Hochfrequenzstrahlung des Alltags ist weniger kritisch durch ihre Quantität, die hochfrequente Feldstärke (Leistungsflußdichte), sondern durch ihre Qualität, z.B. durch die niederfrequente gepulst Modulation.
Umfassende Information zu Mobilfunk-Sendeanlagen finden Sie unter Mobilfunk.
Übersicht über den gesamten Hochfrequenzbereich bis zu 3,5 Gigahertz
| frequenzmodulierte Sender (FM): | Langwellen-Tonrundfunk (148,5 - 255 kHz Mittelwellen-Tonrundfunk (526 kHz - 1,6 MHz Amateurfunk (ab 1,8 MHz UKW-Tonrundfunk (87,5 - 108 MHz BOS-Dienste (Behörden,Organisation- und Sicherungsaufgaben,z.B. Katastrophenschutz) Funkrufdienste |
| amplitudenmodulierte Sender (AM): | Bildsteuersignale Fernsehen (174 - 223 MHz und 470 - 790 MHz Kurzwellen-Tonrundfunksender (3,9 MHz - 26,1 MHz) |
| periodisch gepulste Sender (PM): |
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Nahbereichs- und Rundsichtradare (2.700 - 3.400 MHz, gepulst mit ca. 600 - 1200 Hz)
|
Frequenz: 3 Hz - 30 Hz 30 Hz - 300 Hz 300 Hz - 3 kHz 3 kHz - 30 kHz 30 kHz - 300 kHz 300 kHz - 3 MHz 3 MHz - 30 MHz 30 MHz - 300 MHz 300 MHz - 3 GHz 3 GHz - 30 GHz 30 GHz - 300 GHz |
Wellenlänge: 100.000 km - 10.000 km 10.000 km - 1.000 km 1.000 km - 100 km 100 km - 10 km 10 km - 1 km 1 km - 100 m 100 m - 10 m 10 m - 1 m 1 m - 10 cm 10 cm - 1 cm 1 cm - 1 mm |
Band: ULF ELF VF VLF LF MF HF VHF UHF SHF EHF |
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Leukämie in der Umgebung von Fernsehsendern
Zu Anfang der 90er Jahre fiel einem niedergelassenen Arzt bei Birmingham in England eine Häufung von Leukämiefällen in der Umgebung eines Fernseh- und Radiosenders auf. Eine daraufhin durchgeführte Untersuchung bestätigte die Existenz einer Verdopplung des Leukämie-Risikos. Die Studie wurde zunächst unter Verschluß gehalten und erst jetzt veröffentlicht, nachdem eine Folgestudie an verschiedenen Standorten von 20 weiteren Sendern abgeschlossen war. Diese hatte keine bzw. nur eine sehr geringe Erhöhung der Krebsraten nachgewiesen. Eine australische Studie, die ebenfalls eine um das Zweifache erhöhte Leukämierate in der Umgebung von Fernsehsendern in der Nähe der Stadt Sydney nachwies, wurde jetzt ebenfalls in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert. Bisher liegen erst wenige epidemiologische Studien vor, die einen Zusammenhang zwischen Hochfrequenzstrahlung und Krebs untersuchten. Im allgemeinen fand sich kein oder nur ein unsicherer Zusammenhang. Allerdings existieren auch Untersuchungen mit erhöhten Krebsraten. So fanden William Morton und David Philipps von der Universität in Oregon im Jahre 1982 eine erhöhte Leukämie- und Brustkrebsrate in der Nähe eines Fernsehsenders in Portland. In einer Studie aus Hawaii aus dem Jahre 1986 war die Gesamtkrebsrate signifikant um 36% erhöht und die Leukämierate nicht signifikant um 56%. In einer 1996 veröffentlichten polnischen Studie war eine um den Faktor 2 erhöhte Krebsrate bei hochfrequenzexponierten Soldaten aufgefallen. Die Leukämieraten waren sogar um das Sechsfache erhöht (vgl. Elektrosmog-Report 1 (5), S. 7-8, 1995).
Die Birmingham-Studie
Die englische Tageszeitung The Guardian berichtete am 30. März 1992 über eine Beobachtung von Mark Payne aus Solihull in der Nähe von Birmingham. Ihm war eine erhöhte Rate von Leukämien und Lymphomen bei solchen Personen aufgefallen, die bis zu 1.500 Meter nah am Sutton-Coldfield-Sender, einem von der BBC (British Broadcasting Corporation) betriebenen Fernseh- und Radiosender, wohnten. Von 2.600 Patienten eines niedergelassenen Arztes litten 7 an einer dieser bösartigen Erkrankungen des blutbildenden System. Die statistisch erwartete Häufigkeit lag dagegen bei weniger als einem Leukämiefall. Die Behörden sahen sich aufgrund des öffentlichen Drucks gezwungen, dieser Frage mit einer wissenschaftlichen Studie nachzugehen.
Methode
Die beauftragten Wissenschaftler schlossen in ihre Studie alle Personen ein, die innerhalb eines Radius von 10 km um den Sender lebten. In diesem Gebiet wohnten etwa 408.000 Menschen. Um der Frage nachgehen zu können, ob die Krebsrate eventuell mit der Entfernung vom Sender abnimmt, wurden zudem weitere 9 engere Kreise innerhalb des 10-km-Kreises gezogen. Die erwarteten Krebsraten wurden berechnet auf der Basis der nationalen Krebshäufigkeiten, die nach Alter, Geschlecht und sozioökonomischen Faktoren stratifiziert wurden. Es wurde das Verhältnis der beobachteten zu den erwarteten Fälle für die Entfernungen 0-2 km und 0-10 km berechnet sowie eine Maßzahl für die Abnahme der Krebshäufigkeiten mit der Zunahme der Entfernung.
Ergebnisse
In einer Entfernung von 0-10 km fand sich eine signifikante Zunahme aller Krebsarten um 3%, in einer Entfernung von 0-2 km eine signifikante Zunahme um 9%. Die entsprechenden Zunahmen für Leukämien waren 1% (0-10 km) und 83% (0-2 km). Die Abnahme der Leukämieraten mit der Entfernung war hochsignifikant (p = 0,001). Das kumulative Verhältnis von beobachteter zu erwarteter Leukämiehäufigkeit betrug innerhalb eines Radius von 0,5 km um den Fernsehturm 9,09 und nahm dann kontinuierlich mit der Entfernung ab bis zu einer Normalisierung der Krebsraten nach 8 Kilometern (siehe Tabelle). Im engsten Radius (0-0,5 km) betrug die beobachtete Leukämiehäufigkeit also mehr als Neunfache der erwarteten. Die Abnahme der Häufigkeiten mit der Entfernung blieb auch bestehen nach Unterteilung in verschiedene Altersgruppen und nach getrennter Untersuchung für beide Geschlechter. Alte und Junge, Männer und Frauen wiesen eine erhöhte Leukämierate in der Nähe des Senders auf. Auch bei einer getrennten Untersuchung von zwei Zeitperioden, nämlich 1974-1980 und 1981-1986 blieb die Leukämie-Häufung in der Entfernung von 0-2 km und die Abnahme mit der Entfernung bestehen. Das Verhältnis der beobachteten zur erwarteten Leukämiezahl betrug im ersten 6-Jahres-Zeitraum 1,80 und im zweiten Zeitraum 1,85. Tabelle: Entwicklung der Krebsraten in Abhängigkeit von der Entfernung zum Sender.
| Entfernung vom | alle Krebsarten | Leukämien | ||
| Sender (km) | B/E-Verhältnis*) | kumul. B/E-Verhältnis | B/E-Verhältnis*) | kumul. B/E-Verhältnis |
| 0-0,5 | 0,36 | 0,36 | 9,09 | 9,09 |
| 0,5-1,0 | 0,70 | 0,69 | 1,84 | 2,12 |
| 1,0-2,0 | 1,20 | 1,09 | 1,74 | 1,83 |
| 2,0-3,0 | 1,01 | 1,06 | 1,62 | 1,76 |
| 3,0-4,9 | 0,95 | 1,00 | 1,24 | 1,49 |
| 4,9-6,3 | 1,05 | 1,03 | 1,29 | 1,38 |
| 6,3-7,4 | 1,03 | 1,03 | 1,03 | 1,25 |
| 7,4-8,3 | 1,01 | 1,02 | 1,04 | 1,19 |
| 8,3-9,2 | 1,05 | 1,03 | 0,70 | 1,07 |
| 9,2-10 | 1,04 | 1,03 | 0,78 | 1,01 |
Die Häufigkeit von bösartigem Gehirnkrebs war in der Entfernung von 0-2 km nicht signifikant um 31% erhöht, die von Hautkrebs (malignes Melanom) nicht signifikant um 43% und die Häufigkeit von Blasenkrebs signifikant um 52%. Die anderen untersuchten Krebsarten waren unauffällig.
Die Autoren fassen zusammen, daß die Vermutung von Dr. Payne, die Leukämierate in der Umgebung des Sutton-Coldfield-Senders sei statistisch signifikant erhöht, durch die Studie bestätigt wurde. Es könne jedoch dadurch nicht auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Strahlung des Fernsehsenders und den Leukämiefällen geschlossen werden, da es sich nur um eine isolierte Beobachtung handele. Daher wurde eine Folgestudie durchgeführt, bei der die Krebsraten in der Umgebung von 20 weiteren Radio- bzw. Fernsehsendern untersucht wurden.
Die Folgestudie
In der Folgestudie, welche 20 Sender in Schottland, England und Wales berücksichtigte, wurde die gleiche Methodik wie bei der Birmingham-Studie angewendet. Es wurden allerdings nur Leukämien, bösartige Gehirntumoren, Hautkrebs und Blasenkrebs untersucht, also Krebsarten die in der ersten Studie auffällig waren.
Die Untersucher fanden eine signifikant um 3% erhöhte Rate für Leukämien bei Erwachsenen. Dieses gering erhöhte Risiko nahm schwach signifikant mit der Entfernung vom Sender ab (p < 0,05). Blasenkrebs waren in einer Entfernung von 0-10 km von den Sendern signifikant um 9% erhöht, allerdings ohne signifikante Abnahme mit der Entfernung. Für die übrigen Krebsarten, inklusive kindliche Leukämien, fanden sich keine Häufungen bzw. Abnahmen mit der Entfernung. Hautkrebs war in der Nähe der Sender sogar um 10% vermindert.
Die Folgestudie konnte die starke Häufung in Birmingham daher nicht bestätigen. Sie stelle allenfalls eine "schwache Unterstützung" für die Funde in der Umgebung des Sutton-Coldfield-Senders dar.
Die australische Studie
Die australische Studie von Bruce Hocking und Mitarbeitern (Melbourne/Australien), die bereits beim Kongreß zu gesundheitlichen Effekten von EMF (elektromagnetsiche Felder) in Palm Springs im November 1995 vorgestellt worden war - wir berichteten über die wesentlichen Ergebnisse im April 1996 (Elektrosmog-Report 2 (4), S. 7, 1996) -, wurde nun ebenfalls veröffentlicht. Er hatte Krebshäufigkeiten bei Personen, die in der Umgebung von 4 Fernsehsendern auf 3 Sendetürmen bei der Stadt Sydney wohnten, untersucht. In einer Entfernung von 0-4 km war die Rate kindlicher Leukämien um 50% erhöht und die Sterblichkeit an kindlichen Leukämien verdoppelt.
Gesundheitliche Gefahren durch hochfrequente Strahlung?
Wie die zwei britischen Studien und frühere Studien deutlich machen, gibt es immer wieder Hinweise auf gesundheitliche Gefährdungen durch HF-Strahkung. Andere Studien können diesen Verdacht jedoch nicht bestätigen. Auch im deutschsprachigen Raum mehren sich die Stimmen, die vor möglichen gesundheitlichen Gefährdungen durch Hochrequenzsender warnen. Beispiele sind die Untersuchung der Universität Bern über gesundheitliche Auswirkungen des Kurzwellensenders Schwarzenburg (Elektrosmog-Report 2 (4), S. 5-6, 1996), der Verdacht auf eine erhöhte Rate von Gehirntumoren in der Umgebung einer Bundeswehr-Radarstellung bei Vollersrode (Elektrosmog-Report 2 (4), S. 6, 1996) oder Klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen in der näheren Umgebung einer im Landkreis Miesbach/Oberbayern befindlichen Mittel- und Kurzwellensendeanlage (Elektrosmog-Report 3 (2), S. 6-7, 1997). Eine systematische Untersuchung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen von Radarstellungen sowie Radio- und Fernsehsendern im deutschsprachigen Raum erscheint überfällig.
