ersatz für den Sender in Sottens eingesetzt wird. Seit den siebziger Jahren sind aus der Bevölkerung im Umkreis des Senders Klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen laut geworden, die auf den Sender zurückgeführt wurden. Am 2. März 1990 brachte eine Anwohnergruppe eine Petition ein, in der die wissenschaftliche Abklärung der Frage gesundheitlicher Schäden durch den Sender verlangt wurde. Im April 1991 nahm eine vom Bundesamt für Energiewirtschaft bestellte, vorwiegend aus Medizinern zusammengesetzte Arbeitsgruppe ihre Arbeit auf.

Methodik

Im Sommer 1992 wurde unter der anwohnenden Bevölkerung, die je nach Exposition in die Gruppen A (hoch), B (mittel) und C (niedrig) eingestuft wurde, eine breitangelegte Gesundheitsbefragung durchgeführt. Um bereits möglichst klar zwischen direkten (biologischen) und indirekten (durch Angst bewirkten oder verstärkten) Auswirkungen unterscheiden zu können, wurden auch Fragen eingeschlossen, die näheren Aufschluß über die sozialen Verhältnisse und die Persönlichkeit der Befragten geben konnten. Ebenfalls 1992 erfolgte eine Tagebucherhebung, in der eine Stichprobe der Bevölkerung in den verschieden exponierten Gebieten während dreimal 10 Tagen genau über ihre Beschwerden und ihr Befinden Buch führten. Während der Zeit dieser Erhebung wurden in zufälliger Reihenfolge die Senderichtungen für die verschiedenen Programme geändert, so daß die elektromagnetische Exposition der Bevölkerung anders als gewohnt ausfiel. Bei Versuchen im Jahr 1993 wurde der Sendebetrieb sogar für vier Tage komplett eingestellt.

Zunahme von Schlafstörungen

Aufgrund der Analyse der Gesundheitsbefragung zeigte sich sehr bald, daß mit zunehmender Nähe zum Sender und mit zunehmender gemessener magnetischer Feldstärke ein größerer Anteil der Bevölkerung über veschiedene Beschwerden berichtete. Bei den über 45jährigen zeigte sich dieser Unterschied deutlicher als bei den Jüngeren. Am deutlichsten und konstantesten war dies bei den Schlafstörungen zu beobachten, wobei sich Einschlaf- und Durchschlafstörungen gleich verhielten. Neben den Schlafstörungen zeigten auch Symptome wie Nervosität, allgemeine Schwäche und Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Medizin gemeinsam als "psychovegetative Störungen" bezeichnet werden, dasselbe Muster. Die Schlafstörungen sind insbesondere auch unter Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren signifikant mit den gemessenen Feldstärken korreliert, während die anderen Beschwerden nur indirekt über die Schlafstörungen in Beziehung zum Sender stehen. Ein interessanter Zusatzbefund war, daß die Bewohner der exponierten Zonen ihre Freizeit signifikant häufiger außerhalb ihrer eigenen Wohnzone verbringen als die nichtexponierte Bevölkerung. Die Befunde wurden auch durch die Tagebucherhebung bei gleichzeitiger Änderung der Senderichtungen bzw. Abschalten des Senders erhärtet. Es zeigte sich wiederum, daß Schlafstörungen mit zunehmender magnetischer Feldstärke statistisch signifikant häufiger auftraten, wenn durch Änderung der Senderichtung die Exposition verändert wurde. Es zeigte sich ferner, daß mit einer Verzögerung von einem Tag das Abstellen des Senders von einer Verbesserung der im Tagebuch angegebenen Schlafqualität gefolgt war, die knapp statistische Signifikanz erreichte. Eine erhöhte Häufigkeit körperlicher bzw. chronischer Krankheiten wie Krebs oder Zuckerkrankheit wurde im engerem Umkreis des Senders nicht gefunden, wobei jedoch die Bevölkerungszahl für einen wissenschaftlichen Nachweis zu klein war.

