Radar ist die Abkürzung für Radio Detection and Ranging, ursprünglich Radio Aircraft Detection and Ranging (frei übersetzt: „Funk-Erkennung und -Abstandsmessung“) und ist die Bezeichnung für verschiedene Erkennungs- und Ortungsverfahren und -geräte auf der Basis elektromagnetischer Wellen im Radiofrequenzbereich (Funkwellen).
Umfangreiche Informationen hierzu finden Sie unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Radar
In Vollersode und Wallhöfen (Landkreis Osterholz-Scharmbeck, nördlich von Bremen) sind ungewöhnlich viele Hirntumorfälle aufgetreten. Egbert Kutz, Arzt für Allgemeinmedizin aus Vollersode, stellte die Häufung fest, die inzwischen auch vom Robert-Koch-Institut Berlin bestätigt wurde.
Seit 1981 registriert Kutz alle Gehirntumore in der Gemeinde Hambergen. In Vollersode und Wallhöfen traten 15 Hirntumorfälle auf - fünfmal mehr als laut Statistik in diesem Zeitraum auftreten sollten. 10 Patienten, darunter auch junge Erwachsene und Kinder, sind bereits gestorben. Als Ursache vermuten Kutz und besorgte Bürger, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, die Radaranlage der Bundeswehr-Raketenstellung und den Fernmelde-Funkturm der Telekom. Zeichnet man um beide Sendeanlagen einen Kreis von dreieinhalb Kilometer, so liegen laut Kutz die meisten Hirntumorfälle in dem Bereich, wo sich beide Kreise überlappen.
Inzwischen wurden vom Bundesamt für Post und Telekommunikation umfangreiche Messungen durchgeführt, die zu dem Ergebnis kamen, daß "die gemessenen Werte weit unter den zulässigen Personenschutzgrenzwerten" liegen. "Eine Gesundheitsgefährdung durch die Funkwellen kann somit ... ausgeschlossen werden." Das Bundesamt stellt abschließend fest, daß die in Vollersode gemessenen elektromagnetischen Feldstärken "sich nicht von den Werten anderer Gemeinden in der Republik abheben". Ob dies allerdings auch für die Radarstrahlung der Bundeswehranlage gilt, ist fraglich. Der Radarexperte Prof. Dr. Heinrich Hönerloh vermutet als Ursache für die erhöhte Anzahl der Tumoren die Radarstrahlen aus den Hochleistungsgeräten der Raketenstellung. Die Exposition könne durch Reflexionen z. B. am Funkturm erhöht werden. Demgegenüber hält Hönerloh die Emissionen des Telekomfunkturms für vernachlässigbar. Am 4. März fand eine öffentliche Kreistagsondersitzung in Osterholz statt. Als Experten kamen Dr. Leberecht von Klitzing (Medizinische Universität zu Lübeck), Dr. Günter Käs (Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München), Dr. Hauke Brüggemeyer (Niedersächsisches Landesamt für Ökologie), Prof. Dr. Eberhard Greiser (Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, BIPS) und Herr Josef Opitz (Bundesamt für Post und Telekomunikation). Über 300 Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, mit Experten und Politikern über die möglichen Ursachen und Gegenmaßnahmen zu diskutieren. In einer abschließenden Resolution wurde die Verwaltung aufgefordert, mit der Bundeswehr in Verhandlung um die Aufgabe des Radarsenders zu treten. Greiser betonte, daß die Häufung in der Tat auffällig und außergewöhnlich sei. Zur näheren Abklärung der Krebsursachen ist eine 500.000 DM teure Studie in der Diskussion. Das Land Niedersachsen muß nun über die Finanzierung entscheiden.
Ein Dorf in Angst vor Krebs
In 80 % der Häuser von Heimühlen lauert der Tod. Die Bewohner fragen: warum? Heidmühlen - Das schleswig holsteinsche Gesundheitsministerium wird eine überaus auffällige Häufung von Krebsfällen in dem Dorf Heimühlen (Kreis Segeberg) prüfen. Die epidemiologische Task Force (Eingreiftruppe) des Ministeriums sollte die Daten auswerten, sagt Ministeriumssprecher Michael Morsch.
Heimühlens Bürgermeister Geert Uwe Carstensen (CDU) schätzt, daß in vier Fünfteln aller 200 Häuser im Dorf Krebskranke wohnen oder bereits verstorben sind. Der idyllische Ort hat 675 Einwohner. Besonders schlimm ist laut Carstensen die Dorfstraße betroffen.: Hier gibt es kejn Haus, das kerbsfrei ist".
Der Bürgermeister hatte zu einer Einwohnerversammlung, bei der "das Thema jeder Kaffeetafel" sachlich erörtert werden sollte, Fachleute hinzugebeten: Uta Kunze, Leiterin der Landesgkrebsregister in Bad Segeberg, und Alexander Katalinic sprach von einer möglichen "überzufälligen Häufigkeit" Tatsächlich gibt es im ganzen Bundesgebiet unerklärliche regionale Zufallshäufungen von Krebsfällen.
Auf großflächige Erhebungen will Bürgermeister Carstensen nicht warten. "Das Krebsregister braucht noch zwei Jahre bis alle Daten erfasst sind", sagt er. "Das dauert uns zu lange." Carstens fordert ein örtliches Kataster in dem ausschließlich alle Krebsfälle von Heidmühlen auf ihre Ursache geprüft werden.
Segebergs Landrat Georg Gorissen will dem Bürgermeister helfen." Ich werde Kontakt zu Fachinstituten aufnehmen", sagt er. Die hohe Krebsrate in der Kommune rechtfertigt eine gezielte Analyse." In Heimühlen steht ein Radarturm der Deutschen Flugsicherung in Boosted, etwa zehn Kilometer entfernt im Verdacht, Ursache für die Krebshäufigkeit zu sein. Der Turm ist erst vor einem Jahr stillgelegt worden. Das Gesundheitsministerium winkt ab:" Unwahrscheinlich. Der Radarturm sondert seine Strahlen kegelfförmig in den Himmel ab". Als weitere Gefahrenquelle vermuten Heimühlener giftige Industrieschlämme, die Bauern früher als Dünger ausgebracht haben sollen. "Ichn wollte das Zeug nie haben", sagt Markus Breiholz (87) Der Landwirt in Rente kann sich auch vorstellen, dass das Grundwasser ein Risikofaktor ist "Hier hat jeder seinen eigenen Brunnen in den Garten gebohrt, und in der Nähe floß die Gülle ab.
Die Frau von Manfred Schul (64) ist im vergangenen Oktober an Eierstockkrebs gestorben. "Die war im März noch so vergnügt und lustig", flüsterte der Rentner aus der Dorfstraße und zählt Fälle in seinem Bekanntenkreis auf. "Krebs ist eine Katastrophe hier. An einer seltenen Krebserkrankung leidet Hannelore Lambrecht ein paar Häuser weiter. Sie hat Schilddrüsenkrebs, Ärzte haben die Drüse entfernt "Die Angst bleibt". Sagt sie. Gudrun Carstensen hatte glück. Ihr Tumor war gutartig. Ihre Schwägerin starb an Brustkrebs. Übermorgen wird eine 42 Jahre alte Mutter beerdigt. Ihre Zwillinge werden heute vier Jahre alt. Gudrun Carstensen sagt leise: "Jedes mal frage ich mich: "Wann bin ich dran?"
Quelle: Hamburger Abendblatt 18. April 2001
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