Literatur:
Gesundheitliche Auswirkungen
des Kurzwellensenders Schwarzenburg
Eine aufwendige Untersuchung der Universität Bern konnte in der Umgebung des schweizer Kurzwellensenders Schwarzenburg zwar keine erhöhte Häufigkeit körperlicher Krankheiten nachweisen, wohl aber eine signifikante Zunahme psychovegetativer Beschwerden wie vor allem Schlafstörungen. Zur Überraschung der Wissenschaftlicher konnte die bei diesem Befund naheliegende Melatoninhypothese nicht bestätigt werden.
Der Kurzwellensender Schwarzenburg nahm im Jahr 1939 seinen Betrieb auf. Seine sternförmige Hauptantenne stammt aus dem Jahr 1954. In der Regel sind maximal drei 6,1- bis 21,8-MHz-Antennen gleichzeitig in Betrieb. Die Sendeleistung beträgt je 150 kW. Im Jahr 1971 wurde im Süden des Senders zusätzlich eine 250-kW-Antenne in Betrieb genommen, die allerdings nur als gelegentlicher Ersatz für den Sender in Sottens eingesetzt wird. Seit den siebziger Jahren sind aus der Bevölkerung im Umkreis des Senders Klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen laut geworden, die auf den Sender zurückgeführt wurden. Am 2. März 1990 brachte eine Anwohnergruppe eine Petition ein, in der die wissenschaftliche Abklärung der Frage gesundheitlicher Schäden durch den Sender verlangt wurde. Im April 1991 nahm eine vom Bundesamt für Energiewirtschaft bestellte, vorwiegend aus Medizinern zusammengesetzte Arbeitsgruppe ihre Arbeit auf.
Methodik
Im Sommer 1992 wurde unter der anwohnenden Bevölkerung, die je nach Exposition in die Gruppen A (hoch), B (mittel) und C (niedrig) eingestuft wurde, eine breitangelegte Gesundheitsbefragung durchgeführt. Um bereits möglichst klar zwischen direkten (biologischen) und indirekten (durch Angst bewirkten oder verstärkten) Auswirkungen unterscheiden zu können, wurden auch Fragen eingeschlossen, die näheren Aufschluß über die sozialen Verhältnisse und die Persönlichkeit der Befragten geben konnten. Ebenfalls 1992 erfolgte eine Tagebucherhebung, in der eine Stichprobe der Bevölkerung in den verschieden exponierten Gebieten während dreimal 10 Tagen genau über ihre Beschwerden und ihr Befinden Buch führten. Während der Zeit dieser Erhebung wurden in zufälliger Reihenfolge die Senderichtungen für die verschiedenen Programme geändert, so daß die elektromagnetische Exposition der Bevölkerung anders als gewohnt ausfiel. Bei Versuchen im Jahr 1993 wurde der Sendebetrieb sogar für vier Tage komplett eingestellt.
Zunahme von Schlafstörungen
Aufgrund der Analyse der Gesundheitsbefragung zeigte sich sehr bald, daß mit zunehmender Nähe zum Sender und mit zunehmender gemessener magnetischer Feldstärke ein größerer Anteil der Bevölkerung über veschiedene Beschwerden berichtete. Bei den über 45jährigen zeigte sich dieser Unterschied deutlicher als bei den Jüngeren. Am deutlichsten und konstantesten war dies bei den Schlafstörungen zu beobachten, wobei sich Einschlaf- und Durchschlafstörungen gleich verhielten. Neben den Schlafstörungen zeigten auch Symptome wie Nervosität, allgemeine Schwäche und Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Medizin gemeinsam als "psychovegetative Störungen" bezeichnet werden, dasselbe Muster. Die Schlafstörungen sind insbesondere auch unter Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren signifikant mit den gemessenen Feldstärken korreliert, während die anderen Beschwerden nur indirekt über die Schlafstörungen in Beziehung zum Sender stehen. Ein interessanter Zusatzbefund war, daß die Bewohner der exponierten Zonen ihre Freizeit signifikant häufiger außerhalb ihrer eigenen Wohnzone verbringen als die nichtexponierte Bevölkerung. Die Befunde wurden auch durch die Tagebucherhebung bei gleichzeitiger Änderung der Senderichtungen bzw. Abschalten des Senders erhärtet. Es zeigte sich wiederum, daß Schlafstörungen mit zunehmender magnetischer Feldstärke statistisch signifikant häufiger auftraten, wenn durch Änderung der Senderichtung die Exposition verändert wurde. Es zeigte sich ferner, daß mit einer Verzögerung von einem Tag das Abstellen des Senders von einer Verbesserung der im Tagebuch angegebenen Schlafqualität gefolgt war, die knapp statistische Signifikanz erreichte. Eine erhöhte Häufigkeit körperlicher bzw. chronischer Krankheiten wie Krebs oder Zuckerkrankheit wurde im engerem Umkreis des Senders nicht gefunden, wobei jedoch die Bevölkerungszahl für einen wissenschaftlichen Nachweis zu klein war.
Melatoninhypothese
Die aufgrund anderer Arbeiten naheliegende Hypothese, daß die Störung des Schlafes durch eine Beeinflussung des Melatoninhaushaltes verursacht würde (Elektrosmog-Report 2(2), S. 5-7 (1996)), konnte nicht bestätigt werden. Es zeigte sich, daß der Melatoninspiegel von der magnetischen Feldstärke der vom Kurzwellensender stammenden Felder unabhängig war, und daß die Einstellung des Senderbetriebs nicht mit einer Änderung des gemessenen Melatoninspiegels verbunden war. Auch in einer parallel laufenden Studie an zehn Kühen in zwei leicht unterschiedlich exponierten Ställen, bei der der Melatoningehalt anhand von alle zwei Stunden entnommenen Speichelproben bestimmt wurde, fand sich keine signifikante Änderung im Melatoninspiegel. Die graphische Darstellung der Zeitverläufe des Melatonins ließen zwar einen Effekt des Senders vermuten, indem das Abstellen des Senders von höheren nächtlichen Maximalwerten des Melatonins im Speichel gefolgt war. Die beobachteten Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Als Problem erwies sich vor allem die kleine Anzahl der Tiere.
Fazit
Die Studie weist nach, daß der Kurzwellensender Schwarzenburg die Schlafqualität der am stärksten exponierten Personengruppe beeinträchtigt, höchstwahrscheinlich in direkter Weise. Dies ist als eine erhebliche Störung des Wohlbefindens zu werten und kann diverse psychovegetative Folgestörungen nach sich ziehen. Die derzeit international empfohlenen Immissionsgrenzwerte wurden an keinem der zahlreichen Meßpunkte und zu keinem Zeitpunkt überschritten. Die Autoren regen an, daß die zuständigen Gremien angesichts der Befunde ihre Grenzwertempfehlungen überprüfen sollten. Weitere Untersuchungen seien angebracht, sowohl wissenschaftliche Grundlagenforschung als auch weitere epidemiologische Studien. Wegen der benötigten Bevölkerungsgrößen seien vor allem internationale Verbundstudien sinnvoll. Die Autoren betonen, daß von Schlafstörungen betroffene Anwohner im engsten Umkreis des Senders in Einzelfällen einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Sender rechtlich geltend machen könnten. Die von kritischen Wissenschaftlern seit Jahren aus Vorsorgegründen geforderte Verringerung der HF-Expositionen - z. B. auf ein Zehntel der international empfohlenen Grenzwerte - wird durch die Ergebnisse wissenschaftlich gestützt. Bei bestehenden Anlagen sollten alle technisch und betrieblich möglichen und wirtschaftlich tragbaren Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Verringerung der Exposition beitragen. [Zitierweise dieses Artikels: Gesundheitliche Auswirkungen des Kuzwellensenders Schwarzenburg Elektrosmog-Report 2 (4), S. 5-6 (1996)]
Quelle
Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität zu Bern unter Mitarbeit weiterer Institutionen: Gesundheitliche Auswirkungen des Kurzwellensenders Schwarzenburg. BEW-Schriftenreihe, Studie Nr. 56, Bern 1995. Die Studie wurde erstellt im Auftrag des Bundesamtes für Energiewirtschaft und kann bezogen werden bei der EDMZ, CH-3000 Bern, FAX: 0041-31-3223975.
Sender Schwarzenburg - eine abschließende Betrachtung
Um mögliche Gesundheitsstörungen und -beeinträchtigungen im näheren Umfeld des schweizer Kurzwellensenders Schwarzenburg zu untersuchen, wurde eine Serie von Studien durchgeführt. 1992 und 1996 wurden zwei kontrollierte Interviewstudien sowie 1993 eine experimentelle Studie mit dreitägigem Abstellen des Senders während 10 Tagen mit Messung der Melatoninausscheidung im Urin des Menschen und im Speichel bei Kühen durchgeführt.
Studie von 1992
Das wichtigste Ergebnis der Studie von 1992 war: Die aufwendige Untersuchung der Universität Bern konnte in der Umgebung des Kurzwellensenders Schwarzenburg zwar keine erhöhte Häufigkeit körperlicher Krankheiten nachweisen, wohl aber eine signifikante Zunahme psychovegetativer Beschwerden wie vor allem Schlafstörungen. Neben den Schlafstörungen zeigten auch Symptome wie Nervösität, allgemeine Schwäche und Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Medizin gemeinsam als "psychovegetative Störungen" bezeichnet werden, das gleiche Muster. Im Elektrosmog-Report, September 1998, berichtete Hans-Ulrich Jakob über die erfolgte Abschaltung des Senders sowie die Geschichte vom Widerstand der Bevölkerung und den genannten Untersuchungen. Eine Tabelle über die festgestellte Häufigkeit verschiedener Krankheiten führte zu Nachfragen von Lesern des Elektrosmog-Reports, da die Tabelle eine deutliche Erhöhung des Krebs- und Diabetesrisikos zeigt und dies im Widerspruch zu Aussagen der Autoren der Studie steht. Über die Interpretation der Ergebnisse gibt es darüber hinaus auch immer wieder Diskussionen in der Öffentlichkeit. Wir möchten daher das Thema Schwarzenburg noch einmal aufgreifen. Die von Herrn Jakob gezeigte Tabelle stellt eine von ihm durchgeführte Zusammenfassung der wichtigsten Tabelle aus der Orginalstudie dar, eine Zusammenfasung, die methodisch fragwürdig ist. Im Folgenden zeigen wir die Originaltabelle und zitieren die Schlußfolgerung der Autoren. Im Anschluß daran folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der 96er Studie, die die Befunde der ersten Studie weitgehend reproduzieren konnte. Tabelle: Erkrankungshäufigkeiten in verschiedenen Entfernungen vom Sender
| Chronische Erkrankung | Zone A | Zone B | Zone C |
| Diabetes mellitus, Erwachsenenform | 5 | 5 | 5 |
| Diabetes mellitus, juvenile Form | 1 | 1 | 0 |
| Glaukom | 1 | 1 | 2 |
| Katarakt | 1 | 6 | 5 |
| Brustkrebs (Frauen) | 1 | 1 | 1 |
| Gebärmutterkrebs | 1 | 1 | 1 |
| Hodenkrebs | 2 | 0 | 0 |
| Blasenkrebs | 0 | 0 | 1 |
| Affektive Psychose | 4 | 5 | 2 |
| Andere nichtorganische Psychosen | 2 | 1 | 1 |
| Nervosität | 1 | 0 | 0 |
| Senile und präsenile organische Psychose | 0 | 1 | 0 |
Kurzwellensender Schwarzenburg abgeschaltet
Am 29. März 1998 wurde der Kurzwellensender Schwarzenburg vom Schweizer-Radio-International endgültig abgeschaltet. Er ist damit weltweit der erste Rundfunksender, der auf Druck der Anwohner geschlossen wurde. Die Abbrucharbeiten haben Anfang Mai begonnen und sollen bis zum Spätherbst 1998 abgeschlossen sein.
Der Kurzwellensender Schwarzenburg lag auf einem etwa 1,5 Quadratkilometer grossen Hochplateau auf 800 m über dem Meeresspiegel und war auf drei Seiten von einer voralpinen Hügellandschaft umschlossen. Die Hügelzone erreichte in 8 km Distanz Höhen bis zu 1.600 m über dem Meeresspiegel.
