Motorbett macht Nervenarzt nervös
Dr. Moll, ein 48 Jahre alter Nervenarzt in Stuttgart, nahm den 20. Hochzeitstag zum Anlass, seiner Frau und sich ein wunderschönes Bett zu kaufen, dessen Liegefläche elektrisch in alle möglichen Positionen verändert werden konnte. Doch bereits in der ersten Nacht wachte seine Frau mehrmals auf, und morgens sagte sie, dass sie schon lange nicht mehr so schlecht geschlafen habe. Ihr Mann wollte nicht zugeben, dass er im alten Bett auch besser geschlafen hat, und meinte, dass sie wohl erst die für sie richtige Einstellung der Liegefläche herausfinden müssten.
Aber auch in den nächsten Nächten in verschiedensten Liegepositionen waren beide nicht zufrieden. Dr. Moll beobachtete, ohne jedoch seiner Frau davon etwas zu sagen, wie bei ihm selbst typische nervöse Symptome auftraten, die innerhalb von vier Wochen Formen annahmen, die er bisher nur von seinen Patienten her kannte. Seiner Frau ging es ähnlich, und beide griffen immer häufiger zu Medikamenten. Frau Moll äusserte immer häufiger ihren Verdacht, dass das neue Bett Schuld an ihren erst seit kurzer Zeit zunehmenden morgendlichen Kopfschmerzen, ihren leichten Depressionen und Rückenschmerzen ist. Ihr Mann wollte davon nichts hören, obwohl ihn der zeitliche Zusammenhang der Anschaffung des neuen Bettes mit den eigenartigen gesundheitlichen Beschwerden bei ihm selbst und seiner Frau schon immer nachdenklicher machte. Dr. Moll rief dann den Geschäftsführer des Bettenhauses an, bei dem er das neue Bett gekauft hatte. Er berichtete davon, dass seine Frau und er jetzt viel schlechter schlafen als vorher und dass er sich das nicht erklären könne. Zuerst wiegelte der Geschäftsführer ab und meinte, dass es sich hier nur um Anpassungsschwierigkeiten handeln könnte. Nachdem Dr. Moll erwähnte, dass man nach einem Vierteljahr wohl nicht mehr von Anpassungsproblemen reden könnte, gab der Geschäftsführer zu, dass gelegentlich Käufer solcher Betten mit eingebautem Elektromotor über ähnliche Beschwerden geklagt hatten, ohne dass eine Ursache dafür herausgefunden werden konnte. In einigen Fällen habe man dann das Bett gegen ein anderes, ebenfalls mit einem Motor ausgestattetes Bett eines anderen Herstellers ausgetauscht, und dann war das Problem offenbar vorbei; zumindest habe man von diesen Kunden keine Klagen mehr gehört. In seinem Fall könne man aber das Bett nicht mehr umtauschen, da es schon zu lange benutzt worden sei.
Kurz nach diesem Gespräch flatterte Dr. Moll der Brief einer ehemaligen Patientin auf den Tisch, in dem diese von den Ursachen ihrer jahrelang erfolglos behandelten Schlafstörungen und nervösen Beschwerden berichtete und wie sie nach deren Behebung nun schon über ein Jahr lang ohne Medikamente und ärztliche Hilfe völlig beschwerdefrei ist.
Dr. Moll veranlasste dann eine Untersuchung seines Hauses, ohne dabei seinen Verdacht hinsichtlich des Bettes zu erwähnen. Die Untersuchung des Hauses selbst ergab keine auffälligen Messwerte hinsichtlich elektromagnetischer Strahlenbelastung und der Intensität des Erdmagnetfeldes. Erst im Schlafzimmer reagierten die Messgeräte mit hohen Anzeigen. Das teure Motorbett war mit allerlei technischen Raffinessen ausgestattet, die allerdings in gesundheitlicher Hinsicht noch ungünstigere Auswirkungen hatten als dies bei den meisten Motorbetten der Fall ist. Ganze 17 Volt Spannung im Körper während der Nacht - bei einer ständigen Überreizung des Nervensystems in dieser Grössenordnung hilft es auch nichts, wenn man selbst Nervenarzt ist; das Nervensystem arbeitet schliesslich von Natur aus nur mit Spannungen im Milli-Volt-Bereich.
Außerdem verursachte der Transformator am Motor während der ganzen Nacht ein magnetisches Wechselfeld im Magenbereich von etwa 3200 Nano-Tesla; was die ungewohnten nervösen Magenbeschwerden des Ehepaares erklären kann. Bei vielen Motorbetten entsteht ein magnetisches Wechselfeld nur in dem kurzen Moment, wenn die Liegefläche mittels Motorkraft verändert wird; was keine ungünstigen Folgen haben dürfte. außerdem waren die bei Motorbetten unvermeidbaren massiven Metallstangen und sonstigen Metallteile durch die magnetischen Wechselfelder so stark magnetisiert, dass sie in der Liegehöhe des Bettes extreme Anomalien im natürlichen Erdmagnetfeld verursachten. Selbst starke Wasseradern oder andere geologische Anomalien können erfahrungsgemäss die relativ gleichmässige natürliche Intensität des Erdmagnetfeldes nicht annähernd so verzerren, wie dies durch magnetisierte Metallteile im Bett geschehen kann.
Empfohlene Maßnahmen
Da es in diesem Fall sehr schwierig gewesen wäre, durch Abschirmung mit MU-Metall-Folie eine gesundheitlich unbedenkliche Bettqualität zu erreichen, war der Lieferant des Bettes nach Androhung eines Schadenersatzprozesses bereit, das Bett gegen ein anderes Bett einzutauschen, dessen Liegefläche mittels einer einfachen Gashydraulik verändert werden kann.
Was erreicht wurde
Der Nervenarzt und seine Frau schlafen seitdem wieder so gut wie früher - trotz der gelegentlichen Gewissensbisse, die der Gedanke daran verursacht, dass ihr früheres Bett wahrscheinlich jetzt andere plagt.