Melatoninhypothese

Die aufgrund anderer Arbeiten naheliegende Hypothese, daß die Störung des Schlafes durch eine Beeinflussung des Melatoninhaushaltes verursacht würde (Elektrosmog-Report 2(2), S. 5-7 (1996)), konnte nicht bestätigt werden. Es zeigte sich, daß der Melatoninspiegel von der magnetischen Feldstärke der vom Kurzwellensender stammenden Felder unabhängig war, und daß die Einstellung des Senderbetriebs nicht mit einer Änderung des gemessenen Melatoninspiegels verbunden war. Auch in einer parallel laufenden Studie an zehn Kühen in zwei leicht unterschiedlich exponierten Ställen, bei der der Melatoningehalt anhand von alle zwei Stunden entnommenen Speichelproben bestimmt wurde, fand sich keine signifikante Änderung im Melatoninspiegel. Die graphische Darstellung der Zeitverläufe des Melatonins ließen zwar einen Effekt des Senders vermuten, indem das Abstellen des Senders von höheren nächtlichen Maximalwerten des Melatonins im Speichel gefolgt war. Die beobachteten Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Als Problem erwies sich vor allem die kleine Anzahl der Tiere.

Fazit

Die Studie weist nach, daß der Kurzwellensender Schwarzenburg die Schlafqualität der am stärksten exponierten Personengruppe beeinträchtigt, höchstwahrscheinlich in direkter Weise. Dies ist als eine erhebliche Störung des Wohlbefindens zu werten und kann diverse psychovegetative Folgestörungen nach sich ziehen. Die derzeit international empfohlenen Immissionsgrenzwerte wurden an keinem der zahlreichen Meßpunkte und zu keinem Zeitpunkt überschritten. Die Autoren regen an, daß die zuständigen Gremien angesichts der Befunde ihre Grenzwertempfehlungen überprüfen sollten. Weitere Untersuchungen seien angebracht, sowohl wissenschaftliche Grundlagenforschung als auch weitere epidemiologische Studien. Wegen der benötigten Bevölkerungsgrößen seien vor allem internationale Verbundstudien sinnvoll. Die Autoren betonen, daß von Schlafstörungen betroffene Anwohner im engsten Umkreis des Senders in Einzelfällen einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Sender rechtlich geltend machen könnten. Die von kritischen Wissenschaftlern seit Jahren aus Vorsorgegründen geforderte Verringerung der HF-Expositionen - z. B. auf ein Zehntel der international empfohlenen Grenzwerte - wird durch die Ergebnisse wissenschaftlich gestützt. Bei bestehenden Anlagen sollten alle technisch und betrieblich möglichen und wirtschaftlich tragbaren Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Verringerung der Exposition beitragen. [Zitierweise dieses Artikels: Gesundheitliche Auswirkungen des Kuzwellensenders Schwarzenburg Elektrosmog-Report 2 (4), S. 5-6 (1996)]

Quelle

Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität zu Bern unter Mitarbeit weiterer Institutionen: Gesundheitliche Auswirkungen des Kurzwellensenders Schwarzenburg. BEW-Schriftenreihe, Studie Nr. 56, Bern 1995. Die Studie wurde erstellt im Auftrag des Bundesamtes für Energiewirtschaft und kann bezogen werden bei der EDMZ, CH-3000 Bern, FAX: 0041-31-3223975.

 

Sender Schwarzenburg - eine abschließende Betrachtung

Um mögliche Gesundheitsstörungen und -beeinträchtigungen im näheren Umfeld des schweizer Kurzwellensenders Schwarzenburg zu untersuchen, wurde eine Serie von Studien durchgeführt. 1992 und 1996 wurden zwei kontrollierte Interviewstudien sowie 1993 eine experimentelle Studie mit dreitägigem Abstellen des Senders während 10 Tagen mit Messung der Melatoninausscheidung im Urin des Menschen und im Speichel bei Kühen durchgeführt.