Die Sendungen waren vorwiegend für Überseegebiete bestimmt. Die elektromagnetische Strahlung wurde in stark gebündelter Form über diverse Richtantennen zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in fünf verschiedene Hauptrichtungen (Fernost, Nahost, Afrika, Südamerika und Nordamerika) abgestrahlt. Die Richtantennen bestanden aus drei bis zu 120 m hohen und bis zu 350 m langen "Zäunen". Die Sendeleistungen ohne Antennengewinn lagen, je nach Anzahl der benutzten Sender, zwischen 150 und 550 kW pro Richtung. Gesendet wurde rund um die Uhr. Die Sendezeiten betrugen zwischen 1,5 und 12 Stunden pro Tag und pro Richtung.
Kurzwellenstrahlung benutzt die äußerst verlustreiche Ionosphären-Reflektion. Die Ionosphäre ist eine elektrisch leitende Schicht in 250 bis 400 km Erdentfernung. Das Strahlenbündel wird ähnlich dem Scheinwerferlicht möglichst waagerecht abgestrahlt. Es folgt nicht der Erdkrümmung, wird dann von der Ionosphäre auf die Erde zurückgeworfen und von der Erde wieder an die Ionosphäre usw. So werden in mehreren "Hüpfern" 3.000 bis 6.000 km entfernte Kontinente erreicht. Damit in den Empfängerländern überhaupt noch ein Bruchteil eines Bruchteils ankommt, muß die Kurzwellenstrahlung in einer Intensität abgestrahlt werden, die man sonst in der Telekommunikation nicht antrifft.
Der in Schwarzenburg praktizierte Steigwinkel der Strahlenbündel lag zwischen 6 und 17 Grad und reichte bei Weitem nicht aus, um die umgebende Landschaft zu übersteigen. Etwa 40% der abgegebenen Leistung wurde in der bergigen Landschaft absorbiert.
Die so bestrahlte Bevölkerung klagte seit Jahrzehnten über massive Gesundheitsbeschwerden, und der Wald weist dort, wo die Strahlenbündel auf das ansteigende Gelände aufprallten, mehrere Hektar große Löcher auf. Bis Ende der 80er Jahre wurden im Schwarzenburgerland Berichte über Gesundheitsschäden infolge EM-Bestrahlung als sowjetische Propaganda abgetan. Mahner und Forscher wurden vom Schweizer Staatsschutz als Sowjetagenten verfolgt und so bei der Bevölkerung in Mißkredit gebracht. Anfang der 90er Jahre flog der Skandal auf und die Bundesregierung verbot den Staatsschützern ausdrücklich jegliche Aktivitäten im Umwelschutzsektor.
Sodann verlangten die Senderanwohner in einer Petition an die Regierung eine wissenschaftliche Untersuchung, welche in der Folge dann auch bewilligt wurde. Der zuständige Bundesminister Ogi war allerdings überzeugt, daß es keinen Zusammenhang zwischen dem Sender und den Gesundheitsbeschwerden gebe. Es dauerte fünf Jahre, bis die Untersuchungsergebnisse im August 1995 vorlagen.
Untersucht wurden ca. 200 Personen in den bestrahlten Gebieten (Zone A und Zone B) und ca. 200 Personen in der unbestrahlten Zone C. Schwerpunkt der Studie waren psychovegetative Störungen. Lebenserwartung und Todesursachen waren nicht Gegenstand der Untersuchung. Die Ergebnisse der Studie wurden ausführlich im Elektrosmog-Report, April 1996, vorgestellt.
Tabelle:
Verhältnis der Gesundheitsbeschwerden
in Zone A und B zu Zone C (vgl. Text)
| Symptom | Verhältnis |
| Schwere Schlafstörungen | 5:1 |
| Depressionen | 4:1 |
| Krebs (alle Arten zusammengefasst) | 3:1 |
| Diabetes | 2:1 |
Höhere Leukämieraten in der Umgebung
australischer Fernsehsender
Nach einer Pilotstudie von Dr. Bruce Hocking und Mitarbeitern (Melbourne/Australien) wiesen Kinder, die in der Nähe von Fernsehsendern lebten, signifikant erhöhte Leukämieraten auf.
Zwischen 1972 und 1990 war das Leukämierisiko für Kinder, die in der Nähe von drei Sendetürmen im Norden Sydneys lebten, in denen vier Fernseh- und ein Radiosender untergebracht sind, um das Zweifache im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die mehr als 12 Kilometer entfernt lebte, erhöht. Meistens handelte es sich um lymphatische Leukämien. Für Erwachsene war das Risiko geringer erhöht, jedoch immer noch statistisch signifikant. Es fand sich keine Erhöhung der Gehirntumor-Erkrankungsrate.
Nach den Berechnungen von Hocking und Mitarbeitern lag die Hochfrequenz-Leistungsflußdichte in unmittelbarer Nähe der Sendetürme bei 0,08 mW/cm2 und sank auf 0,02 mW/cm2 in einer Entfernung von 4 Kilometern. In den Gemeinden der Kontrollgruppe lag die HF-Leistungsflußdichte bei etwa 0,002 mW/cm2. Grenzwerte für die Allgemeinbevölkerung liegen in Deutschland zwischen 0,2 mW/cm2 (30-300 MHz) und 1,0 mW/cm2 (3-300 GHz).
Hocking erklärte gegenüber Microwave News, daß es sich um vorläufige Ergebnisse handle, die durch weitere Ergebnisse bestätigt werden müßten. Es "führe zu weit," die Ergebnisse auf den Mobilfunk zu übertragen. Es sei jedoch "vernünftig, daß einige Länder, prospektive epidemiologische Krebsstudien zu möglichen Effekten von Mobiltelefonen starten - sowohl für Basisstationen als auch für Handies -, damit in 10 Jahren einige Antworten vorliegen."
Die Ergebnisse wurden auf dem Kongreß zu gesundheitlichen Effekten von EMF in Palm Springs im November 1995 präsentiert und seien zur Veröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift eingereicht.
Quelle:
Microwave News 15(6), S. 1, 16 (1995).
Belastung durch elektromagnetische Felder
in der Umgebung einer leistungsstarken Mittel- und
Kurzwellensendeanlage in Oberbayern
In den letzten Jahren nahmen in der näheren Umgebung einer im Landkreis Miesbach (Oberbayern) befindlichen Mittel- und Kurzwellensendeanlage die Klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Bevölkerung zu. Eine daraufhin in Auftrag gegebene ausführliche Expositionsanalyse bestätigte zum einen die Überschreitung geltender Herzschrittmachergrenzwerte. Zum anderen muß, in Anlehnung an bereits vorhandene Untersuchungsergebnisse aus vergleichbaren Senderstandorten (Sender Schwarzenburg, Schweiz), eine Bevölkerungsgruppe von ca. 20.000 Personen als überdurchschnittlich exponiert bezeichnet werden.
Als Folge dieser Untersuchungsergebnisse beabsichtigen die umliegenden Gemeinden eine Eingabe an den Umweltausschuß des Bayerischen Landtages.
Seit Anfang der fünfziger Jahre befindet sich ca. zwei Kilometer östlich der Marktgemeinde Holzkirchen, Landkreis Miesbach (Oberbayern), eine leistungsstarke Mittel- und Kurzwellensendeanlage eines US-amerikanischen Betreibers (ehemals "Radio Free Europe").
Mit einer Bestückung von 4 mal 250 kW bei der Kurzwelle und 150 kW bei der Mittelwelle gehört diese Anlage zu den leistungsstärksten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Die Antennen strahlen, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, häufig mehrere Programme gleichzeitig in Richtung Ost- und Südosteuropa ab.
Nachdem seit einigen Jahren die Vermutungen gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Abstrahlungen des Senders in den umliegenden Gemeinden immer lauter ausgesprochen wurden, führte das Bundesamt für Post und Telekommunikation (BAPT), Außenstelle Rosenheim, im Sommer 1995 ausführliche Messungen zur Überprüfung der Einhaltung der derzeit geltenden Grenzwerte für den Personenschutz durch.
Dabei stellte sich heraus, daß in einigen Wohngebieten die Grenzwerte für die Beeinflussung von Herzschrittmachern (gemäß DIN VDE 0848) deutlich überschritten wurden.
Aufgrund dieser Ergebnisse sahen sich die umliegenden Gemeinden unter Federführung des Marktes Holzkirchen veranlaßt, die Größe der Exposition ihrer Einwohner durch Hochfrequenzfelder ausführlich untersuchen zu lassen. Durchgeführt wurden diese Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität der Bundeswehr München.
Zusätzlich zur Rundfunksendestation befinden sich im Umkreis von ca. 5 km noch acht Mobilfunksendeanlagen und eine Raketenstellung der Bundeswehr mit verschiedenen Radargeräten.
Ergebnisse der Messungen
Die Ergebnisse der Expositionsanalyse wurden im Dezember 1996 in einem ausführlichen Bericht den Gemeinden vorgelegt. Im ersten Teil des Berichtes wurden zunächst die für das Abstrahlverhalten des Rundfunksenders wichtigen technischen Daten ausgewertet, so daß eine rein rechnerische Abschätzung der Feldstärken in der Umgebung möglich wurde. Auch für die in der Region vorhandenen Mobilfunk- und Radaranlagen wurden Feldstärkeberechnungen angestellt.
Als Ergänzung wurden umfangreiche Feldstärkemessungen auf dem Gebiet der betroffenen Gemeinden durchgeführt. Sie lieferten ein aussagekräftiges Bild über die Feldstärkewerte in verschiedenen Richtungen und Abständen zur Sendeanlage. Zusätzlich wurden an einigen Meßpunkten auch die Einstrahlungen von in der Nähe befindlichen Mobilfunksendern vermessen.
Das somit zur Verfügung stehende Datenmaterial diente einerseits zur Überprüfung der Einhaltung geltender Grenzwerte, zum anderen konnten dadurch aktuelle Forschungsergebnisse aus gesundheitlichen Untersuchungen an vergleichbaren Anlagen auf die Umgebung der Holzkirchener Sendestation übertragen werden.
Die Auswertung aller Daten und Meßergebnisse ergab für die Region die folgende Expositionssituation:
In dieser schweizer Studie wurden alle Personen, die im Umkreis von bis zu 1.000 m um die Sendeanlage leben, in die am stärksten exponierte Bevölkerungsguppe ("Gruppe A") eingeordnet. Für diese Gruppe fand die Studie eine signifikante Zunahme sogenannter psychovegetativer Beschwerden (Schlafstörungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Nervosität etc.). Da die Stärke der elektromagnetischen Felder in der Umgebung des Schwarzenburger Senders wegen der speziellen Abstrahlcharakteristik der dortigen Kurzwellenantennen mit wachsender Entfernung sehr schnell abnimmt, war für Entfernungen größer als 1.000 m das übermäßige Auftreten von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur noch schwach ausgeprägt.
In Holzkirchen hingegen werden durch die Bodenwellenabstrahlung der Mittelwellensendeantenne ähnliche Feldstärken wie in der "Zone A" der Schwarzenburgstudie in einem weit größeren Umkreis erzeugt. Die vergleichbare Zone in Holzkirchen besitzt einen Radius von ca. 8 km. In diesem Bereich leben etwa 20.000 Menschen, während die "Zone A" in Schwarzenburg von nur 215 Familien bewohnt wird.
Die große Bevölkerungsdichte in der Umgebung des Holzkirchener Senders bietet somit eine ausreichende Personenzahl für zuverlässige epidemiologische Erhebungen. Auch die Klärung der Frage nach einem gesteigerten Risiko für ernsthafte Erkrankungen, wie z. B. Krebs, erscheint in dieser Region durch die große Zahl der exponierten Personen möglich.
Aus diesem Grund haben die umliegenden Gemeinden beschlossen, über eine Eingabe an den Umweltausschuß des Bayerischen Landtages eine ausführliche Untersuchung der Möglichkeiten einer gesundheitlichen Beeinflussung in der Nähe von leistungsstarken Funksendeanlagen am Beispiel der Sendestation Holzkirchen einzufordern.
Nähere Auskünfte über die Ergebnisse der bisher in der Region Holzkirchen durchgeführten Untersuchungen sind zu erhalten bei der Ingenieurgemeinschaft für Geowissenschaft und Umwelttechnik, Bergstraße 20, 95326 Kulmbach, Tel.: (09221) 83 449.
Matthias Wuschek
Diplom-Ingenieur, Fakultät für Elektrotechnik,
Universität der Bundeswehr München
Das tägliche Leben im Schatten
des Senders IBB bei Holzkirchen/Oberlaindern
Menschen reden
Der Zufall führte uns eines Tages in das Haus der Familie H. Herr H. erzählte uns von gesundheitlichen Beschwerden, für die die Ärzte keinen organischen Befund feststellen konnten. Außerdem berichtete er, wie der Sender sein Telefon und sein Radio störte. Er erwähnte ähnliche Beschwerden bei seinen Nachbarn. Also sprachen wir mit den Nachbarn. Schließlich besuchten wir jedes Haus in dieser Straße.
