36. Berufskrankheit bei Piloten & Lokführern

Gehirntumor - Berufskrankheit der Piloten und Lokführer?

"Ich bin Pilot bei der Lufthansa, 34 Jahre alt. Bei mir ist ein Gehirntumor festgestellt worden. Der lapidare Kommentar des zuständigen Betriebsarztes lautete: "Das ist die Berufskrankheit der Piloten". Auf meine Frage, warum man das den Piloten nicht vorher sagt und die möglichen Ursachen untersucht, um sie dann zu vermeiden, kam nur ein vielsagendes Schulterzucken. Im weiteren Gespräch machte der Arzt Andeutungen dahingehend, dass wahrscheinlich die geringe Entfernung zwischen dem Kopf und allerlei elektronischen Geräten im Cockpit mit ihren elektromagnetischen Feldern in Augenhöhe eine Rolle spielen.

Ich habe dann verlangt, dass entsprechende Messungen im Flugzeug vorgenommen werden, um den möglichen Zusammenhang zu klären. Mit dem Hinweis darauf, dass derartige Messungen möglicherweise Störungen in der Bordelektronik verursachen könnten, wurde das abgelehnt.

Meine Frage an Sie: ist es erwiesen, dass Piloten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an Gehirntumor zu erkranken?"

Untersuchungen zum Gehirntumor-Risiko von Piloten werden seit 1990 an der Technischen Hochschule Zürich durchgeführt. Fest steht, dass Piloten überdurchschnittlich an Gehirntumor erkranken. Allerdings ist der ursächliche Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern im Cockpit (noch) nicht eindeutig erwiesen.

dass starke elektromagnetische Felder im Kopfbereich das Gehirntumor-Risiko erhöhen, ist jedoch durch zahlreiche Arbeitsplatzstudien bewiesen worden. Arbeiter aus Elektroberufen weisen für bestimmte Tumorarten ein erheblich erhöhtes Risiko auf. Die deutlichsten Beweise liegen für Gehirntumore und Tumore des zentralen Nervensystems vor.

In einer Studie von Mack u.a. (1991) wurde ein zehnmal so hohes Krebsrisiko für Arbeiter in Elektroberufen gegenüber einer Kontrollgruppe gefunden. Dieses Ergebnis bezieht sich auf einen bestimmten Gehirntumor-Typ. Der hohe Risikofaktor trat nur für Arbeiter mit einer Beschäftigungsdauer von mehr als zehn Jahren auf. Für eine Beschäftigungszeit von unter zehn Jahren ergab sich ein Risikofaktor von lediglich 1,1.

Der norwegische Wissenschaftler Tynes und seine Mitarbeiter führten eine umfangreiche Studie an ca. 38.000 männlichen Elektroarbeitern in Norwegen durch. Sie fanden ein erhöhtes Gehirntumor-Risiko im Vergleich zum Durchschnitt der männlichen arbeitenden Bevölkerung.

Vergleicht man die üblichen elektromagnetischen Feldstärken an den Arbeitsplätzen der in diesen Studien erfassten Berufsgruppen mit den Messwerten, die in Flugzeugen registriert werden, so ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede. Insofern ist die Feststellung des Betriebsarztes der Lufthansa durch gesicherte Forschungsergebnisse erklärbar.

Die Situation der Piloten ist wahrscheinlich auch in anderer Hinsicht ähnlich wie bei den Lokführern der neuen, schnellen Züge, die ebenfalls im Kopfbereich von sehr viel Elektronik umgeben sind. In Gesprächen mit den Betroffenen und Fachleuten der Bahngesellschaften (nicht nur in Deutschland) gewinnt man den Eindruck, dass bekannt ist, dass die Lokführer durch die sehr starken elektromagnetischen Felder in verschiedensten Frequenzbereichen nicht nur gesundheitlich extrem überfordert werden, sondern auch ihre Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit in gefährlichem Masse beeinträchtigt wird.

Berücksichtigt man diesen Sachverhalt, dann kann man Zugführer, die angeblich aufgrund menschlichen Versagens Unfälle verschuldet haben, eigentlich nicht bestrafen, sondern muss die Konstrukteure und Techniker verantwortlich machen, die Lokomotiven bauen, deren elektronische und elektrische Ausstattung zwangsläufig die Fahrtüchtigkeit des Zugführers gefährlich verringern.

 

Empfohlene Maßnahmen

Berufsverbände und Gewerkschaften sollten sich mehr um die Elektrosmog-Problematik am Arbeitsplatz kümmern! Es gibt sehr effiziente Maßnahmen zur Verringerung elektromagnetischer Strahlung, deren Kosten nur ein Bruchteil der Kosten betragen, die durch Krankheit, Arbeitsunfälle und Minderung der Arbeitsleistung entstehen.

 

Was erreicht wurde

Die Landesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Bayern führt seit Anfang 1995 Elektrosmog-Messungen an Arbeitsplätzen durch.

 

Alternativen

Schon mit einfachen und preiswerten Messgeräten kann jeder seine persönliche Arbeitsplatzbelastung selbst messen und durch die z. B. in diesem Buch empfohlenen Maßnahmen oft auch ohne Kostenaufwand erheblich verringern.

 

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