Es ist bekannt, daß beim Betrieb elektrischer Eisenbahnen beträchtliche Magnetfelder mit einer Frequenz von 16 2/3 Hz entstehen, die sowohl auf die Fahrgäste als auch auf benachbarte Wohn- und Bürohäuser einwirken. Die im Fahrgastraum auftretenden Felder sind abhängig vom Abstand zur Oberleitung und von dem Strom, der durch die Oberleitung fließt. Seine Stärke ändert sich ständig in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des Zuges (vgl. Tabelle), von Beschleunigung bzw. Bremsung sowie der Fahrtneigung (flache Strecke oder Bergfahrt). Durch Berg- bzw. Talfahrt können die angegebenen Werte um 20 bis 30% schwanken. Während Beschleunigungsphasen nehmen die magnetischen Wechselfelder Werte von 14 bis 16 T (Mikrotesla) an, als Spitzenwert wurden 22 T gemessen. Tabelle: Magnetische 16 2/3-Wechselfelder im IC der Deutschen Bahn AG in Abhängigkeit von der Zuggeschwindigkeit
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Fahrtgeschwindigkeit |
Magnetfeldstärke |
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50 |
2,5 |
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90 |
3,0 |
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150 |
4,0 |
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180 |
5,0 |
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200 |
6,0 |
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210 |
7,0 |
(Meßort: Speisewagen in Tischhöhe, ca. 80 cm über dem Wagonboden; Uhrzeit: 9:00; Strecke: Hannover -> Bielefeld; Meßgerät: Testatronics M 16-3D (Firma Merkel); die Messungen wurden durchgeführt von Werner Schaper, Elektrosmogberater aus Hamburg) Ähnliche Felder treten auch außerhalb der Züge auf. Maximalwerte von 80 bis 100 µT finden sich unmittelbar über den Schienen (Meßebene 1 m über dem Schienenstrang). Die Felder fallen mit zunehmendem Abstand etwa quadratisch ab. In einem Abstand von 20 m von der Schienenmitte findet man so noch Magnetfeldstärken von ca. 5 bis 6 µT und in einem Abstand von 30 m noch von ca. 3 bis 4 µT (jeweils bezogen auf einen typischen Bezugsstrom von 1.000 bis 1.200 A). Die genannten Bahnmagnetfelder machen sich häufig in naheliegenden Büros durch ein Flackern der Bildschirme bemerkbar. Hier hilft nur eine Magnetfeldabschirmung (Mu-Metall) für jeden einzelnen Monitor. Solche Abschirmungen werden z. B. von der Hanauer Vakuumschmelze angeboten und kosten etwa denselben Betrag wie der Bildschirm selbst. Die gesundheitlichen Auswirkungen der genannten Felder sind schwer abzuschätzen. Ein Vergleich mit üblichen 50-Hz-Magnetfeldern ist nicht ohne weiteres möglich. Geht man davon aus - was durchaus nicht unumstritten ist -, daß die Induktionswirkung der Felder für eventuelle biologische Effekte entscheidend ist, so sind 16 2/3-Hz-Felder um den Faktor 3 unwirksamer als 50-Hz-Felder.
Aber auch dann sind die von der Bahn emittierten Felder im Vergleich mit sonst im Alltag vorkommenden Magnetfeldbelastungen relativ hoch. Mögliche technische Minimierungen der magnetischen Feldstärken wurden von der Deutschen Bahn AG bislang wenig genutzt (z. B. feldminimierende Geometrie der Oberleitungen).
Krebshäufigkeit bei Eisenbahnern
Eisenbahner sind einer erhöhten Belastung durch Magnetfelder ausgesetzt. In einer schwedischen Studie fand sich bei Schaffnern und Lokomotivführern eine Verdoppelung der Rate lymphatischer Leukämien. Für alle Tumoren zusammen genommen lag die Krebsrate bei diesen beiden Berufsgruppen etwa so hoch wie in der schwedischen Allgemeinbevölkerung. Eine jüngst veröffentlichte Studie von Lars Alfredsson und Mitarbeitern untersuchte die Krebshäufigkeit bei 2.272 Schaffnern und 7.466 Lokomotivführern zwischen 1976 und 1990. Dabei fand sich ein Hinweis auf einem Zusammenhang zwischen der magnetischen Belastung und der Leukämierarte. Die Studie baut auf der Untersuchung von Birgitta Floderus auf, die 1993 veröffentlicht worden war. Bei alleiniger Betrachtung der 20 bis 64jährigen fand sich für beide Berufsgruppen zusammen ein relatives Risikos für lymphatische Leukämien von 2,3 (KI: 1,3-3,2). Überraschenderweise war die Lungenkrebsrate leicht erniedrigt mit einem relativen Risiko von 0,6 (KI: 0,4-0,9). Die Untersucher weisen daraufhin, daß insgesamt 14 Leukämien festgestellt wurden, so daß durch die elektromagnetische Belastung in der untersuchten Gruppe insgesamt nur wenige zusätzliche Leukämiefälle aufgetreten waren - dies bei einem großen Kollektiv über einen Beobachtungszeitraum von 14 Jahren. Auf der 18. Tagung der BEMS in Kanada hatte Ingrid Nordenson vom nationalen Institut für das Arbeitsleben in Schweden Untersuchungen vorgestellt, nach denen es zu einer leicht vermehrten Zahl von Chromosomenbrüchen bei Eisenbahnern kommt. Quellen:
1. Alfredsson, L., et al.: Cancer incidence among male railway engine-drivers and conductors in
2. New support for railway exposure-leukemia link. Microwave News 16(4), S. 5 (1996).