Studie von 1992

Das wichtigste Ergebnis der Studie von 1992 war: Die aufwendige Untersuchung der Universität Bern konnte in der Umgebung des Kurzwellensenders Schwarzenburg zwar keine erhöhte Häufigkeit körperlicher Krankheiten nachweisen, wohl aber eine signifikante Zunahme psychovegetativer Beschwerden wie vor allem Schlafstörungen. Neben den Schlafstörungen zeigten auch Symptome wie Nervösität, allgemeine Schwäche und Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Medizin gemeinsam als "psychovegetative Störungen" bezeichnet werden, das gleiche Muster. Im Elektrosmog-Report, September 1998, berichtete Hans-Ulrich Jakob über die erfolgte Abschaltung des Senders sowie die Geschichte vom Widerstand der Bevölkerung und den genannten Untersuchungen. Eine Tabelle über die festgestellte Häufigkeit verschiedener Krankheiten führte zu Nachfragen von Lesern des Elektrosmog-Reports, da die Tabelle eine deutliche Erhöhung des Krebs- und Diabetesrisikos zeigt und dies im Widerspruch zu Aussagen der Autoren der Studie steht. Über die Interpretation der Ergebnisse gibt es darüber hinaus auch immer wieder Diskussionen in der Öffentlichkeit. Wir möchten daher das Thema Schwarzenburg noch einmal aufgreifen. Die von Herrn Jakob gezeigte Tabelle stellt eine von ihm durchgeführte Zusammenfassung der wichtigsten Tabelle aus der Orginalstudie dar, eine Zusammenfasung, die methodisch fragwürdig ist. Im Folgenden zeigen wir die Originaltabelle und zitieren die Schlußfolgerung der Autoren. Im Anschluß daran folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der 96er Studie, die die Befunde der ersten Studie weitgehend reproduzieren konnte. Tabelle: Erkrankungshäufigkeiten in verschiedenen Entfernungen vom Sender

Chronische Erkrankung

Zone A

Zone B

Zone C

Diabetes mellitus, Erwachsenenform

5

5

5

Diabetes mellitus, juvenile Form

1

1

0

Glaukom

1

1

2

Katarakt

1

6

5

Brustkrebs (Frauen)

1

1

1

Gebärmutterkrebs

1

1

1

Hodenkrebs

2

0

0

Blasenkrebs

0

0

1

Affektive Psychose

4

5

2

Andere nichtorganische Psychosen

2

1

1

Nervosität

1

0

0

Senile und präsenile organische Psychose

0

1

0


Die anwohnende Bevölkerung wurde, je nach Exposition,
in die Zone A (hoch exponiert), Zone B (mittel exponiert) und
Zone C (unbelastete Kontrollgruppe) eingestuft.

Zusammenfassend heißt es: "Es wurde eine signifikante Zunahme an Schlafstörungen in der exponierten Bevölkerungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt. Keine anderen "gesundheitlichen Beschwerden" wiesen einen relevanten Zusammenhang auf. Entweder verlor die Assoziation ihre Signifikanz, wenn Zone C herausgenommen wurde (z. B. Nervosität, Gliederschmerzen etc.) oder es fanden sich keine signifikant unterschiedlichen Verhältnisse zwischen den Zonen (z. B. Husten und Auswurf). Die Schlafstörungen zeigten einen Dosis-Wirkungsbeziehung mit der EMF-Feldstärke auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Anteil des möglichen Gesundheitsrisikos des Senders bezogen auf die Lebensspanne, die dort verbracht wurde. Graphische Modelle legen nahe, daß Schlafstörungen, insbesondere Durchschlafstörungen, eine Schlüsselrolle bei der Beziehung zwischen psychovegetativen Beschwerden und den Senderfeldern spielen. (...)

Ernsthafte Erkrankungen und schlechter Gesundheitszustand wie etwa Krebs, Herzkreislauferkrankungen ohne Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Glaukom, Katarakt und psychiatrische Störungen wurden in der nicht exponierten Kontrollgruppe nicht häufiger angetroffen als in Zone C. Aufgrund der Fallzahl von n=404 bleiben die Schlußfolgerungen allerdings begrenzt, da nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass doch ein echtes Risiko existiert, das mit dem elektromagnetischesn Feld des Senders in Verbindung stehen könnte."

Soweit die Ergebnisse der 92er Studie.