Wir waren überrascht, wie sich die Beschwerden in den Haushalten in Oberlaindern glichen: Schlafstörungen, Gliederschmerzen, Ohrgeräusche, Nervosität, Muskelzucken, Infektanfälligkeit. In vielen Häusern Krebs. Die Symptome finden sich auch in wissenschaftlichen Studien und Interviews mit Anwohnern anderer starker Radiosender, z.B. in der Schweiz und in Norddeutschland.
Unsere Interviews sind keine wissenschaftliche Studie. Aber sie schildern authentisch den Alltag der Menschen im kleinen oberbayerischen Dorf Oberlaindern. Den Alltag von Menschen neben einem Sender der USA, der sich seit 50 Jahren als "Stimme der Freiheit" versteht.
Sie können jetzt Ausschnitte aus den Gesprächen lesen. Sie können erfahren, was in Oberlaindern geschieht. Vielleicht sind Sie Politiker und können darauf hinwirken, daß die Sendungen künftig nicht mehr in Oberlaindern ausgetrahlt werden. Wir hoffen, daß es Politiker der USA sind, die diese Entscheidung treffen. Es wäre eine Entscheidung aus Respekt vor den Menschen in Oberlaindern.
Die Namen der Befragten sind aus datenschutzrechtlichen Gründen anonymisiert. Die Personen sind der Bürgerinitiative Sender-Freies-Oberland e.V. namentlich bekannt. Alle Interviewtexte und andere Unterlagen der Umfrage wurden mit Unterschrift der Befragten autorisiert. Die Befragten haben einer Verwendung dieser Aussagen vor Gericht zugestimmt.
"Ich bin seit Generationen die einzige in der Familie, die Krebs bekommen hat."
Nachdem wir vor 20 Jahren hergezogen waren, konnten wir zuerst einmal an unseren Geräten feststellen, wie stark der Sender war. Im Telefon war er lauter zu hören als der Sprecher am anderen Ende. Wir hatten ihn im Plattenspieler, in allen Radios, im Spülbecken. Sogar aus den Töpfen, wenn sie auf den Herdplatten standen, konnte man ihn klar und deutlich hören. Das hat uns anfangs noch amüsiert. Heute noch schaltet das Fernsehgerät vormittags von alleine aus. Das erste Mal nach einer halben Stunde, bis es schließlich bereits alle 2 Minuten ausgeht. Abends kommt das nie vor.
Wenn ich meinen Gesundheitszustand hier betrachte, fällt mir sehr viel auf: Mit 48 Jahren, also vor 7 Jahren, bin ich an einem Mammakarzinom operiert worden. Wenn - wie die Ärzte sagen - der Krebs eine Inkubationszeit von 15 Jahren hat, dann ist das auf unseren Herzug zurückzuführen. Ich bin seit Generationen die einzige in der Familie, die Krebs bekommen hat.
Ich bin die geborene Vielschläferin, von daher schlafe ich gerne und auch gerne länger. Aber es geht einfach nicht. In der zweiten Nachthälfte wache ich häufig auf. Und ab fünf Uhr bin ich immer ganz wach. Endgültig. Auch wenn ich noch so spät ins Bett gehe. Träume kommen bei mir überhaupt nicht mehr vor.
Meine ständige Müdigkeit ist extrem. Häufig fühle ich mich morgens todmüde, "erschlagen", habe starke Schwindelgefühle. Dabei habe ich keinen niedrigen Blutdruck. Im Gegenteil. Und trotzdem bin ich dann den ganzen Tag über zu nichts zu gebrauchen.
Besonders schlimm sind meine ständigen Rückenschmerzen und meine hohe Neigung zu Muskelverspannungen. Ich habe häufig solche Muskelblockaden, daß ich regelrechte Taubheitsgefühle in den Armen oder Beinen bekomme. Wenn ich mich woanders aufhalte, im Urlaub zum Beispiel, habe ich das nicht. Das kommt immer nur hier vor.
Vor ungefähr drei Jahren hatte ich eine schlimme Herzattacke. Ich hatte starke Stiche und Schmerzen. Herzschmerzen treten bei mir bis heute immer wieder auf, so daß ich mich aus Angst nur flach zu atmen traue. Am Herzen konnte man medizinisch aber nichts feststellen.
Ich bin sehr infektanfällig. Es ist immer wieder das gleiche Erscheinungsbild: zuerst geht der Infekt über die Nase, hin zu den Bronchien und dann schließlich in die Kieferhöhlen. Alle 6 Wochen habe ich mindestens drei Wochen lang diese Erkältung. Viele Freunde von uns haben mich seit Jahren nicht richtig gesund erlebt.
T.B.
"Zuhause werde ich auf einen Schlag total müde."
Ich schlafe leicht ein, wache aber an vielen Tagen hintereinander um immer die gleiche Zeit auf, mitten in der Nacht! Ich träume nicht. Solange ich in meinem Elternhaus außerhalb von Oberlaindern gewohnt habe, habe ich wie ein Stein geschlafen und auch viel geträumt.
Ich bin jetzt 34 Jahre alt und habe Gelenkrheumatismus. Und trotzdem habe ich häufig das Gefühl, als ob mein Arm bei der Streckbewegung von einer Sehne gesperrt wird. Erst ist es ein stechender Schmerz, dann knackst es und dann geht es wieder.
Oft komme ich voller Tatendrang und absolut fit von der Arbeit nach Hause. Doch sobald ich kurze Zeit daheim bin, muß ich mich erst ausruhen. Mir fällt immer wieder auf, daß ich plötzlich auf einen Schlag total müde werde. Das kenne ich von früher gar nicht.
L.B.
"... ein Viertel Jahr später war er ein kranker Mann."
Ich bin Flieger und muß alle 2 Jahre zur fliegerärztlichen Untersuchung. Ich strotzte immer vor Gesundheit. Das änderte sich schlagartig in Oberlaindern. Da habe ich plötzlich so hoch Zucker bekommen, daß ich nur noch mit Mühe meinen Flugschein behalten konnte. Ich esse nie Süßes, trinke keinen Alkohol und lebe fast nur Diät. Zuckerkrankheit gab es in unserer Familie nie.
Mein Vater war auch immer kerngesund und meine Mutter ebenso. Meine Mutter war äußerst aktiv, schlagfertig und sozial stark engagiert. Sie tat immer etwas. Kaum war sie hier, hatte sie zwei Schlaganfälle hintereinander. Jetzt liegt sie im Pflegeheim.
Mein Vater sagte, wenn ich bei dir bin, sehe ich schlecht. Er ist dann richtig depressiv geworden, wollte nie mehr aus dem Haus. Dabei war es vorher sein höchstes Vergnügen, mit dem Auto wegzufahren. Kerngesund kam er zu mir, ein Viertel Jahr später war er ein kranker Mann. Hatte permanent Kopfweh und klagte immer über Pfeifen im Ohr. Darüber klagte er im Heim dann nicht mehr. Dort wurde er wieder richtig glücklich.
Ich habe das Ohrpfeifen auch. Wenn ich in dem Badezimmer bin, das zum Sender hin liegt, tritt es mit einem Schlag auf und bleibt. Wenn ich weg bin, und ich bin viel auf Reisen, habe ich das überhaupt nie. Auch bin ich dann viel aktiver als hier, fühle mich früh morgens fit und voller Elan. Das kommt hier nie vor.
Leute, die mich gut kennen und hier besuchen, fragen, was ist eigentlich mit dir hier los, du bist so hektisch und nervös. Ich glaube, das kann man auch gut an meiner Aussprache feststellen. Sie ist hier stark verändert. Hier spreche ich sehr hasplig; das passiert mir woanders nie.
I.F.
"Ich höre den Sender laut und deutlich - aber keine Musik..."
Anfangs, vor 9 1/2 Jahren, habe ich mir überhaupt keine Gedanken über den Sender gemacht. Aber die vielen Störungen im Telefon und an anderen Geräten machten mich dann doch stutzig. Warum soll der Sender nicht auch meine Gesundheit beeinflußen, wenn er es schon mit den Geräten macht? Wenn ich die Hand über meinen CD-Player halte, so im Abstand von 5 cm, hört die Musik auf zu spielen. Das ist fast magisch. Ich habe jetzt schon das dritte Gerät innerhalb eines Jahres. Wenn die Lautsprecher daran angeschlossen sind, ist das die reinste Hölle. Ich höre den Sender laut und deutlich - aber keine Musik...
Seit ich hier wohne, kann ich nur sehr schlecht schlafen. Ich schlafe erst so spät ein, daß ich in der Früh gar nicht ausgeschlafen sein kann. Außerdem habe ich hier viel Probleme mit meinem Darm. Vor Weihnachten hatte ich starke Schmerzen. Als ich ein paar Tage weg war, verschwanden sie. Zuhause waren sie auf einen Schlag wieder da. Im Moment kann ich es einigermaßen aushalten.
T.S.
"Man kann zusehen, wie die Muskeln hüpfen ..."
Ich schlafe ganz schlecht. Ich kann ewig nicht einschlafen, und werde häufig wach. Am Morgen bin ich äußerst früh auf. Träumen tue ich nur ganz ganz selten.
Ich leide seit einigen Jahren unter einer Muskelkrankheit. Die hat erst hier angefangen. Lange hat man nicht gewußt, was ich habe. Auch unter Rheuma leide ich sehr. Manchmal gehe ich ins Bett und mir fehlt nichts. Und dann passiert es, daß ich mich dann morgens gar nicht rühren kann, vor lauter Schmerzen in Arm oder Bein. Jetzt bin ich bei Cortison gelandet. Das hilft gegen die Schmerzen.
Ich fühle mich häufig matt, manchmal bis zum Mittag. Auch verspüre ich immer eine innerliche Unruhe, so daß ich manchmal auf tausend bin, obwohl ich es gar nicht will. Ich bin eben sehr nervös.
Früher hatte ich nie Kopfschmerzen - seit eineinhalb Jahren leide ich unter akutem Kopfweh.
Und Muskelzucken habe ich sehr schwer. Man kann dabei zusehen, wie die Muskeln "hüpfen".
Wenn eine Grippe rumgeht, erwische ich sie mit Sicherheit sofort. Ich bin hier sehr infektanfällig geworden.
Mit 44 Jahren bin ich an Unterleibskrebs operiert worden.
M.J.
"Reizbarkeit, das kannte ich früher gar nicht."
Als wir 1989 herzogen, bekam mein ältester Sohn Schlafschwierigkeiten. Ganz oft wurde er wach. Einmal wach, konnte er nicht wieder einschlafen. Auch heute noch ist die Nacht für ihn um 5 Uhr zu Ende. Dadurch ist er natürlich hundemüde und hat immer große Konzentrationsprobleme. Auch in der Schule. Er ist ein total unruhiger Typ, ist unheimlich leicht aufbrausend. Die Geschwister sind untereinander sehr streitsüchtig und aggressiv.
In der Frühe habe ich oft das Problem, daß ich unausgeschlafen aufwache, obwohl ich früh zu Bett bin. Ich fühle mich einfach unerholt. Ich wache oft mit Kopfschmerzen auf.
Mein mittlerer Sohn (7) kennt Kopfweh auch schon. So häufig klagt er darüber. Und über Bauchweh. Das dauert sehr lange, bis es wieder vorbei ist. Außerdem kriegen alle unsere Kinder ganz schnell und leicht Bronchialinfekte.
Seit ich hier wohne, bin ich total anfällig gegen Schnupfen und Nebenhöhlenentzündungen.
Reizbarkeit und erhöhte Spannungen, das kannte ich bei mir früher gar nicht. Heute finde ich meine Stimmungsschwankungen hier ziemlich extrem.
T.J.
"Hier bin ich nervös, fühle mich unruhig - körperlich unruhig ."
Ich lebe seit 10 Jahren in Oberlaindern. Hier bin ich nervös, fühle mich unruhig - körperlich unruhig, was ich früher nie hatte. Das fällt auch meinem Mann besonders an mir auf.
Ich bin 34 Jahre alt. Gliederschmerzen habe ich im Arm und in der Schulter. Sie kommen plötzlich, bleiben ein paar Tage und sind dann wieder weg. Wenn ich im Urlaub bin, habe ich keine Gliederschmerzen. Da wache ich morgens auch ganz anders auf. Mein Schlaf ist dann immer erfrischender als hier. Früher träumte ich viel und fand das auch sehr schön. Jetzt passiert das leider nie mehr. Manchmal liege ich morgens im Bett und fühle mich ganz matt und mag gar nicht aufstehen. Ich führe das auf meinen schlechten Schlaf zurück.
