Epileptische Anfälle nach dem Umzug in ein Haus nahe einer Hochspannungsleitung
Zur Person: Jürgen K.; 9 Jahre alt;
Zur Wohnsituation:
Die Familie ist vor einem Jahr in ein Einfamilienhaus umgezogen, das ca. 40 Meter von einer 110 KV-Hochspannungsleitung entfernt steht.
Zur Krankheitsgeschichte: Kurz nach dem Umzug in das Haus nahe der Hochspannungsleitung beobachtet die Mutter eine zunehmende Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands des Jungen. Er schläft unruhig, ist morgens müde und völlig unausgeschlafen, trotz frühzeitigem Zubettgehen.
Die Schulleistungen lassen nach, Jürgen fängt an zu stottern und ist völlig unkonzentriert. Alles deutet auf eine nervliche Überforderung hin, deren Ursache nicht erkennbar ist. Der Hausarzt ist ratlos und als Jürgen innerhalb von einer Woche drei epileptische Anfälle bekommt, überweist er Jürgen an einen Nervenarzt. Die Schilderung der Krankheitsgeschichte durch die Mutter unterbricht der Nervenarzt nach wenigen Minuten mit der Frage, ob das Haus, in das die Familie vor einem Jahr eingezogen ist, in der Nähe einer Hochspannungsleitung steht. Die überraschte Mutter bejaht die Frage.
Nachdem der Nervenarzt Jürgens Mutter erzählt hat, dass in seiner Praxis in den letzten Jahren die Fälle stark zugenommen haben, in denen unerklärliche nervöse Beschwerden auf elektromagnetische Strahlenbelastungen im Wohn- oder Arbeitsbereich zurückzuführen waren, empfiehlt er der Mutter, die von der Hochspannungsleitung ausgehenden magnetischen Wechselfelder im Schlafzimmer des Sohnes und im ganzen Haus messen zu lassen und mit dem Messprotokoll wieder zu ihm zu kommen. Inzwischen sollte Jürgen nicht im Haus wohnen, sondern mit der Mutter zu Verwandten oder in Urlaub fahren.
Zur Untersuchung der Wohnung auf elektromagnetische Strahlenbelastung: In Jürgens Zimmer verursachte die Hochspannungsleitung magnetische Wechselfelder zwischen 380 und 540 Nano-Tesla. In den übrigen Räumen des Hauses, die nicht so nah an der Hochspannungsleitung lagen, waren die Messwerte deutlich geringer.
Empfohlene Maßnahmen
Möglichst bald in ein Haus umziehen, dass weder durch Hochspannungsleitungen noch durch andere Ursachen einer elektromagnetischen Strahlenbelastung über 25 Nano-Tesla ausgesetzt ist.
Was erreicht wurde
Bis die Eltern ein geeignetes Haus fanden, hat Jürgen bei Verwandten im Nachbarort gewohnt und sich nach einer kurzen Phase ärztlicher Betreuung so gut erholt, dass vier Monate nach den epileptischen Anfällen wieder der frühere Gesundheitszustand vor dem Umzug in das Haus nahe der 110 KV-Hochspannungsleitung erreicht war.