Wiederholungsstudie von 1996

Die Ergebnisse der Wiederholungsstudie von 1996 wurden von den Autoren wie folgt zusammengefaßt:

"Die Resultate (der 1. Studie) legen nahe, dass v.a. Schlafstörungen in der Nähe des Senders gehäuft auftreten. Dieser Befund aus dem Jahr 1992 konnte im Rahmen der Nachfolgeuntersuchung 1996 bestätigt werden. Folgende Elemente sprechen für eine kausale Beziehung zwischen Durchschlafstörungen und senderbedingten elektromagnetischen Feldern: Häufung der Beschwerden in Sendernähe, Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen EMF-Feldstärke und Häufigkeit von Durchschlafstörungen, Wiederholbarkeit des Befundes 4 Jahre später. Ein wesentliches Element der Beweisführung fehlt jedoch: der Nachweis eines biophysikalischen Mechanismus. Die experimentelle Studie 1993 ergab keinen Zusammenhang zwischen EMF-Feldstärke und Melatoninausscheidung beim Menschen. Bei Kühen hingegen besteht der Verdacht, dass die elektromagnetischen Felder in der exponierten Gruppe zu einer Phasenverschiebung des Melatoninzyklus geführt haben."

Bei der Interviewstudie 1996 wurden grundsätzlich vergleichbare Fragen gestellt wie in der 92er Studie. Der Fragenkatalog wurde aber um spezifische Fragen im Zusammenhang mit Schlafstörungen erweitert. Außerdem wurde bei jeder Person der Blutdruck gemessen. Neben der bereits 1992 befragten Population wurde die Bevölkerung im Westen der benachbarten Gemeinde Rüeggisberg mit eingeschlossen. Es handelt sich um eine Bevölkerung, die den Sender sieht und bzgl. der Exposition zwischen den Zonen B und C liegt.

Ein wichtiges Ergebnis der 96er-Studie lautet: Entfernt man sich von 100 m auf 1.000 m vom Zentrum der sternförmigen Vorhangantenne, so sinkt die Chance für Durchschlafstörungen um den Faktor 0,26 (95% Konfidenzintervall: 0,12 bis 0,56). Dies entpricht weitgehend dem Befund von 1992, wo ein Faktor 0,12 mit einem 95%-Konfidenzintervall von 0,05 bis 0,30 gefunden wurde. Wer nah am Sender lebte, wies also ein vier- bis achtfach erhöhtes Risiko für Durchschlafstörungen auf.

In der neuen Studie fiel auf, daß Einwohner der exponierten Zone mit Schlafstörungen, die ihre Wohnzone verließen, bereits nach ein bis zwei Tagen signifikant seltener an Schlafstörungen litten (OR = 5,4), als dies bei Einwohnern mit Schlafstörungen der Vergleichzone C der Fall war. Die Einwohner der exponierten Zone nahmen häufiger Schlafmittel ein als in der nicht-exponierten Zone und aßen seltener eine schwere Mahlzeit am Abend; d. h. in der exponierten Zone betrieben die Einwohner mit Schlafstörungen offensichtlich Schlafhygiene.

Bzgl. der Melatoninbefunde aus dem Jahre 1993 diskutieren die Autoren als Möglichkeit für die Erklärung der negativen Befunde beim Menschen, dass nur der morgendliche und nicht der abendliche Urin gesammelt wurde. Eine Studie von Pfluger und Minder bei Lokomotivführern wies nach, dass die abendliche Ausscheidung von Melatonin durch die 16 2/3-Hz-Felder beeinflusst wurde, nicht aber der Morgenurin.

Resümierend heißt es: "Obwohl zur Zeit unklar ist, ob die Beziehung zwischen Sender und Beschwerden der Bevölkerung ein biophysikalisches oder psychisches Phänomen ist, sollten durch die Vollzugsbehörde Massnahmen getroffen werden, die die Emissionen der Senderanlage und die Immissionen der Bevölkerung auf ein Minimum reduzieren; denn mehrfache Arten von Fragestellungen und Analysen bestätigen das Vorhandensein eines engen Zusammenhangs zwischen Betrieb des Senders und Schlafstörungen."

Quellen:

1.       Altpeter, E.S. et al.: Study on Health Effects of the Shortwave Transmitter Station of Schwarzenburg, Berne, Switzerland (Major Report). BEW Publication Series, Study No. 55, Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, 08/95.

2.       Altpeter, E.S., Abelin, Th.: Schlafstörungen in der Nähe des Kurzwellensenders Schwarzenburg. In: Tagungsband "Elektrosensibilität: Standortbestimmung eines Phänomens", ETH Zürich, Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie, 04.07.1997.

