62. Amateurfunker

Amateurfunker betreiben kein harmloses Hobby

"Seit fast 24 Jahren bewohne ich in K. zusammen mit meiner Ehefrau ein Einfamilien-Reihen-Eckhaus. Die Front des Gebäudes ist sehr schmal, die Breite beträgt nur ca. 6,5 Meter.

Bis vor einigen Jahren, es mögen 7, 8 Jahre her sein, hatten wir keine Probleme mit den Nachbarn. Dann starb dieser Nachbar und das Haus wurde verkauft. Der neue Nachbar ist ein leidenschaftlicher Funkamateur. Der baute nach und nach eine Funkanlage auf, die es ihm, nach seinen eigenen Angaben, ermöglicht, um die ganze Welt zu funken. Die Leitungen führen direkt an unserer gemeinsamen Hauswand entlang. Direkt an der Grenze seines Reihenhausgartens zu unserem Grundstück hat der Nachbar zusätzlich zu der aufwendigen Dachantenne eine weitere Antenne errichtet, die etwa 20 Meter lang und ca. 10 Meter hoch ist.

Die Dachantenne unseres Nachbarn reichte bis vor etwa 1 Jahr ca. 1,5 Meter über unser Dach. Auf unsere Vorhaltungen hin hat der Nachbar die Antenne dann in der Weise geändert, dass sie nicht mehr über unser Dach ragt.

Durch die Inbetriebnahme der Funkanlage ergaben sich bei uns folgende Störungen:

Noch gravierender sind die gesundheitlichen Störungen, die das Leben unerträglich machen. Abends, zwischen 22 und 23 Uhr, nach unserem Zubettgehen, setzen Störungen im hohen Frequenzbereich ein, die die ganze Nacht anhalten. Diese Störungen machen es meiner Frau und mir unmöglich, normal einzuschlafen. Regelmässig wachen wir dann zwischen 2 und 5 Uhr mit starken Herzrhythmusstörungen auf, an ein Wiedereinschlafen ist dann kaum mehr zu denken. In den vergangenen Wochen haben sich meine Frau und ich gründlich und eingehend untersuchen lassen, organische Störungen liegen bei uns nicht vor.

Von einem Motor, der offenbar seit einigen Monaten neu im Kellerbereich unseres Nachbarn direkt an der gemeinsamen Wand installiert worden ist, entstehen laute Geräusche, die sich in der Heizung fortsetzen. Meine Frau hat des öfteren starke Kopfschmerzen, die sie früher gar nicht kannte. Sie verspürt im Kopf ein Brodeln.

Zunächst war es nicht mehr möglich, unsere Phonoanlage in Betrieb zu nehmen. Die Störungen beim Radioempfang und beim Abspielen von Schallplatten waren sehr laut und übertönten den Empfang. Der Nachbar hat dann auf unsere Vorhaltungen hin, aus Kulanzgründen wie er meint, ein elektronisches Teil in unsere Anlage eingebaut. Dadurch verschwanden die starken Störungen.

Seit Jahren ist der Fernsehempfang bei uns, insbesondere beim ARD-Programm, fast täglich gestört. Nur wenn der Nachbar abwesend ist, ist der Empfang störungsfrei.

Seit einigen Monaten sind beim Radioempfang Störungen gegeben, wenn der Nachbar funkt. Die Morsesignale sind dann hörbar, die Empfangsstärke variiert dann und selbst die Sender wechseln.

Beim Aufstehen leiden meine Frau und ich oft unter Schwindelgefühlen. Bei mir kommen noch andere Beschwerden hinzu. Ich habe keinen Appetit und muss mich zum Essen zwingen. Morgens, nach dem Aufstehen, muss ich immer wieder Galle erbrechen. Ich bekomme, wenn ich mich im Schlafzimmer oder im Badezimmer aufhalte, ohne erkältet zu sein, Niesanfälle und muss bis zu 10 Mal hintereinander nießen. Morgens läuft meine Nase wie bei einer schweren Erkältung. Dies hört auf, wenn ich mich in andere Räume begebe.