Mein mittlerer Sohn (8) schläft zwar durch, aber wahnsinnig unruhig. Er dreht sich ständig im Bett.
Er und auch mein Mann bekommen sehr häufig starke Bronchitis. Mein Mann ist eigentlich immer krank. Ständig holt er sich einen Infekt. Er ist 37 Jahre alt. Ist das normal, daß er so oft mit hohem Fieber und starken Bronchitisanfällen im Bett liegt?
I.S.
"Aus heiterem Himmel zuckt mein Finger hin und her."
Mein Schlaf ist nie erholsam. Ich merke auch, daß ich beim Schlafen sehr angespannt bin, denn häufig habe ich morgens starke Nackenspannungen. Auch muß ich mich morgens oft zu jeder Arbeit zwingen und würde mich am liebsten wieder hinlegen, weil ich mich so matt fühle.
Wenn ich mal in der Nacht träume, was selten genug vorkommt, habe ich Alpträume. Mein Mann muß mich dann immer aufwecken. Meine jüngste Tochter traut sich überhaupt nicht, allein zu schlafen. Sie hat immer Angst, weil sie so schlecht träumt.
Ich lebe seit 18 Jahren hier. Eigentlich bin ich eher ein ruhiger Mensch, gar kein streitsüchtiger Typ. Doch mir fällt auf, daß ich hier viel eher aufbrause als früher.
Bei der Entbindung unseres ersten Kindes, vor 18 Jahren, habe ich zum ersten Mal festgestellt, daß ich hier in Oberlaindern ein anderes Körpergefühl habe als woanders. Hier fühle ich mich immer unwohl. Wenn ich nicht in Oberlaindern bin, geht es mir körperlich rundum gut. Ich kann das an vielen Dingen feststellen. Manchmal zum Beispiel, sozusagen aus heiterem Himmel, zuckt meim Finger hin und her. Das merke ich auch an den Augen, da zuckt es dann im Augenwinkel.
Unter Ohrgeräuschen leide ich auch. Hauptsächlich wenn ich liege. Es ist kein Pfeifen, wie bei meiner ältesten Tochter, sondern so ähnlich wie ein Herzschlag. Das ist meistens am Abend, wenn ich gerade ins Bett gegangen bin.
Meine Tochter hat schon seit Jahren ein hohes Pfeifen im Ohr. Tinnitus. Kein Arzt oder Heilpraktiker konnte ihr helfen. Sie hat sich damit irgendwie arrangieren müssen. Genauso wie mit ihren starken, wirklich sehr schlimmen Migräneanfällen.
L.N.
"Irgendwann habe ich nicht mehr gewußt, was ich machen sollte."
Ich kann einfach vor zwei bis drei Uhr morgens nicht einschlafen. Ich träume wenig und mein Schlaf ist auch nicht sehr erholsam. Das fällt mir schon auf. Ich fühle mich morgens oft niedergeschlagen, wie gerädert. Und muß mich auch erst langsam aufrappeln
Ich war jahrelang an Depressionen erkrankt und da habe ich in der Nacht auch viel geschwitzt. Meine Haare waren morgens immer pitschnaß.
Meine Depressionen habe ich erst hier bekommen. Irgendwann habe ich nicht mehr gewußt, was ich machen sollte. Da habe ich dann 68 Schlaftabletten gesammelt und genommen.
Meinen Fernseher habe ich 1989 abgeschafft. Der hatte immer nur Störungen.
T.D.
"Nur wenn ich in den Bergen oder im Urlaub bin, fehlt mir überhaupt nichts."
Ich habe schlimme Herz-Rhythmus-Störungen. Die habe ich seit Ende der 50er Jahre, da war ich knapp 20 Jahre alt. Die Störungen wurden im Laufe der Jahre dann so stark, daß ich mit dem Arbeiten aufhören mußte. Ich bin hier sehr nervös. Oft werde ich von meiner Frau geschimpft, daß ich so nervös bin.
Es ist schon auffallend, daß ich ein sehr infektanfälliger Mensch geworden bin. Ich kriege schnell Grippe, Auch Rheumaanfälle. Mein Arm tut mir oft so weh, daß ich nichts heben kann. Ich kann ihn dann noch nicht einmal strecken, ohne Schmerzen zu haben. Viele Jahre lang mußte ich Medikamente gegen Asthma einnehmen. Unter meiner Merkschwäche leiden meine Frau und ich wirklich sehr.
Nur wenn ich in den Bergen oder im Urlaub bin, fehlt mir überhaupt nichts.
M.L.
"Aber den Menschen hier kann man keinen Filter einpflanzen."
Von der Hüfte runter habe ich immer Schmerzen. Vor ein paar Jahren habe ich gar nicht gehen können. Es hieß, ich hätte schwere Osteoporose. Doch dann ist das für eine ganze Zeit weggewesen. Seit einem Jahr sind die Schmerzen wieder da. Und sie sind wieder sehr, sehr unangenehm!
Ich habe große Schlafprobleme. Ich kann nie durchschlafen, und mein Schlaf ist auch nur sehr oberflächlich. Deshalb fühle ich mich auch immer so matt.
Nervös bin ich schon sehr. Außerdem fällt mir auf, daß ich oft friere, einfach so, ohne ersichtlichen Grund. Es ist mindestens 22 Grad warm, und trotzdem! Mein Mann sagt immer, bei dir stimmt was nicht. Ich habe Bluthochdruck, wie mein Bruder und meine Mutter auch. Die haben auch hier in Oberlaindern gewohnt. Und beide hat der Schlag getroffen.
Unser Fernseher ginge gar nicht, wenn wir keinen Filter hätten. Aber den Menschen hier kann man keinen Filter einpflanzen ...
C.D.
"Manchmal fühle ich mich wie ein Auto, das mit angezogener Handbremse fährt."
Ich habe zwar keine Schlafprobleme, aber dafür habe ich auch keine Träume. Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Aber manchmal fühle ich mich wie ein Auto, das mit angezogener Handbremse fährt. Es kommt immer häufiger vor, daß ich mich wie "erschlagen" fühle.
Seit 5 Jahren bin ich immer wieder krank. Das äußert sich durch Bronchitis, Fieber und Mattigkeit. Ungefähr so läuft das dann ab: Im Laufe eines Vormittags bekomme ich hohes Fieber, das nimmt bis zum Abend immer mehr zu. Am frühen Morgen ist es dann wieder weg und kommt dann wieder von neuem. Das geht ungefähr über 5 Tage so, dann ist alles wieder vorbei. Der Arzt hat alles untersucht, aber es ist nichts zu finden.
Kürzlich ist mir etwas Seltsames passiert. Ich wollte um ca. 15 Uhr am Bildschirm arbeiten, aber da konnte ich plötzlich nichts mehr sehen! Ich hatte einen eingeschränkten Sehbereich, alles war grau und verschwommen. Die Menschen um mich herum konnte ich nur schemenhaft erkennen. Mir war nicht schwindlig, nicht schlecht und ich hatte keine Kreislaufbeschwerden. Kopfweh hatte ich auch keins. Der Arzt konnte absolut nichts feststellen. So was hatte ich noch nie, deshalb bin ich auch so darüber erschrocken.
I.S.
"Ich bin auf Empfang."
Zeitweise schlafe ich schlecht ein und werde auch häufig in der Nacht wach, ganz plötzlich geschieht das. Oft schwitze ich nachts auch, warum, weiß ich nicht. Ich kann mir auch nicht erklären, warum ich mich morgens ganz matt fühle.
Seit wir wieder hier wohnen geht es mir viel schlechter. Ich hatte im Juni 1998 eine Nierentransplantation. Mit 35 Jahren. Wie es soweit kommen konnte, können die Ärzte auch nicht erklären. Aber ich hatte wohl auch seit einiger Zeit Bluthochdruck. Durch meine Transplantation muß ich Medikamente nehmen. Da muß ich besonders auf Infektionen aufpassen. Ich merke, daß ich sie aber schneller kriege als früher. Meine Infektanfälligkeit ist sehr hoch.
Oft habe ich ein Pfeifen im Ohr, wenn ich im Bett liege. "Ich bin auf Empfang", so kommt mir das dann vor, weil es so ein Geräusch wie beim Radio ist, wenn der Sender nicht richtig eingestellt ist.
L.G.
"Mindestens alle 3 Monate hat er heftigste Magenprobleme."
Mein Mann kann schlecht einschlafen. Er wacht immer wieder und immer früher auf. Auffällig ist, daß er unter starkem Schwitzen in der Nacht leidet. Dann ist sein Schlafanzug so feucht, daß er ihn wechseln muß.
Er hat so oft Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen, die kann man schon gar nicht mehr zählen! Mindestens alle drei Monate hat er heftigste Magenprobleme. Das sind die reinsten Koliken. Er muß brechen und hat große Schmerzen, die gehen nur durch Spritzen wieder weg. Im Krankenhaus war er deshalb schon einige Male. Auch Magenspiegelungen hatte er deshalb. Aber es konnte nicht einmal etwas festgestellt werden. Diese Anfälle dauern ungefähr drei Tage an. Es dauert dann aber mindestens eine Woche, bis er sich einigermaßen wieder erholt hat. Sein Gewichtsverlust ist dann immer sehr groß.
L.G.
"Wir haben das ganze Jahr Weihnachtsdekoration."
Ich wohnte ungefähr sieben Jahre in unmittelbarer Nähe zum Sender. Aus den Zimmern unserer Wohnung schauten wir auf die Sendemasten. Ich mochte die vielen Lichter ganz gern. Wir haben das ganze Jahr Weihnachtsdekoration, sagte ich zu meinen Kindern. Wenn wir aus dem Urlaub nach Hause kamen, begrüßten mich die roten Lampen und ich dachte, jetzt bist du zuhause.
Damals hatte ich ständig Schlafstörungen; ich konnte keine Nacht durchschlafen. Vor allem in den letzten Jahren, ehe wir aus unserer dortigen Dienstwohnung auszogen, war es besonders schlimm und sehr oft hatte ich auch starke Kopfschmerzen. Auf die Idee, daß diese Störungen etwas mit dem Sender zu tun haben, bin ich nicht gekommen, ist ja damals niemand gekommen - weil man darüber nichts wußte. Als wir dann wegzogen, konnte ich mit einem Mal wieder durchschlafen und hatte kein Kopfweh mehr.
R.T.
"Früher hörte man den Sender aus dem Wasserhahn."
Früher hörte man den Sender sogar aus dem Wasserhahn. Jetzt ist gelegentlich mein Telefon gestört. Zeitweise schlafe ich schlecht, schwitze in der Nacht. Mein Mann ist vor ein paar Jahren an Blasenkrebs erkrankt.
LG.
"Seit ich hier wohne, habe ich ständig Kopfweh, teilweise 14 Tage ohne Unterbrechung."
Ich wohne seit 1990 in Oberlaindern. Seither habe ich Kopfschmerzen, die immer schlimmer werden. Teilweise habe ich sie 14 Tage lang, ununterbrochen. Ich habe Schlafprobleme, schwitze in der Nacht. Ehe ich herzog, hatte ich so gut wie nie Kopfweh. Ich bin hier ständig krank. Ich habe so starkes Ohrensausen, daß ich zeitweise nichts höre und bin in Behandlung. Ich bin nervös und habe 100 Puls und Herzflattern. Der Arzt findet keine Ursachen, obwohl schon ein Langzeit-EKG gemacht wurde. Unser Sohn, 3 Jahre, hat Neurodermitis, seit er drei Monate alt ist.
U.C.
"Oft liege ich stundenlang wach."
Häufig schlafe ich schlecht. Ich wache in der Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Ich liege oft stundenlang wach. Hin und wieder habe ich auch Kopfschmerzen.
Bei uns ist das Telefon gestört und der Fernseher. Plötzlich schaltet der Apparat um, die Farbe ist gestört, wir können den russischen Sender im Fernseher hören. Zu unterschiedlichsten Zeiten, auch am Nachmittag. Am Computer habe ich Probleme, z.B. bei der Datenübertragung. In der Sprechanlage unseres Hauses werden die Gäste vom Sender empfangen.
U.S.
"In der Nacht habe ich Ohrgeräusche."
Unser Telefon ist gestört. Das ist eigenartig. Jahrelang war Ruhe, aber seit 6 Monaten schlägt der Sender wieder durch. Es ist der gleiche Apparat. Im Moment ist es ganz massiv. Teilweise schlafe ich schlecht, ich schwitze und habe Ohrgeräusche.
