Erhöhte Leukämierate bei HF-exponierten Soldaten


Polnisches Militärpersonal, das in erhöhtem Maße HF-Strahlung und Mikrowellen ausgesetzt war, weist nach einer jüngsten polnischen Studie eine erhöhte Krebsrate gegenüber Nichtexponierten auf. Insbesondere war das relative Risiko, an Krebsarten des blutbildenden Systems (Lymphome und Leukämien) zu erkranken, unter Hochfrequenzbelastung bis um das Achtfache erhöht.

Die neue Studie, die von Prof. Stanislaw Szmigielski vom Zentrum für Strahlenbiologie und Strahlensicherheit und dem Militärinstitut für Hygiene und Epidemiologie in Warschau durchgeführt worden war, erfaßte einen 15-jährigen Zeitraum (1971-1985). Im Durchschnitt wurden jährlich 127.800 Soldaten in die Untersuchung aufgenommen, von denen durchschnittlich 3.720 hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung (HF- und Mikrowellen) ausgesetzt waren.

Wie in der jüngsten Ausgabe (Mai/Juni 1995) der Zeitschrift Microwave News berichtet, ermittelte Szmigielski, ein ehemaliges Mitglieds des Herausgeberstabes der renommierten Zeitschrift "Bioelectromagnetics", eine Verdoppelung des Erkrankungsrisikos bei Exponierten gegenüber den Kontrollen bei Einbeziehung aller Krebsarten und eine noch deutlichere Erhöhung des Risikos für die meisten akuten und chronischen Krebsarten des blutbildenden Systems.

Das nachträglich geschätzte relative Risiko (Odds Ratio), an Lymphomen oder Leukämien zu erkranken betrug bei Betrachtung aller Altersgruppen mehr als das Sechsfache, für die Altersgruppe der 20 bis 49-jährigen Exponierten sogar mehr als das Achtfache gegenüber den Kontrollen. Die erhöhte Erkrankungsrate war für alle Altersgruppen hochsignifikant (p < 0,01 bzw. p < 0,001). Die durchschnittliche jährliche Neuerkrankungsrate einer Krebserkrankung betrug in der exponierten Gruppe 119 pro 100.000 und in der nichtexponierten Gruppe 58 pro 100.000. Die entsprechenden Neuerkrankungsraten von Leukämien und Lymphomen lagen bei 43 für exponierte Soldaten gegenüber 6,8 bei nichtexponierten (siehe Tabelle). Insgesamt traten in der exponierten Gruppe 25 und in der großen Kontrollgruppe 133 Leukämien und Lymphome auf.

Auch die Raten für Gehirntumoren und bösartigen Erkrankungen der Speiseröhre und des Dick- und Enddarms waren in der strahlenexponierten Gruppe erhöht.

Eine Bestätigung der Ergebnisse bedarf nach Ansicht von Szmigielsky einer größeren Gruppe exponierten Personals. Dies sei nur möglich in Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Es bestehe in diese Richtung dringender Forschungsbedarf, zumal sich die Expositionen in Größenordnungen bewegten, Krebsinzidenz1) für alle Krebsarten von polnischem Militärpersonal in Abhängigkeit von Exposition/Nicht-Exposition gegenüber Hochfrequenzbelastung (1971-1985)

Altersgruppe
in Jahren

Exponierte

Kontrollen

OR2)

KI3)

20-29

27

12

2,3*

1,2-3,1

30-39

42

18

2,3*

1,0-3,1

40-49

162

84

1,9*

1,0-2,8

50-59

274

187

1,5

0,9-2,1

Gesamt

119

58

2,1*

1,1-3,6


Krebsinzidenz1) für alle Leukämien und Lymphome von polnischem Militärpersonal in Abhängigkeit von Exposition/Nicht-Exposition gegenüber Hochfrequenzbelastung (1971-1985)

Altersgruppe
in Jahren

Exponierte

Kontrollen

OR2)

KI3)

20-29

17

2,1

8,2§

3,1-22,6

30-39

26

3,1

8,6§

3,5-19,6

40-49

73

8,3

8,8§

4,1-15,3

50-59

109

24,3

4,5§

2,6-6,8

Gesamt

43

6,8

6,3§

3,1-14,3

1) jährliche Neuerkrankungsrate pro 100.000 Fälle
2) nachträglich geschätztes relative Risiko, Odds Ratio
2) 95%-Konfidenzintervall
* Irrtumswahrscheinlichkeit p < 0,05
§ Irrtumswahrscheinlichkeit p < 0,01
$ Irrtumswahrscheinlichkeit p < 0,001
die bisher allgemein als gesundheitlich unbedenklich angesehen werden.

Informationen über das Expositionsausmaß wurden für die Studie von militärischen Sicherheitsgruppen gesammelt, die HF- und Mikrowellenintensitäten an Stellen gemessen hatten, wo entsprechende Geräte benutzt, repariert oder gewartet wurden. Die meisten Quellen emittierten gepulste Strahlung in einer Frequenz zwischen 150 und 3.500 MHz. Die Messungen ergaben, daß 80-85% der Expositionen 0,2 mW/cm2 nicht überschritten, die übrigen sich zwischen 0,2 und 0,6 mW/cm2 bewegten und nur wenige über 0,6 mW/cm2 lagen. Der Autor betonte, daß die Expositionen gleichmäßiger waren, als in typischen Elektroberufen. Zum Vergleich: Die internationalen Grenzwertempfehlungen (IRPA 1988) liegen für die Allgemeinbevölkerung zwischen 0,2 (30-300 MHz) und 1 mW/cm2 (2-300 GHz) und für die berufliche Exposition zwischen 1 (30-300 MHz) und 5 mW/cm2 (2-300 GHz).

Szmigielskis Studie wird nach Auskunft des Herausgebers vermutlich Anfang 1996 in einer Sonderausgabe von "Science of the Total Environment" mit Berichten von der Konferenz "The Effect of RF Electromagnetic Radiation on Organisms" (Die Wirkung von HF-Strahlung auf den Organismus), Juni 1994 in Skrunda, Lettland erscheinen.

Quelle: RF/MW-exposed soldiers have more leukemia and lymphoma. Microwave News, 15 (3), S.1, 14 (1995). [Zitierweise dieses Artikels: Erhöhte Leukämierate bei HF-exponierten Soldaten. Elektrosmog-Report 1 (5), S. 7-8 (1995).]

 

 



Erhöhte Leukämierate bei HF-exponierten Soldaten