Ich war seit einigen Jahren nicht mehr im Haus unseres Nachbarn und bin zudem in Dingen, die den elektronischen Bereich angehen, nicht bewandert. Daher kann ich auch nicht sagen, was im Nachbarhaus installiert ist. Aus verschiedenen Gründen muss ich aber annehmen, dass die Störungen auf den Betrieb der Funkanlage zurückzuführen sind.

Mit meinem Nachbarn über diese Probleme zu reden, wie es sich in erster Linie anbieten würde, ist, wie eine Reihe von Vorkommnissen ergeben hat, leider nicht möglich.

dass die Beschwerden mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Funkbetrieb zurückzuführen sind, schliesse ich u.a. auch daraus, dass dann, wenn wir im Urlaub verreisen, im Urlaubsort die Schlaf- und Herzrhythmusstörungen nicht mehr auftreten.

So wie z.Z. die Gegebenheiten sind, kann es nicht weitergehen. Ich bitte Sie daher, mir zu helfen. Ich bin für jede Hilfe und jeden Rat sehr dankbar."

Zur Klärung der Frage, ob das Haus durch die Amateurfunk-Sendeanlage des Nachbarn einer elektromagnetischen Strahlenbelastung im Hochfrequenzbereich ausgesetzt ist, die die Ursache der gesundheitlichen Beschwerden bei den Hausbewohnern sein kann, wurden im Haus und auf dem Grundstück Messungen der Leistungsflussdichte im Hochfrequenzbereich durchgeführt. Die Messergebnisse zeigten, dass die Intensität der Hochfrequenz-Strahlung mit zunehmender Entfernung von der Antennenanlage des Nachbarn abnimmt. Da die Messwerte innerhalb der über 40-stündigen Messphase keinen großen Unterschied zwischen eingeschalteter und abgeschalteter Amateurfunk-Sendeanlage erkennen liessen, muss davon ausgegangen werden, dass die Antennenanlage des Nachbarn nur mit einem geringen Anteil direkt zur gemessenen Hochfrequenz-Strahlung beiträgt. Der Hauptanteil ist darauf zurückzuführen, dass die Antennenanlage des Nachbarn die im Verhältnis zum Amateurfunk sehr viel stärkere hochfrequente Strahlung der Sendeanlagen von Bundespost und Telekom im Großraum K. auffängt und im Nahbereich wieder abstrahlt.

Eine aus gesundheitlicher Sicht zweifellos erforderliche Verringerung der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlenbelastung ist deshalb nicht bereits durch Einstellung des Sendebetriebs der Amateurfunkanlage zu erreichen sondern erfordert den Abbau zumindest der wesentlichsten Teile der Antennenanlage. Damit ist allerdings nicht unbedingt der vollständige Verzicht auf Benutzung der Amateurfunkanlage verbunden; durch andere Antennen an anderer Stelle könnte sehr wahrscheinlich ein weiterer Betrieb der Amateurfunkanlage so möglich sein, dass die Nachbarn keiner gesundheitsschädigenden Hochfrequenz-Strahlenbelastung ausgesetzt sind.

Übrigens sind die geschilderten gesundheitlichen Beschwerden bei Hochfrequenz-Strahlenbelastungen in der in diesem Haus gemessenen Grössenordnung durchaus typisch und dementsprechend häufig in der Nachbarschaft von Amateuerfunkern anzutreffen.

 

Empfohlene Maßnahmen

Eine erhebliche Verringerung der Hochfrequenz-Strahlenbelastung kann zumindest während der Nacht durch Fenster-Vorhänge aus einem Textilgewebe erreicht werden, dass aus Baumwollfasern und rostfreien Stahlfasern besteht, die dünner als ein Haar sind. Das Textilgewebe ist als Meterware lieferbar.

 

Was erreicht wurde

Zum Nachbarn hin wurden die Fenster mit Vorhängen aus dem empfohlenen Textilgewebe ausgestattet. Aufgrund der Mess- und Untersuchungsergebnisse verklagte das Ehepaar den Amateurfunker. Ohne das Ergebnis des Prozesses abzuwarten, verkaufte der Funker jedoch kurzfristig das Haus und zog in eine andere Stadt. Die Schlafstörungen und Herzbeschwerden, unter denen das betroffene Ehepaar litt, haben sich erheblich gebessert.

 

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