Meine beiden Eltern sind an Krebs gestorben. Sie haben 17 bzw. 20 Jahre lang hier im Haus gewohnt.
N.E.
"Die haben Angst vor den Amerikanern."
Unsere Oberen sind blöd, sie haben Angst vor den Amerikanern. Ich werde 74 Jahre alt. Schauen Sie nur hin, der Sender ist unmittelbar vor unserem Haus. Wir haben lauter chronische Krankheiten. Jeden Tag habe ich starkes Kopfweh und wahnsinnige Körperschmerzen. Der Arzt sagt, das kann ich nicht verstehen. Es ist sinnlos, wenn ich es ihm erkläre. Ich bekomme die stärksten Medikamente, aber sie wirken nicht. Wenn ich weg bin, dann ist es besser. Meine Frau hat auch Schlafstörungen und Kopfweh, außerdem hat sie Brustkrebs und Ohrensausen. Man hat eine Kernspintomographie gemacht, wegen Verdachts auf Gehirntumor, aber ohne Befund.
C.B.
"Der Kleine hat an den Kopf gelangt und gezeigt, wo es ihm weh tut."
Unser Roland hat sehr schweres Kopfweh. Von klein auf. Er hat schon als Kleinkind geschrien. Irgendwann, als er alt genug war, hat er dann an seinen Kopf gelangt und zeigen können, wo es weh tut. Sagen konnte er es ja noch nicht. Manchmal, wenn er sich über Kopfschmerzen beklagte, habe ich später gedacht, er will nur nicht in die Schule gehen. Aber wenn sich ein 14-jähriger nachmittags freiwillig ins Bett legt, dann wissen Sie, was los ist. Heute ist er fast erwachsen und es ist etwas besser. Aber er braucht immer noch das meiste Aspirin von uns allen.
Ich selbst habe Morbus Crohn.
Wenn wir ein elektrisches Gerät kaufen, tun wir das unter Vorbehalt. Jedes mal lassen wir es zuerst hier aufstellen und prüfen, ob es bei uns störungsfrei funktioniert, sonst müssen wir es zurückgeben. In der Stereoanlage meiner Tochter ist - je nachdem, wo sie steht - der Sender zu hören.
Wir brauchen den Sender nicht, er ist scheußlich. Wir hätten die schönste Aussicht in der ganzen Gemeinde. Aber zwei Drittel davon sind Sendemasten. Und wenn im Sommer ein Gewitter aufzieht, dann sprühen die Funken auf den Drähten, dann hören wir es bis zu uns herüber knistern.
S.F.
"Es beginnt genau zwei Minuten vor Sieben."
Mein Fernseher ist gestört und mein Telefon. Das beginnt genau zwei vor Sieben. Ich schaue oft die Rundschau in BR 3 an. Ehe der Wetterbericht kommt, habe ich lauter Zeilen im Bild. Beim Telefon ist genau das gleiche. Manchmal ist es besonders schlimm. Mein Anrufbeantworter setzt sich in Betrieb, ohne daß jemand bei mir angerufen hat. Dann höre ich den Sender auf ihm. Nachrichten, die mir auf Band gesprochen werden, kann ich nicht verstehen, weil sie von Musik überlagert sind. Das Band zeichnet den Sender auf. Nach 19 Uhr kann ich keine Anrufe empfangen, weil ich nur noch den Sender im Telefon höre.
Im Oktober 1998 habe ich die Telekom informiert. Meine Apparate sind Telekomapparate, keine Billiggeräte. Telekom sagte, ein autorisierter Elektrobetrieb müsse Filter einbauen. Ich fragte, wer bezahlt das? Die Auskunft war: die Kosten müssen Sie selbst übernehmen.
Manchmal schlafe ich schlecht. Ich habe Ohrgeräusche.
Ich habe bis vor drei Wochen in der Zweckform * geschichtet. Wir haben den Sender in den Verpackungsmaschinen gespürt. In der Nachtschicht waren die elektronischen Programme oft gestört, zehn, zwanzig Mal, ganz unterschiedlich. Die Zählvorgänge und damit die Verpackungsmenge haben sich von allein verändert. Die Maschinen produzieren Aussschuß, füllen falsche Mengen in die Kartons, die dann z.B. zusammengepreßt werden. So entstehen der Zweckform durch Minderleistungen der Maschinen Verluste.
*(Die Zweckform ist in Oberlaindern angesiedelt und der größte Arbeitgeber im Umkreis. Der Geschäftsführer hat hohe Kosten für die Abschrimung der Geräte vor den Radiowellen schriftlich bestätigt.)
A.I.
"Der Sender spielte immer mit."
Wenn ich meine Heimorgel, ein gutes, teures Stück, anmachte und spielte, hatte ich immer Begleitung. Der Sender spielte mit. Niemand konnte das reparieren. Schließlich habe ich das Orgelspiel aufgegeben.
Ich bin 66 Jahre alt und wohne seit 35 Jahren hier in unserem Einfamilienhaus, vielleicht 900 m vom Sender entfernt. Als wir herzogen, bekamen wir eine neue Nirosta-Spüle. Da machten wir Bekanntschaft mit dem Sender, der plötzlich aus der Spüle tönte. Erst als das Becken geerdet wurde, war der Effekt vorbei. Aber etwas anderes ist nicht vorbei. Seit ich hier wohne, habe ich gesundheitliche Beschwerden. In den letzten zehn, fünfzehn Jahren wurden sie immer schlimmer. Zeitweise hatte ich starke innere Unruhen, ich habe innerlich immer gezittert. Ich wurde vom Nervenarzt behandelt. Jeden Tag habe ich Kopfschmerzen und muß Tabletten einnehmen. Nachts habe ich Schweißausbrüche. Ich lege mir ein Badetuch ins Bett. Immer wieder werde ich ohnmächtig. Wir fahren oft weg, denn dann geht es mir besser. Aber wenn es mir wieder besser geht, ist der Urlaub zu Ende und wir müssen wieder nach Hause.
In der letzten Woche war ich im Tölzer Krankenhaus. Die Ärzte haben allles untersucht. Gehirnströme gemessen, mich in den Kernspin geschoben, aus dem Rückenmark Nervenwasser gezogen. Die Diagnose: kein Befund.
Wir haben im April 1997 an den Landrat Kerkel geschrieben: "Es ist allen hier Wohnenden klar, der Sender muß weg und zwar so schnell wie möglich, bevor wir kaputt gehen." Wir haben noch nicht einmal eine Antwort bekommen.
Z.I.
"Nachts schwitze ich alles naß."
Mir geht es ähnlich wie meinem Mann. Nachts schwitze ich alles naß, muß mich auf ein Badetuch legen. Klimakterielle Beschwerden? Nein, schließlich bin ich schon 67 Jahre alt. Wenn die Politiker hier wohnen müßten, wäre der Sender schon längst weg.
Wenn ich für meine Enkelkinder eine Fernsehsendung auf Video aufnehmen will, dann zeichnet unser Gerät nur Streifen auf. Man kann an den Streifen genau sehen, wann auf dem Sender gesprochen wird, wann Pausen sind."
A.J.
"Ich habe chronische Schlafstörungen."
Ich habe chronische Schlafstörungen, teilweise Kopfschmerzen und Muskelschmerzen. Wenn ich nicht in Oberlaindern bin, schlafe ich besser.
Ich züchte Wellensittiche. Durch unsere Kinder haben wir damit angefangen. Ich habe zwischen 60 bis 70 Jungvögel im Jahr. Als der Sender verstärkt ausstrahlte vor wenigen Jahren, hatten wir kaum mehr Nachwuchs. Viele Eier starben einfach ab, die Vögel wurden aggressiver. Und es zeigte sich ein seltsames Phänomen: völlig gesunde Tiere fielen in der Nacht plötzlich von der Stange und lagen auf dem Boden der Voliere. Sie waren nicht krank vorher. Einen kranken Vogel erkennt der Züchter ganz deutlich: er schläft nicht auf einem, sondern auf zwei Beinen, er plustert sich auf, sondert sich von den anderen ab. Nein, das war nicht der Fall, die Vögel waren topfit, kamen auf meine Schulter, pickten an meiner Goldkette herum. Und plötzlich starben auch ganz junge Vögel, ohne jeden äußeren Anlaß. Ich glaube, daß das vom Sender kommt, aber natürlich kann ich das nicht beweisen.
S.K.
"Als ich Krebs bekam, war mir klar, jetzt mußt du weg."
Wir haben unser Haus in Oberlaindern in vielen Jahren selbst gebaut. An dem Tag, an dem unser Haus fertig war, hat mein Mann gesagt: "Jetzt räum ich nur noch das Handwerkszeug auf." Dann ist er umgefallen und ist gestorben. Ohne ersichtlichen Grund. Es sind immer wieder einfach Menschen umgefallen bei uns, aus heiterem Himmel.
Der Sender bringt alles durcheinander. Als wir nach Oberlaindern zogen, bekam die ältere Tochter Akne; sie war damals in der zweiten Klasse und hatte immer eine wunderschöne Haut. Die zweite Tochter war ein Nervenbündel. Sie war noch klein. Jede Nacht hat sie so gebrüllt, daß die anderen Hausbewohner nur mit Ohropax schlafen konnten.
Als wir unsere erste Stereoanlage bekamen, sie kostete 800 Mark, viel Geld damals, hat sie der Fernsehfachmann ins Haus geliefert. Er steckte den Stecker in die Elektrodose und plötzlich war der ganze Raum erfüllt mit tschechischer Musik. Ohne daß eine Platte aufgelegt war. Der hat sich erschreckt! Wir haben die Stereoanlage nie richtig zum Laufen gebracht.
Ich habe nicht einschlafen können abends, bin morgens nicht aus dem Bett gekommen. Nach dem Tod meines Mannes mußte ich arbeiten. Ich war oft monatelang nicht in Oberlaindern. Wenn ich unterwegs war, war ich ausgeglichen, konnte schlafen. Zurück in Oberlaindern war ich wieder nervös.
Vor zwei Jahren bekam ich Enddarmkrebs. Ich wurde bestrahlt, bekam Chemotherapie. Ich habe gewußt, das ist der Sender. Immer wieder habe ich überlegt, ob ich wegziehe. Als ich Krebs bekam, war mir klar, jetzt mußt du weg.
G.D.
"..dann müßte ich eigentlich meine Sachen packen und gehen."
Jeden Morgen wache ich gerädert auf. Ich fühle mich unerholt, weil ich in der Nacht nur oberflächlich schlafe. Oft liege ich wach. Seit ungefähr 6 Jahren fällt mir auf, daß ich in der Nacht irrsinnig schwitze. Und Kreuzschmerzen habe ich in der Früh so stark, daß ich manchmal gar nicht weiß, wie ich aus dem Bett rauskommen soll. Tagsüber arbeite ich in München, da merke ich nie etwas davon.
Der Sender ist mir eigentlich nur aufgefallen, weil unsere Geräte nicht gingen. Im Telefon konnte man zum Beispiel den Gesprächsteilnehmer nicht mehr verstehen. Wenn das Telefon läutet, kann ich es gar nicht hören. Viele Töne nehme ich hier nicht mehr wahr, weil sie die gleiche Höhe haben, wie das "Singen" in meinem Ohr. In München habe ich das nicht.
Seit ich hier wohne, hat meine Schwiegermutter gesagt, werde ich immer nervöser und gereizter. Ich finde mich auch viel hektischer als früher. Außerdem wird mir immer bewußter, daß ich mir alles aufschreiben muß, was ich tue. Du vergißt immer alles, du bist ein Schussel, sagt meine Tochter. Die Entdeckung hat mich zum Heulen gebracht.
Mein Mann hat schon einen Herzinfarkt hinter sich. Mit 47 Jahren! Ganz plötzlich, ohne Anzeichen vorher. Woher meine Herzstiche kommen, weiß ich nicht.
Wenn die Probleme hier mit dem Sender zu tun haben? Dann müßte man sein Leben verändern. Dann müßte ich meine Sachen packen und gehen Deshalb will ich mich gar nicht damit auseinandersetzen. R.T.
Zum Schluß:
Warum liegt Oberlaindern nicht in Italien?
Italien hat am 2.1.1999 für Wohngebiete den Grenzwert für hochfrequente Strahlung auf 6 Volt/Meter gesenkt. In der Schweiz wurden "Freihaltebereiche" festgelegt, in denen ein Zehntel der Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen.
Aber in Oberlaindern ist die Strahlung wesentlich höher, zum Teil mehr als doppelt so hoch! Tag und Nacht. Auch für Babies, kranke und alte Menschen. Wäre Oberlaindern ein Dorf in Italien oder in der Schweiz, müßte der Sender sofort schließen.