3.       Pfluger, D. H., Minder, Ch. E.: Effects of exposure to 16.7 Hz magnetic fields on urinary 6-hydroxymelatonin sulfate excretion of Swiss railway workers. J Pineal Res, 21:91:100, 1996.

 

Kurzwellensender Schwarzenburg abgeschaltet

Am 29. März 1998 wurde der Kurzwellensender Schwarzenburg vom Schweizer-Radio-International endgültig abgeschaltet. Er ist damit weltweit der erste Rundfunksender, der auf Druck der Anwohner geschlossen wurde. Die Abbrucharbeiten haben Anfang Mai begonnen und sollen bis zum Spätherbst 1998 abgeschlossen sein.
Der Kurzwellensender Schwarzenburg lag auf einem etwa 1,5 Quadratkilometer grossen Hochplateau auf 800 m über dem Meeresspiegel und war auf drei Seiten von einer voralpinen Hügellandschaft umschlossen. Die Hügelzone erreichte in 8 km Distanz Höhen bis zu 1.600 m über dem Meeresspiegel.

Die Sendungen waren vorwiegend für Überseegebiete bestimmt. Die elektromagnetische Strahlung wurde in stark gebündelter Form über diverse Richtantennen zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in fünf verschiedene Hauptrichtungen (Fernost, Nahost, Afrika, Südamerika und Nordamerika) abgestrahlt. Die Richtantennen bestanden aus drei bis zu 120 m hohen und bis zu 350 m langen "Zäunen". Die Sendeleistungen ohne Antennengewinn lagen, je nach Anzahl der benutzten Sender, zwischen 150 und 550 kW pro Richtung. Gesendet wurde rund um die Uhr. Die Sendezeiten betrugen zwischen 1,5 und 12 Stunden pro Tag und pro Richtung.

Kurzwellenstrahlung benutzt die äußerst verlustreiche Ionosphären-Reflektion. Die Ionosphäre ist eine elektrisch leitende Schicht in 250 bis 400 km Erdentfernung. Das Strahlenbündel wird ähnlich dem Scheinwerferlicht möglichst waagerecht abgestrahlt. Es folgt nicht der Erdkrümmung, wird dann von der Ionosphäre auf die Erde zurückgeworfen und von der Erde wieder an die Ionosphäre usw. So werden in mehreren "Hüpfern" 3.000 bis 6.000 km entfernte Kontinente erreicht. Damit in den Empfängerländern überhaupt noch ein Bruchteil eines Bruchteils ankommt, muß die Kurzwellenstrahlung in einer Intensität abgestrahlt werden, die man sonst in der Telekommunikation nicht antrifft.

Der in Schwarzenburg praktizierte Steigwinkel der Strahlenbündel lag zwischen 6 und 17 Grad und reichte bei Weitem nicht aus, um die umgebende Landschaft zu übersteigen. Etwa 40% der abgegebenen Leistung wurde in der bergigen Landschaft absorbiert.

Die so bestrahlte Bevölkerung klagte seit Jahrzehnten über massive Gesundheitsbeschwerden, und der Wald weist dort, wo die Strahlenbündel auf das ansteigende Gelände aufprallten, mehrere Hektar große Löcher auf. Bis Ende der 80er Jahre wurden im Schwarzenburgerland Berichte über Gesundheitsschäden infolge EM-Bestrahlung als sowjetische Propaganda abgetan. Mahner und Forscher wurden vom Schweizer Staatsschutz als Sowjetagenten verfolgt und so bei der Bevölkerung in Mißkredit gebracht. Anfang der 90er Jahre flog der Skandal auf und die Bundesregierung verbot den Staatsschützern ausdrücklich jegliche Aktivitäten im Umwelschutzsektor.

Sodann verlangten die Senderanwohner in einer Petition an die Regierung eine wissenschaftliche Untersuchung, welche in der Folge dann auch bewilligt wurde. Der zuständige Bundesminister Ogi war allerdings überzeugt, daß es keinen Zusammenhang zwischen dem Sender und den Gesundheitsbeschwerden gebe. Es dauerte fünf Jahre, bis die Untersuchungsergebnisse im August 1995 vorlagen.

