Ein elektrosensibler Richter berichtet
"Ich bin 53 Jahre alt und von Beruf Richter am Amtsgericht in G. Seit Jahren leide ich an einer sich immer mehr verstärkenden Elektrosensibilität, welche mir das Leben zur Qual macht und, wenn keine Änderung dieses Zustandes eintritt, bald zur Berufsunfähigkeit führen wird. Mein Arbeitsplatz lag von 1973 bis 1979 nur ca. 50 m von den vielen Oberleitungen nebst Einspeiseleitung im Bereich des relativ großen Eisenbahn-Knotenpunkt-Bahnhofs G. entfernt.
Seit 1979 sind es ca. 100 m. Weiterhin führte bis zu meinem Umzug im Jahre 1991 ca. 150 m vor meinem Wohnhaus eine Hochspannungsleitung (vermutlich 220 KV) vorbei. Seit 1991 wohne ich ca. 200 m oberhalb des vorgenannten Bahnhofsbereichs. So befand und befinde ich mich Tag und Nacht im Einflussbereich elektromagnetischer Strahlung, ohne dass ich zunächst, trotz auffälliger gesundheitlicher Störungen (Nervosität, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, starke Anfälligkeit gegen Erkältungskrankheiten) einen Bezug zur wahren Ursache herzustellen vermochte, bzw. nachdem ich bereits von Elektrosmog gelesen hatte, die doch relativ weit entfernten Hochspannungsleitungen nicht verantwortlich hierfür hielt.
Ab 1988 bis jetzt traten folgende Beschwerden auf: Ständiges Gefühl der Erschöpfung, starke Schweissausbrüche bei leichter körperlicher Tätigkeit, insbesondere im Freien in der Nähe der Hochspannungsleitungen; extreme Nervosität beim Schreiben mit einer elektrischen Schreibmaschine (im Anschluss oft Bläschenbildung mit Austritt von Gewebeflüssigkeit im Gesicht); starker Trommelfelldruck (Gefühl wie beim Tieftauchen oder einer schnellen Flugzeuglandung); bei bzw. nach einer ca. 2-stündigen Arbeit in der Nähe des häuslichen Stromzählers starker stundenlanger Harndrang; ständiges Gefühl als ob mein Kopf in der Schläfengegend zusammengepresst würde und ich im Kieferbereich Muskelkater hätte. (bis 1988 Kombination von Amalgam- und Goldfüllungen im Gebiss, seither nur mehr Goldfüllungen); bei Aufenthalt im Strahlungsbereich, insbesondere in der Nähe von eingeschalteten elektrischen Schreibmaschinen, Kopierern oder Bildschirmen sowie Fernsehgeräten, Sprachstörungen, des weiteren eine Art Hautabschürfung in der Schläfengegend mit starker Rötung und Berührungsempfindlichkeit, ähnlich wie bei einer Brandwunde; seit 1994 Magen- und Darmstörungen ohne sonstige erkennbare Ursache.
Da ich in den letzten Jahren viel über Elektrosmog in Zeitschriften und Büchern gelesen habe, organisch gesund bin, andererseits meine Beschwerden außerhalb des Strahlungsbereiches allmählich und erheblich abklingen, halte ich seit 1991 allein elektromagnetische Strahlung verantwortlich für meine Gesundheitsstörungen. Leider standen mehrere konsultierte Ärzte meinem Problem völlig hilflos gegenüber. Ich wäre angeblich der erste Patient, der über solche Beschwerden klagt und dies mit dem Strom in Verbindung bringt, erklärten sie mir. Über die möglichen Wirkungen elektromagnetischer Strahlung hatte noch keiner von Ihnen gelesen. Dies hinderte gleichwohl einen Neurologen nicht daran, mir psychosomatische Störungen zu attestieren. Aus vorgenannten Gründen bitte ich Sie um Bekanntgabe eines kompetenten Arztes, welcher meinen Zustand feststellt und auch gegenüber meinem Dienstherrn attestiert."
Empfohlene Maßnahmen
Ein Facharzt sollte möglichst versuchen, für die gesundheitlichen Beschwerden einen ursächlichen Zusammenhang mit der jahrelangen arbeitsplatz-bedingten elektromagnetischen Stresssituation zu beweisen.
Was erreicht wurde
Von den bisher konsultierten 18 Fachärzten konnte oder wollte allerdings noch keiner solch einen Zusammenhang bestätigen; lediglich von einer großen Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs war die Rede.