50 Jahre für die "Stimme der Freiheit"
Die Menschen in Oberlaindern befinden sich in einer Situation der Hilflosigkeit. Sie sind hier verwurzelt. Sie wollen ihre geliebte Heimat nicht verlassen. Obwohl sie hier leiden.
Die Menschen in Oberlaindern haben für die "Stimme der Freiheit" 50 Jahre lang geduldig ihre Opfer gebracht.
Jetzt hoffen sie, daß die USA sie ein zweites Mal befreien.
Wissenschaftler zu schädlichen Auswirkungen des Senders
Reportagen zu Oberlaindern im Deutschen Fernsehen
Dazu kommen zahlreiche Berichte in Tageszeitungen und Rundfunksendungen.
Wenn die Vereinigten Staaten in Oberlaindern weitersenden, wird es zu einer Klage der Gemeinde und der betroffenen Bürger gegen den Sender in Washington D.C. kommen. Dann wird das Thema auch die Medien der USA beschäftigen.
Copyright: Sender-Freies-Oberland e.V., Dorfstr.11, 83626 Valley-Oberlaindern
Design: Grafikbüro Christopher Oberhuemer, München
Hochfrequente Felder als Stressoren für Rinder?
Seit dem Herbst 1995 bemerkte ein bayerischer Landwirt erhebliche Verhaltensänderungen, Gesundheitsbeeinträchtigungen mit zum Teil tödlichem Verlauf und Minderungen der Milchleistung seiner Kühe. Ein staatlicher Veterinär des zuständigen Veterinäramtes vermutete als Ursache für diese Befunde in einem Bericht vom April 1997 am ehesten die elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung nahegelegener Fernseh- und Mobilfunksendetürme. Die bayerische Landesregierung will nun mit einer Studie die möglichen Zusammenhänge zwischen EMF und Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Rindern näher untersuchen lassen.
Zunächst wurde jedoch abgewiegelt. In der Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen vom 29. Juni 1998 wird festgestellt, daß "alle gemessenen Immissionswerte zusammen aufaddiert im Bereich von etwa 0,5 bis 3 Promille des zulässigen Grenzwertes liegen. Der Grenzwert wird also mindestens um das 300fache unterschritten." Das Bundesamt für Strahlenschutz schließe daraus, daß "nach heutigem Kenntnisstand nur gefolgert werden, daß keinerlei gesundheitliche Einflüsse auf die auf dem Anwesen Obernhof 4 gemessenen elektromagnetischen Felder zurückgeführt werden können."
Es gehört schon eine erhebliche Ignoranz dazu, die Problematik mit dem Hinweis auf die Einhaltung bestehender Grenzwerte zu beantworten. Vom unvoreingenommenen Untersucher sollte zumindest die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß die bestehenden Grenzwerte für den Gesundheitsschutz nicht ausreichen und einer Überprüfung bedürfen.
Die Beobachtungen des Landwirts
Josef Altenweger aus Schnaitsee hatte seit dem Herbst 1995 beobachtet, daß in seinem Rindviehbestand vermehrt Fehlgeburten - fünf Fälle in 15 Monaten - auftraten oder daß die Tiere erst gar nicht trächtig wurden. Einige Kühe magerten stark ab, mehrere litten unter Entzündungen der Augen. Es traten einige Todesfälle auf. Während seine Kühe jahrelang sowohl quantitativ und qualitativ überdurchschnittlich gute Milchleistungen aufgewiesen hatten, nahmen jetzt sowohl die Milchleistung als auch die Milchqualität, gemessen als ihr Fettgehalt, deutlich ab. Zudem zeigten einige Kühe Verhaltensauffälligkeiten wie unruhiges Hin- und Hertrippeln und ständiges Hin- und Herbewegen des Kopfes.
Die Hochfrequenz-Sendeanlagen
In 300 m Entfernung vom Anwesens Altenweger befindet sich ein Fernsehturm und in 500 m Entfernung ein Mobilfunkmast. Auf den Türmen sind mehrere Fernseh-, Richtfunk- und Mobilfunksendeanlagen installiert (siehe Tabelle 1). Der Beginn der Vorkommnisse fällt zusammen mit der Aufnahme des Mobilfunksendebetriebes im Jahre 1995.
Tabelle: Sendeanlagen in der Nähe es Anwesens Altenweger.
| Sendeanlage | Frequenz | Leistung (Mittelwert) |
| Richtfunkstrahler (39 Stück) | 2,2-18,7 GHz | 124 W |
| C-Netz | 461 MHz | 34 W |
| D-Netz | 935 MHz | 25 W |
| B-Netz | 160 MHz | 20 W |
| Cityruf | 460 MHz | 50 W |
| Eurosignal | 87,361 MHz | 2 kW |
| TV-Programm 2 | 510 MHz | 20 kW |
| TV-Programm 3 | 734 MHz | 20 kW |
| Modacom | 427 MHz | 15 kW |
Messungen der elektromagnetischen Felder durch das Bundesamt für Post und Telekommunikation und durch die Abteilung für Elektronik und Radar der Universität der Bundeswehr München (Prof. Günter Käs) ergaben für die Frequenzen der TV-Sender im Dachgeschoß des Wohnhauses eine Feldbelastung zwischen 0,35 und 2,6 mW/m2 (Milliwatt pro Quadratmeter) und für die Mobilfunkfrequenzen Werte zwischen 0,0003 bis 0,00051 mW/m2. Des Weiteren wurde an verschiedenen Standorten in der Umgebung und im Stall vorwiegend bei einer Frequenz von 512 MHz (TV-2) gemessen. Es ergaben sich im Stall Werte zwischen 0,02 und 0,8 mW/m2, an vier Stellen um den Stall herum Werte zwischen 0,04 und 3,5 mW/m2 und an verschiedenen Stellen in der Umgebung Feldbelastungen zwischen 0,6 und 7,0 mW/m2.
Der Bericht des Tierarztes
Im November 1996 bat Herr Altenweger das Veterinäramt um Hilfe. Am 15. April 1997 verfaßte der Tierarzt des zuständigen Landratsamtes Traunstein, Dr. Jürgen Schmidt, eine vierseitige Aktennotiz. "Es konnten bei den Ortsterminen in Obernhof die von Herrn Altenweger festgestellten Verhaltensauffälligkeiten bestätigt und weitgehend per Videoaufnahmen dokumentiert werden," heißt es dort.
Es wurden vom Veterinäramt eine Anzahl von Untersuchungen veranlaßt. So besuchte Prof. Klee von der Rinderklinik der Universität München den Hof und vermutete ursächlich Erkrankungen aufgrund von Fütterungs- und Haltungsproblemen. Die daraus resultierenden Klauenveränderungen könnten zu dem ständigen Trippeln führen. Untersuchungen des Futters und der Futtermenge ergaben jedoch keine Auffälligkeiten. "Ein primär ursächlicher Fütterungsfehler ist damit ausgeschlossen" (Schmidt 1997). Auch die vorübergehende Umsiedlung (siehe unten) demonstrierte, daß für das Trippeln, welches bei der Kuh "Gundi" besonders ausgeprägt war, keine Klauenveränderungen verantwortlich waren.
Die Hoftierärzte des Bauern fanden in Blutuntersuchungen ein Ungleichgewicht der Mineralstoffe, "wobei die festgestellten erniedrigten Kalzium-Werte nicht erklärbar waren, da Herr Altenweger ein sehr kalziumreiches Mineralstofffutter verwendet."
Die vorübergehende Umsiedlung zweier Tiere
Eine vom Veterinäramt veranlaßte Umstallung zweier Kühe führte zu einer Besserung bzw. zu einem Verschwinden der Symptome. Schmidt: "Zwei auffällige Tiere wurden in einen ca. 25 km entfernten Stall in der Gemeinde Trostberg verbracht... Der Versuch ergab, daß sich bei einem Tier (Gundi), das unter auffälligen Verhaltensänderungen litt, diese Verhaltensänderungen im Gaststall schon sehr bald besserten und nach 5 Tagen völlig verschwunden waren." Die zweite Kuh bekam kurz nach der Umstallung eine Euterentzündung, so daß die Beurteilung einer Veränderung nur eingeschränkt möglich war. Dennoch waren auch hier deutliche Verbesserungen feststellbar. "Bei beiden Tieren war nach dem Zurückverbringen in den Bestand Altenweger wieder eine Verschlechterung im Sinne des Wiederauftretens der bereits vorher festgestellten Verhaltensauffälligkeiten festzustellen."
Zusammenfassend stellte der Tierarzt fest, daß keine "eindeutige Ursache" für die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Rinder gefunden werden konnten. Die Ergebnisse der Umstallung erscheinen jedoch "als eindeutiger Hinweis darauf, daß die auf dem Anwesen gemessenen elektromagnetischen Felder in der Lage sind, die beschriebenen Verhaltensänderungen und Stoffwechselstörungen mit z. T. tödlichem Verlauf zu verursachen." Mit Hinweis auf die erheblichen Schmerzen und Leiden der Tiere im Sinne des Tierschutzgesetzes "muß für eine Abhilfe gesorgt werden".
Der Streit um die Veröffentlichung der Befunde
Als Schmidt die Ergebnisse seiner Beobachtungen und Maßnahmen zusammen mit Prof. Wolfgang Löscher von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover in einer tierärztlichen Fachzeitschrift veröffentlichen wollte, wurde ihm dies durch die bayerische Landesregierung untersagt. Auch Löscher allein wurde seitens der Landesregierung verboten, die Ergebnisse für eine Publikation zu verwenden. Zwischenzeitlich begannen sich die Medien für das Thema zu interessieren. Löscher beschwerte sich beim Ministerium, es möge doch darauf hinwirken, daß die Veröffentlichung "nicht weiter verhindert" werde. Nach dem Hinweis, er werde sonst an die Presse gehen, erhielt er die Genehmigung zur Publikation mit der Auflage, daß der Bauernhof nicht als bayerisches Anwesen erkennbar ist.
Löscher und Käs werten einen Teil der Befunde, wie etwa die vermehrte Fehlgeburtenrate und den Abfall der Milchleistung, als Streßsysmptome (Löscher 1998). Es ist bekannt, daß hochgezüchtete Milchkühe besonders empfindlich auf Veränderungen und schädliche Einflüsse ihrer Umwelt reagieren. Bei der Untersuchung möglicher Einflüsse von elektromagnetischen Feldern auf biologische Systeme werden immer wieder Befunde erhoben, die als unspezifische Streßsymptome gewertet werden können.
Die bayerische Landesregierung weist den Vorwurf des Maulkorbs zurück, man habe "Schmidt gebeten, seine Publikation zurückzustellen." Man wolle nur die Ergebnisse einer Untersuchung der bayerischen Landesregierung abwarten. Diese Untersuchung bestand in einer erneuten Messung der EMF durch die Firma Elekluft GmbH, die die oben genannten Werte weitgehend bestätigte, und einer strahlenbiologischen Bewertung durch Dipl.-Ing. Rüdiger Matthes vom Bundesamt für Strahlenschutz. Matthes schloß elektromagnetische Felder als Ursache für die Vorkommnisse aus. "Da die im Viehbestand des Bauern Altenweger aufgetretenen Anomalien nicht auf die Exposition durch hochfrequente Felder zurückgeführt werden können, muß nach anderen Ursachen gesucht werden," heißt es in seiner Bewertung vom Juni 1998 (StMLU 1998).
Die Brisanz der Beobachtungen
Vielfach werden nicht EMF sondern psychosomatische Einflüsse für unspezifische, schwer objektivierbare vegetative Störungen beim Menschen verantwortlich gemacht. Solche Einwände lassen sich schwerer beim vorliegenden Fall anführen. Verminderte Milchleistung, verminderter Fettgehalt der Milch und verringerte Fruchtbarkeit sind objektive Parameter, die sich zudem unmittelbar auf das Einkommen des Landwirts niederschlagen. Die Hinweise der Landesregierung, daß die beobachteten Effekte auch Ausdruck eines Fütterungs- oder Haltungsproblems sein könnten, wirken nicht wirklich überzeugend. "Ich führe diesen Betrieb seit über 20 Jahren. Ich hatte überdurchschnittliche Milchleistungen mit der höchsten Qualität. Nun muß ich mir anhören, daß ich zu dumm bin, Kühe zu halten und sie zu melken," klagte der Landwirt im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt.
Die Brisanz der Vorkommnisse liegt in verschiedenen Bereichen:
Das weitere Vorgehen
Das bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen stellt zwar fest: "Die aufgetretenen Krankheitsbilder und Verhaltensanomalien beim Viehbestand des Anwesens Altenweger können nicht auf die vorhandene Exposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder zurückgeführt werden" (Pressemitteilung vom 29. Juni 1998).