Untersucht wurden ca. 200 Personen in den bestrahlten Gebieten (Zone A und Zone B) und ca. 200 Personen in der unbestrahlten Zone C. Schwerpunkt der Studie waren psychovegetative Störungen. Lebenserwartung und Todesursachen waren nicht Gegenstand der Untersuchung. Die Ergebnisse der Studie wurden ausführlich im Elektrosmog-Report, April 1996, vorgestellt.

Tabelle:
Verhältnis der Gesundheitsbeschwerden
in Zone A und B zu Zone C (vgl. Text)

Symptom

Verhältnis

Schwere Schlafstörungen

5:1

Depressionen

4:1

Krebs (alle Arten zusammengefasst)

3:1

Diabetes

2:1



(Anm. zur Tabelle: Die Zahlen stammen aus "Study on Health Effects of the Shortwave Transmitter Station of Schwarzenburg, Switzerland", Major Report, Aug.1995. Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Die deutschsprachige Zusammenfassung, herausgegeben von den Sendebetreibern und dem Bundesamt für Energiewirtschaft BEW, entspricht nur teilweise dem Inhalt der englischen Orginalpublikation.)

Hochinteressant ist die Tatsache, daß die genannten gesundheitlichen Störungen in Gebieten mit Feldstärken zwischen 0,4 und 4 V/m oder 1 und 10 mA/m festgestellt wurden, das heißt bei Feldstärken die 7 bis 70 mal unter den Grenzwerten der ICNIRP und des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft lagen. Insbesondere für die Schlafstörungen ergaben sich signifikante Ergebnisse, die in einer Nachfolgeuntersuchung der Universität Bern 1996 noch einmal bestätigt wurden.

Im November 1995 gründete sich die Vereinigung "SchoK" (Schwarzenburg ohne Kurzwellensender). Der beispielhaften Aufklärungsarbeit dieses Vereins ist es zu verdanken, daß es 1997 im Schwarzenburgerland zu einem kleinen "Volksaufstand" kam, als die Telecom ihr Projekt präsentierte, die Sendeanlagen zu modernisieren und um den Faktor 6 zu verstärken (unter Einhaltung der offiziellen Grenzwerte). Die bestehenden Sendeanlagen stammten aus den 50er Jahren und hätten dringend ersetzt werden müssen. Gegen den lokalen Widerstand war dies jedoch nicht mehr durchzusetzen. Am 28. Oktober 97 gab die Bundesregierung den Beschluß des ersatzlosen Abbruchs der Sendeanlagen aus "wirtschaftlichen Gründen" bekannt.

Die Universität Bern hat mit ihren Untersuchungen zu einer veränderten Melatoninausschüttung eine Woche vor und eine Woche nach Abschaltung des Senders ihre dritten Studie durchgeführt. Die Untersuchung wurde von den Senderbetreibern massiv gestört, indem diese die Sendeleistung in der Woche vor der Abschaltung bereits um 50% reduzierten. Die entsprechenden Meßdaten sind beim Verfasser erhältlich.

Beim Autor sind Dutzende von Rückmeldungen aus der Bevölkerung eingegangen, die besagen, daß sich die Schlafqualität bereits eine Woche nach Abschaltung frappant verbessert habe. Außerdem wurde über einen Rückgang der Hyperaktivität bei Kindern berichtet sowie über ein Verschwinden von Gelenk- und Gliederschmerzen. Psychisch Erkrankte sprechen von einer glücklichen Zeit, die sie momentan erleben dürften. Interessant sind auch die Rückmeldungen über einen verbesserten Schlaf bis auf Distanzen von 10 km zum Sender.

Hans-Ulrich Jakob
Flüehli 17, CH-3150 Schwarzenburg
E-mail: prevotec[at]bluewin.ch

Der Autor, Geschäftsführer eines kleinen Ingenieurbüros für Steuerungs-und Regelungstechnik, ist seit Jahren aktiv im Widerstand gegen den Kurzwellensender Schwarzenburg. Er verfügt über Tausende von selbsterworbenen Meßdaten bis 10 km rund um den Sender und hat Hunderte von Gesprächen mit betroffenen Menschen geführt.

Lesen Sie mehr hierzu unter http://www.gigaherz.ch/



Gesundheitliche Auswirkungen des Kurzwellensenders Schwarzenburg