Der bayerische Umweltminister Dr. Thomas Goppel habe "dennoch" angeordnet, "daß den Fragen weiter nachgegangen und eine Untersuchung zum Einfluß elektromagnetischer Felder von Mobilfunkanlagen auf Rinder durchgeführt wird. Ziel der Studie ist, fachübergreifend in ca. 30 Rinderhaltungen innerhalb und außerhalb Bayerns intensiv zu erforschen, ob sich in mobilfunknahen Bauernhöfen vermehrt Tumorerkrankungen, Fehlgeburten, Mißbildungen oder Leistungsminderungen nachweisen lassen." Diese Untersuchung werde zwei Jahre dauern und etwa 650.000 DM kosten.
Es ist zu begrüßen, daß - wenn auch erst nach erheblichem Druck seitens der interessierten Öffentlichkeit - eine entsprechende Untersuchung durchgeführt werden soll. Aufgrund der offensichtlich bereits feststehenden Position der bayerischen Landesregierung und des Bundesamtes für Strahlenschutz ist jedoch hinsichtlich der Objektivität der Studie Skepsis angezeigt.
Solange keine endgültige Klärung der Ursache für die Vorkommnisse herbeigeführt wurde, stünde es den Beteiligten gut zu Gesicht, mit der notwendigen Unvoreingenommenheit und wirklichem Bemühen zu einer Klärung beizutragen. Es besteht kein Anlaß für eine Elektrosmog-Hysterie, aber auch nicht für institutionelle Selbstgefälligkeit. Insbesondere darf vom Bundesamt für Strahlenschutz mehr erwartet werden als die Verteidigung der eigenen Grenzwerte, will sie nicht weiter in den Verdacht des Industrielobbyismus geraten. Matthes ist gleichzeitig wissenschaftlicher Sekretär der Internationalen Strahlenschutzkommission für nichtionisierende Strahlung (ICNIRP), deren etwa ein Dutzend Mitglieder international ein weitgehendes Monopol für Grenzwertfragen besitzen. Von dieser Institution ist eine anhaltende wissenschaftliche Neugier und eine Bereitschaft, die selbst als "gesichert" eingestuften Erkenntnisse immer wieder in Frage zu stellen, zu fordern.
Mittlerweile haben sich andere Landwirte und Tierärzte mit ähnlichen Beobachtungen bei den Medien und den beteiligten Forschern gemeldet. Zudem zeigen verschiedene Wissenschaftler Interesse an den Vorkommnissen, die mittlerweile international Wellen schlagen. So will der Physiker Dr. Theodore Litovitz von der katholischen Universität in Washington die biologische Wirksamkeit der Kombination der emittierten Frequenzen untersuchen. Es wäre denkbar, daß hier ein Schlüssel für die beobachteten Effekte liegt.
Franjo Grotenhermen, Michael Karus
nova-Institut, Redaktion Elektrosmog-Report
Quellen:
Ballonabsturz durch Radiosender
Starke Kurzwellensender stellen in ihrer Nahumgebung eine Gefahr für den Flugverkehr dar. Im Oktober 1997 ist in Sachsen ein Gasballon abgestürzt. Die vier Insassen kamen ums Leben. Ursache für den Absturz war der Kurzwellsender Nauen. In die Nylonfäden des Netzes, das den Balon hät, sind hochfeine Stahlfäden eingewirkt, die elektrostatische Aufladungen durch z. B. Blitze, schnell auf die ganze Hülle verteilen sollen. Als der Ballon sich den Antennen des Senders auf 100 m näherte, induzierten die starken, pulsierenden elektromagnetischen Felder einen Stromfluß in den Stahlfäden, und die sie umgebenden Nylonseile schmolzen. Damit war der Korb vom Ballon getrennt und raste ohne Halt zu Boden.
Auch Flugzeuge werden von den Sendern gestört. Es kommt vor, daß die Zündung kleiner Flugzeuge ausfällt. Mitte der 80er Jahre stürzte ein Tornado über dem Sender Holzkirchen in Süddeutschland ab, weil das starke Sendefeld den Tiefflugradar lahmgelegt hatte. Seit Anfang der 90er Jahre die sog. Fly-by-wire-Systeme Einzug in die Cockpits hielten, steigt die elektromagnetische Anfälligkeit der Flugzeuge. Ballonfahrer und Piloten fordern, daß starke Sendeanlagen in die Luftfahrtkarten aufgenommen werden.
Quelle: Schwarzburger, H.: Ende einer Ballonfahrt, Elektromagnetische Induktion: Die unsichtbare Gefahr. VDI nachrichten, 08.05.1998, S. 3.
Arbeitsergebnisse auf dem Kurzwellengebiet
Dr. E. Schliephake
In: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 1932, Nr. 32, S. 1235-1240
(S.1237) Der Gesamtorganismus wird schon im Strahlungsfeld von starken Kurzwellensendern durch die freie Hertzsche Welle deutlich beeinflusst. Das empfinden alle Personen, die längere Zeit hindurch an solchen Sendern ohne genügende Schutzmittel haben arbeiten müssen. Es treten Erscheinungen auf, wie wir sie bei Neurasthenikern zu sehen gewohnt sind; starke Mattigkeit am Tag, dafür in der Nacht unruhiger Schlaf, zunächst ein eigenartig ziehendes Gefühl in der Stirn und Kopfhaut, dann Kopfschmerzen, die sich immer mehr steigern, bis zur Unerträglichkeit. Dazu Neigung zu depressiver Stimmung und Aufgeregtheit. Auch hierauf hat nach unseren Erfahrungen die Wellenlänge einen deutlichen Einfluß. Am unangenehmsten sind anscheinend die Wellen von etwa 4 - 5 m Länge. (...)
Durch Wärmewirkung allein lassen sich diese Erscheinungen nicht erklären. Dagegen geht die Abtötung von Tieren im Kondensatorfeld in der Hauptsache wohl zweifellos auf Überhitzung zurück. Tiere in geschlossenen Gefäßen sterben viel schneller ab als solche, die frei atmen können. Für die Erwärmung des Tierkörpers im Kondensatorfeld kommt aber nicht allein die in Wärme umgesetzte Kurzwellenergie in Frage, sondern es können auch noch Störungen der zentralen Wärmeregulation eine Rolle spielen.
Neben der unmittelbaren elektrischen Erwärmung der Gewebe durch Ultrakurzwellen kennen wir auch mittelbare Erwärmungswirkungen. So hat Reiter gezeigt, dass der Verlauf der Erwärmung bei der Bestrahlung irgendeiner indifferenten Stelle so vorsichgeht, dass neben der starken lokalen Erwärmung eine allmähliche Erwärmung des übrigen Körpers durch den Wärmeausgleich infolge des Kreislaufapparates zustande kommt. Ganz anders ist jedoch die Wirkung bei Bestrahlung des Wärmeregulationszentrums im Gehirn, worauf ich am Schluß noch zurückkommen werde.
Dabei treten nämlich in der Peripherie fieberartige, sehr starke Erwärmungen auf, die größer sein können als die lokale Erwärmung, mithin also nicht durch Abtransport der Wärmemenge durch den Kreislauf entstehen können. Ein weiterer Beweis hierfür ist auch die Tatsache, dass nach Reiter Bestrahlung des Gehirns von Kaltblütern, die kein Wärmeregulationszentrum haben, niemals zu diesen Fiebererscheinungen führt.
Die histologischen Veränderungen in den Geweben von kurzwellenbehandelten kleinen Tieren, die hauptsächlich von v. Öttingen untersucht worden sind, unterscheiden sich im allgemeinen nicht wesentlich von Wärmezerstörungen; bei einer bestimmten Welle können aber gewisse Zellgruppen selektiv geschädigt werden, und darauf beruht eben die Besonderheit der Kurzwellenwirkung ( vgl. auch den folgenden Vortrag von Ostertag ).
Das Blutbild erfährt verschiedenartige Veränderungen je nach Dauer und Ort der Besendung. Nach v. Öttingen, der dies an Tieren untersucht hat, erfolgt gewöhnlich zunächst ein kurzer Abfall der Leukozytenzahl, dann ein längere Zeit anhaltender Anstieg. Die einzelnen Formen der Leukozyten werden dabei in verschiedener Weise beeinflusst. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit wird erhöht, ferner verändert sich, wie Pflomm gezeigt hat, die Blutgerinnungszeit. Die Veränderungen des morphologischen Blutbildes sind beim Menschen auf meine Veranlassung besonders von Nöller näher untersucht worden. Er fand, dass die Veränderungen, auf deren Art ich hier im Einzelnen nicht eingehen kann, je nach dem Ort der Besendung verschieden sein können, und dass sie die einzelnen Blutbestandteile verschieden stark betreffen können. Die Leukozyten reichern sich meist in der Nähe der bestrahlten Stelle an, während ihre Zahl an entfernteren Punkten zurückgeht. Ähnlich verhält es sich mit der refraktometrisch bestimmten Konzentration des Serums.
Die örtlichen Wirkungen bestehen außer in der eben genannten Einwanderung von Leukozyten in einer starken Erweiterung der betroffenen Kapillaren. Im Gegensatz zu Wärmehyperämie bleibt diese Kapillarerweiterung, wie Pflomm gezeigt hat, noch lange Zeit hinterher bestehen und geht auf Adrenalin nicht wieder zurück. Ferner werden durch die Kurzwelleneinwirkung auch solche Gefäße erweitert, die vorher durch Adrenalin zur Kontraktion gebracht worden waren. Wie Pflomm auch auf Grund von Versuchen am Froschherzen annimmt, dürfte hier eine lähmende Wirkung auf die Sympathikusendigungen und eine vaguserregende Wirkung die Ursache sein.
Reiter, der seit 3 Jahren umfangreiche Versuche über Ultrakurzwellen ausführt, hat eine Wellenlängenabhängigkeit auch dieser Wirkung gefunden. (...)
(S.1239f) Zuletzt möchte ich noch auf eine Anwendung der Kurzwellen hinweisen, bei der wir in die Funktion des Wärmezentrums Einblick zu gewinnen suchen.
Durch in geeigneter Weise gekrümmte Kondensatorplatten gelingt es, ein bandförmiges Feld zu erzeugen, und wir haben mit einem solchen Feld den Hinterkopf und Nacken von Kaninchen behandelt. Dabei treten nun ganz eigenartige Störungen der Wärmeregulation auf, die je nach Stärke und Dauer der Einwirkung verschieden verlaufen. Erwähnenswert ist dabei, dass wir solche Störungen nur mit Wellenlängen unter 6 m hervorrufen konnten.
Im Temperaturverlauf nach den Bestrahlungen lassen sich verschiedene Typen unterscheiden. Bei sehr starker Einwirkung sinkt anschließend an die Besendung die Temperatur bis um mehrere Grade ab. Sie kann sich dann wieder erholen, oder die Tiere gehen unter immer weiterem Absinken der Körperwärme ein.
Dabei sehen wir meist auch noch andere Störungen: Beschleunigung und unregelmäßige Atmung, starke Speichelabsonderung und Nasenschleimabsonderung wie bei einem Schnupfen, gelegentlich auch klonische Krämpfe der hinteren Extremität.
Bei einer zweiten Gruppe fängt die Temperatur einige Stunden nach der Besendung an anzusteigen und hält sich einige Tage lang auf einer erhöhten Stufe. Bei einer weiteren Gruppe wird die Wärmeregulation auf einen erhöhten Wert eingestellt, um den sie sich dann dauernd einspielt. (...)
Aber auch bei Tieren, die zunächst keine derartigen Störungen zeigen, lassen sich funktionelle Änderungen der Wärmeregulation nachweisen. Wenn wir gesunde Tiere einem Heißluftbad von 50° aussetzen, dann steigt ihre Körpertemperatur stark an, gleicht sich aber hinterher rasch wieder aus. Nach der Kurzwellenbesendung sehen wir aber häufig, dass die Fähigkeit zum Ausgleich gelitten hat. Entsprechend ist das Verhalten gegenüber einem Bad in kaltem Wasser. Besonders merkwürdig ist aber dabei, dass es Tiere gibt, deren Regulation nach oben hin zwar erhalten ist, die aber nicht mehr gegen Kälte regulieren können und umgekehrt.
Mein Mitarbeiter Strassburger hat Tieren Pyrifer eingespritzt, das regelmäßig nach 1-2 Stunden einen starken Temperaturanstieg hervorruft, aber nach der Kurzwellenbehandlung b